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Bachelorstudium : „Für ein Bier mit Freunden war immer Zeit“

  • -Aktualisiert am

Das muss schon noch drin sein Bild: fotolia.de / Pavel Losevsky

Studenten und Professoren stöhnen über die neuen Studiengänge: Sie lassen keine Zeit für Auslandserfahrungen, keinen Raum zur Entwicklung der Persönlichkeit. Aber es gibt auch Gegenbeispiele.

          Für Jasper Bittner sieht eine ganz normale Uniwoche ungefähr wie die eines Managers aus: Achtzehn Semesterwochenstunden. Vor- und Nachbereitung von Seminaren. Klausuren. Vier Stunden als Hiwi seines Geschichtsprofessors. Montagabend Planungssitzung des studentischen Wirtschafts- und Kulturclubs. Mittwochabend dreieinhalb Stunden Orchesterprobe der akademischen Philharmonie. Freitags Klavierunterricht. Die Semesterferien verbringt er teilweise auf Seminaren der Studienstiftung. Den Rest seiner Zeit nutzt er für Hausarbeiten.

          Doch Verdrossenheit ist dem 22 Jahre alten Studenten, der an der Universität Heidelberg für den Bachelorstudiengang in Geschichte und Politikwissenschaft eingeschrieben ist, trotz diesem Pensum nichts anzumerken. Er ist also eines jener „Versuchskaninchen“ aus der ersten Generation der Studenten in Detuschland, die mit der im Zuge des Bologna-Prozesses umgestellten Studienstruktur auskommen müssen. Das bedeutet sechs Semester straffes Programm mit wenig Freiraum für private Interessen. Hinzu kommt, dass es den Bachelor-Studiengang in Heidelberg erst seit zwei Semestern gibt, das bringt die typischen Anlaufschwierigkeiten mit sich. Doch Jasper Bittner scheint den Stress gut abfedern zu können. Wie geht das, wo doch der Bachelor angeblich der persönlichen Entfaltung junger Akademiker entgegensteht? „Manche schultern mehr, manche weniger – wie das eben so ist“, sagt er selbst. „Der Bachelor nimmt wenig Rücksicht auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Studenten. Die Uni ist eben keine Spielwiese mehr, wie das vielleicht bei unseren Eltern noch war.“ Seinen Auslandsaufenthalt aber plant auch er erst nach dem Bachelor-Examen, vorher passt es kaum in die verkürzte Regelstudienzeit.

          Ausgleich mit Musik und Vereinsarbeit

          Private Inseln aber gibt es neben all den universitären Pflichten immer noch. Seine Freiräume füllt er mit Musik, aber auch mit viel Verantwortung: Im Vorstand des Heidelberger Clubs für Wirtschaft und Kultur ist er für die Organisation des jährlichen Symposiums zuständig. In der heißen Vorbereitungsphase klingelt ununterbrochen das Telefon, das Büro muss besetzt sein, Referenten springen ab, die Planung muss kurz vor knapp noch geändert werden – und all das oft parallel zu anstehenden Prüfungen.

          Das Engagement lohnt sich dennoch, findet Jasper Bittner. „Der Club bietet eine soziale Plattform. Man ist ständig gefordert, in der Gruppe zurechtzukommen, gemeinsam etwas zu entwickeln. Außerdem wird die eigene Organisationsfähigkeit enorm geschult.“ Ähnlich sei es im Orchester. Diese Alternativen zum „Einzelkämpfertum“ an der Uni, wie er es nennt, wiegen den Stress seiner Ansicht nach bei weitem auf.

          Die Entwicklungsmöglichkeiten im Bachelorstudium seien geringer als in den alten Magister- oder Diplomstudiengängen, das aber glaubt auch Jasper Bittner. Dass die Belastung durch das Studium zugenommen hat, hält er jedoch für ein Märchen. „Schnellebigkeit, Effizienzdenken und ständiger Wandel sind Anforderungen, mit denen jeder Student heute zurechtkommen muss. Das hat aber mit dem Abschlussziel eigentlich nichts zu tun.“

          Bei aller Last: Sicherheit und Struktur

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