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Bachelor-Rating : Besser BWL belegen?

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Bachelor-Studiengänge in BWL bereiten besser auf Anforderungen des Arbeitsmarktes vor als die Ingenieurswissenschaften. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Befragung von 400 Hochschulen.

          Bachelor-Studiengänge in BWL bereiten besser auf Anforderungen des Arbeitsmarktes vor als Angebote in den Ingenieurswissenschaften. Das zumindest legt eine aktuelle Befragung von knap 400 deutschen Hochschulen nahe.

          Zum zweiten Mal hat der Arbeitskreis Personalmarketing (dapm), ein Netzwerk großer Arbeitgeber in Deutschland, die Studiengänge der Betriebswirtschaft in einem Rating zur Berufsbefähigung - „Employability“ - untersucht (zur Diskussion des Begriffs Employability lesen Sie Zukunftsunternehmer in eigener Sache). In Kooperation mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) seien alle Bachelorstudiengänge unter die Lupe genommen und danach bewertet worden, inwieweit sie die Studenten fit für den Arbeitsmarkt machten. Manche Hochschulen hätten dies bei der Umstellung der Diplom- auf Bachelor- und Masterstudiengänge so gut wie gar nicht berücksichtigt, klagt das CHE.

          Gute Studien, schlechte Studien

          Besonders gut schnitten demnach zum Beispiel die Studiengänge Betriebswirtschaft an der FHW Berlin, Leisure and Tourism Management an der FH Stralsund und Business Communication an der ISM Dortmund ab (siehe Grafik). Schlechte Resultate gab es hingegen für die Elektrotechnik an der FH Dortmund, Versorgungstechnik an der FH Braunschweig/Wolfenbüttel sowie Elektrotechnik und Informationstechnik an der Universität Hannover.

          Kriterien seien unter anderem der Praxisbezug des Studiums, die Internationalität oder die Vermittlung von Methoden- und Sozialkompetenzen gewesen. Erstmalig seien in diesem Jahr die Ingenieurwissenschaften hinzugekommen, unterteilt nach Wirtschaftsinformatikern, Wirtschaftsingenieuren, Elektro- und Informationstechnikern, Maschinenbauern/Verfahrenstechnikern und Bauingenieuren. Im kommenden Jahr sollen auch weitere Studienfächer berücksichtigt werden. Fachkompetenz sei nicht Gegenteil der Untersuchung gewesen, weil die von den Akkreditierungsstellen überprüft werde.

          Quantitative Faktoren

          Anhand quantitativer Faktoren sei die überfachliche Qualität des Studiengangs bewertet worden. Methodenkompetenz werde mit Fragen nach der Anzahl der Wahl- und Pflicht-Credits von Präsentationseinheiten, Fallstudien, Projektseminaren und Planspielen hinterfragt. Ebenso bei der Sozialkompetenz: Hier stünden Gruppenarbeiten und die Anerkennung von Tutorientätigkeiten im Vordergrund. Internationalität werde mit Fragen nach obligatorischen Auslandsaufenthalten, der Zahl internationaler Dozenten und dem Anteil fremdsprachiger Lehrveranstaltungen und ausländischer Studierender bewertet. Außerdem sei nach dem Vorhandensein von Career Centern gefragt worden, nach Informationsveranstaltungen über Berufsfelder und Arbeitsmarkt, Praxissemestern und Praxisphasen. Lehrveranstaltungen durch Praktiker von außerhalb der Hochschule sowie Professoren mit Praxiserfahrung sollten Aufschluss über die Praxisbezogenheit des Studiengangs geben. Die Teilergebnisse aus den vier bewerteten Bereichen wurden unterschiedlich gewichtet und zu einem Gesamtergebnis verrechnet.

          Ingenieursausbildung nicht ganz oben dabei

          Diese Ergebnisse des Ratings zeigen den Angaben zufolge einige Trends: Auffällig sei zunächst, dass es kein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang in die Spitzenkategorie mit fünf Sternen geschafft habe. Die Bebtriebswirtschaftslehre, so die Folgerungen des „dapm“ scheine also stärker mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes vernetzt zu sein als die Ingenieurwissenschaften. Das gelte insbesondere in der Methoden- und Sozialkompetenz.

          Von den 13 mit fünf Sternen bewerteten Studiengängen werden zwei von privaten Hochschulen angeboten. Viele Studiengänge hätten zufriedenstellende Werte beim Praxisbezug erzielt, seien jedoch bei der Internationalität oder auch der Methodenkompetenz deutlich zurückgefallen.

          Der „dapm“ wertet die Befragungsergebnisse als Signal, dass die Umstellung im Rahmen des Bologna-Prozesses noch lange nicht erfolgreich abgeschlossen sei. „Studiengänge, die mit maximal einem Stern abschließen, sollten ihre Studiengänge grundlegend überarbeiten, wenn sie das Ziel haben, ihre Absolventen für den Arbeitsmarkt fit zu machen“, heißt es in einer Mitteilung. Die Unternehmen des „dapm“ nutzten die Ergebnisse des Ratings für ihre Rekrutierungsstrategien. So könne eine Hochschule, die bisher nicht im Blickfeld der großen Unternehmen gewesen sei, aber ein gutes Ergebnis erzielt hat, damit rechnen, „künftig auch von den Mitgliedsunternehmen des dapm stärker beachtet zu werden“.

          Kritik am Rating

          Unumstritten ist das Rating nicht. Beim jüngsten Treffen der „Selbst-GmbH“, einem Netzwerk für Personalprofis, nannte es Professor Wolfram Dietrich von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg „alten Wein in neuen Schläuchen“. Es sei „verrückt anzunehmen, dass konservative Studiengänge die Dauer verkürzen und obendrauf Schlüsselqualifikationen vermitteln“ könnten. Professor Jutta Rump von der FH Ludwigshafen hielt dem entgegen, das Rating habe sehr geholfen, gerade beim Hochschulmarketing, „obwohl wir im Mittelfeld liegen“.

          Ziel des „dapm“ ist es, als Berufsverband Privatwirtschaft Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des Personalmarketings in Europa zu fördern sowie Qualitätsleitlinien im Personalmarketing zu entwickeln.

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