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Berufswunsch und Wirklichkeit : Was ist eigentlich aus euch geworden?

Was ist aus den Berufswünschen geworden? Mona (links) zog lieber weiter. Katarina vermisste die künstlerische Freiheit. Bild: Achim Dreis

Vor drei Jahren waren sie junge Studenten der Publizistik mit unterschiedlichen Träumen, Zielen, Berufswünschen. Und heute?

          Ein Mittwochmorgen im Herbst-Winter-Modus, draußen dunkel, auch drinnen fehlt es an Licht. Raum 01-521 im Georg-Forster-Gebäude am Jakob-Welder-Weg an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. 22 junge, vielversprechende Menschen wurden hier zusammengewürfelt. 19 Frauen, 3 Männer, die meisten gerade mal 18, 19 Jahre alt. Frisch von der Schule. Nur eine schon älter als 23. Sie alle haben den Bachelor-Studiengang Publizistik gewählt, die meisten liebäugeln später mit einem Job in der Medienbranche. Nun sitzen sie hier, als Erstsemester, und warten auf Erkenntnis. Die Übung „Nachrichtenjournalismus“ im Wintersemester 2013/14 macht sie zu einer Einheit, zumindest für zwei Stunden pro Woche, 15 Wochen lang. 22 von beinahe 1400 Studierenden, die in diesem Fachbereich in dieser Stadt eingeschrieben sind.

          Gut drei Jahre später stellt sich die Frage: Was ist aus ihnen geworden? Aus Lea, Katarina, Janina und Mareen? Oder Michael und Kai? Sie müssten jetzt im siebten Semester sein. Also fertig. Denn der Bachelor ist auf sechs Semester ausgelegt. Ich war ihr Gastdozent, ich will es wissen. Und starte eine Rundmail mit einem halben Dutzend Fragen: Hat das Studium ihren Erwartungen entsprochen? Und das Studentenleben? Haben sich neue Welten erschlossen? Konnten sie den Bachelor abschließen? Wollen sie einen Master machen? Und ist Journalismus (noch) ein Berufsziel für sie?

          Der Rücklauf ist erfreulich. Zwölf der 22 retournieren die Anfrage. Eine Quote von 54,5 Prozent werte ich nach der langen Zeit als positiv. Die Antworten sind ausführlich. Die Tendenz uneinheitlich. Das ist die erste Erkenntnis der Mini-Umfrage: „Den“ Studenten gibt es nicht, „die“ Studentin erst recht nicht. Kein Lebenslauf gleicht dem anderen. Kein Mensch verhält sich wie sein Nachbar. Und noch nicht mal, wie es sein Nachbar erwartet.

          Nur zwei haben den Bachelor abgeschlossen

          Dennoch der Versuch, zu sortieren: Nur zwei, Janina und Michael, haben den Bachelor abgeschlossen, vier weitere sind noch dran. Kathrin, die Älteste der Gruppe, hat ihr Studium derzeit unterbrochen. Sie will es noch beenden, wie sie versichert. Doch sie scheint selbst nicht recht daran zu glauben, zumal sie sich im Arbeitsleben schon eingelebt hat - auch ohne wissenschaftliche Weihen. Fünf Studentinnen äußern sich entschieden - und zwar dagegen. Sie hatten mit der Publizistik sehr schnell gebrochen, alle spätestens nach dem ersten Semester, da das Fach so gar nicht ihren Erwartungen entsprach, zumeist als „zu trocken“ und zu theoretisch empfunden wurde. Lea, Mona, Katarina und Co. haben sich anderen Studienfeldern zugewandt, von Mathe und Musik auf Lehramt über Psychologie bis hin zu Raumplanung. Sie berichten, jede für sich, begeistert darüber.

          „Ich habe in Kommunikationsdesign den praktischen Schwerpunkt gefunden, der mir Raum gibt, meine Kreativität auszuleben und an konkreten Projekten zu arbeiten“, schreibt Katarina. Von ihrem Erststudium hatte sie sich dagegen mehr „praktische Schreibarbeit“ erhofft. Mona vermisste den „aktuellen Tagesbezug“. Ähnlich äußert sich Michael, obwohl er als einer der wenigen Publizistik im Hauptfach abgeschlossen hat: „Ich hatte schon erwartet, mehr praktisch Anwendbares zu lernen, was mir auch im Berufsleben weiterhilft.“ Unser Kurs Nachrichtenjournalismus sei „so ziemlich der einzige gewesen, in dem das möglich war“. Was den Praktiker freut, muss es den Theoretiker schockieren?

          Mareen gibt zu bedenken, dass es von Anfang an klar gewesen sei, den Journalismus in diesem Fach aus einer Meta-Ebene zu betrachten. Sie erklärt, dass es eben nicht sinnvoll sei, „irgendwas mit Medien“ zu studieren, nur weil es schick sei. Tatsächlich bekennt Kai: „Meine Erwartungen waren doch sehr vage.“ Für Anna dagegen hat der Studiengang „weitestgehend den Erwartungen entsprochen“. Sie wusste, dass das Studium „wohl eher theoretisch ausgerichtet“, ist und hat es deswegen mit Praktika bei größeren Zeitungen und beim Fernsehen aufgewertet.

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