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Bewerbung beim Roboter : Studenten sehen Künstliche Intelligenz kritisch

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Wenn Roboter Bewerber auswählen sollen, fühlen sich auch viele junge Menschen nicht ganz wohl. Bild: AFP

Studenten sind zwar im digitalen Zeitalter groß geworden. Wenn aber Künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess zum Einsatz kommt, wird ihnen doch mulmig.

          Wenn sie ihnen dabei hilft, den Stau auf der A 5 zu umgehen oder die nächste S-Bahn zu erwischen, dann stehen deutsche Studierende Künstlicher Intelligenz (KI) durchaus positiv gegenüber. Laut einer Erhebung der Frankfurter Stellenbörse Univativ, deren Angebot auf Studenten, Absolventen und Berufseinsteiger abzielt, glauben mit 53 Prozent mehr als die Hälfte von 800 Umfrageteilnehmern, dass das derzeit wohl spannendste Feld der Informatik ihnen das Leben erleichtert. Mit Blick auf den Einstieg ins Arbeitsleben können aber ebenfalls mehr als die Hälfte der befragten Studenten der neuen Technologie nicht so viel Gutes abgewinnen: 56 Prozent stehen ihrem dortigen Einsatz, etwa in Form von Robot Recruiting, kritisch gegenüber.

          Bei dieser Art der Personalgewinnung wählt eine Software mit Hilfe von Algorithmen Bewerber aus, deren Profil am besten mit den Anforderungen der Stelle übereinstimmt. Die Studierenden befürchten dabei vor allem, dass ihre Persönlichkeit weniger stark zum Tragen kommt und sie sich nicht mehr so gut von Mitbewerbern abheben. Zudem sorgen sie sich, dass ihre Daten in falsche Hände gelangen könnten.

          Dem Einsatz von KI in Bewerbungsverfahren stehen Studenten damit aber trotzdem noch offener gegenüber als manches Unternehmen, sagt Wolfgang Jäger, Professor am Fachbereich Design, Informatik, Medien an der Hochschule Rhein Main. „Die hinken immer noch hinterher. Das war schon beim Mobile Recruiting so.“ Seiner Einschätzung nach nutzen nur etwa 20 der großen deutschen Unternehmen derzeit Robot Recruiting oder Ähnliches. Vor allem Absolventen der Fächer Mathematik, Informatik Naturwissenschaft und Technik, können einer Kandidatenauswahl, die weniger auf persönlichen Merkmalen, dafür mehr auf der Auswertung von objektiv gewonnenen Daten beruht, jedoch einiges abgewinnen, sagt Jäger: „Mit Blick auf den Nasenfaktor sagen viele, vielleicht ist eine Maschine sogar fairer.“ Unvoreingenommen und nicht nach Äußerlichkeiten beurteilt zu werden ist auch der größte Vorteil, den die Teilnehmer der Univativ-Umfrage dem Einsatz von KI im Bewerbungsprozess zuschreiben: 57 Prozent glauben, dass dadurch Diskriminierung vorgebeugt wird.

          Studenten wägen Vor- und Nachteile ab

          Viele Studierende scheinen derzeit also die Vor- und Nachteile von Recruiting 4.0 noch abzuwägen. „Grundsätzlich stehe ich den neuen Bewerbungsmethoden aufgeschlossen gegenüber und sehe ihrer Entwicklung positiv entgegen“, sagt etwa Lea-Mara Winzer, die an der TU Brandenburg Betriebswirtschaftslehre studiert und sich auch in ihrer Arbeit als studentische Hilfskraft mit verschiedenen Robot-Recruiting-Verfahren befasst hat.

          Vor dem Einsatz von automatisierter Sprachanalysesoftware wie „Precire“oder der Interview-Plattform „Hirevue“, die Bewerbungsgespräche automatisiert aufzeichnet und mit Hilfe von KI auswertet, fürchtet sie sich aber auch ein wenig. „Ich befürchte, dass ich keinen Einfluss mehr darauf habe, wie meine persönlichen Daten verwendet werden.“ Fachmann Jäger begrüßt solche Skepsis: „Ich finde es gut, dass junge Menschen für möglichen Missbrauch sensibilisiert sind.“

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