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BA-Studium bei McDonald´s : Einen McBachelor, bitte

  • -Aktualisiert am

Ausgerechnet McDonald´s will den den McJob abschaffen Bild: AP

Die größte Fast-Food-Kette der Welt ist um ein besseres Image als Arbeitgeber bemüht. Erstmals studieren 100 Auszubildende von McDonald´s an Berufsakademien Betriebswirtschaft. Das Ziel: ein Top-Job, kein McJob.

          McDonald's will weg vom Billig-Image. Dafür hat die größte Fast-Food-Kette der Welt Restaurants in Deutschland aufgemöbelt, Café-Ecken geschaffen und Cocktail-Kreationen am Kunden getestet. Jetzt sind die Mitarbeiter dran. McDonald's-Restaurantmanager in spe erarbeiten sich akademische Weihen. Seit Anfang Oktober absolvieren einhundert neue Auszubildende erstmals ein dreijähriges duales Bachelor-Studium, um später statt eines „McJobs“ einen Top-Job beim Burgerbrater zu ergattern.

          Personalvorstand Wolfgang Goebel will die guten Erfahrungen nutzen, die sein Unternehmen mit einem Pilotprojekt im Regionalbüro Südwest gesammelt hat. Vor anderthalb Jahren haben dort die ersten 19 Studenten ihre Ausbildung an der Internationalen Berufsakademie (IBA) in Heidelberg aufgenommen, nun gibt es das Angebot in ganz Deutschland: „Das Thema McBachelor, das Studium bei McDonald´s, ist für uns neu. Wir haben erkannt, dass es eine Möglichkeit ist, jungen Leuten nach ihrem Abitur oder der Fachhochschulreife eine Perspektive zu geben, aber auch unsere Management-Qualität in den Restaurants zu verbessern.“

          Inbegriff für Hungerlöhne und Stress

          Tatsächlich hat es der Fast-Food-Riese nicht leicht mit seinem Image als Arbeitgeber. Von „McJob“ ist die Rede, das könnte hochqualifiziertes Personal abschrecken. Der Begriff wurde 1991 durch den Bestseller „Generation X“ von Douglas Coupland berühmt. Der Erzähler Andy benutzt ihn nur ein einziges Mal - und bezieht sich nicht aufs Burgerbraten, sondern auf den Job eines Barmanns. Die Assoziation ist trotzdem kaum aus der Welt zu schaffen. Ein „McJob“ gilt inzwischen als der Inbegriff für Hungerlöhne und stressige Arbeit. Der Duden definiert den „McJob“ als schlecht bezahlten ungesicherten Arbeitsplatz, und das Oxford English Dictionary spricht von einem wenig stimulierenden, schlecht bezahlten Job mit geringen Karrierechancen. Dagegen will der Konzern nun angehen.

          Goebel betont deshalb, dass sein Unternehmen in Deutschland 80 Prozent der Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig in Teil- und Vollzeit beschäftigt. „Geringfügig Beschäftigte arbeiten nur, um die Spitzen abdecken.“ Der Restaurant-Manager leite das Restaurant wie einen mittelständischen Betrieb, mit Personalverantwortung zwischen 25 und 40 Mitarbeitern und Assistenten, die für den reibungslosen Ablauf während des Tages verantwortlich seien.

          Nicht nur Personalmarketing

          Die Manager bringen meist eine kaufmännische Ausbildung mit, mitunter auch ein Studium, die Assistenten arbeiten sich vom gewerblichen Mitarbeiter hoch ins Restaurant-Management. Die Vita der Menschen ist eher bunt: „60 bis 70 Prozent rekrutieren wir extern aus anderen Berufen“, sagt Goebel. Der Arbeitgeber - eine gute Marke? Der Bachelor als Teil eines „Employer Branding“? „Ich würde das nur zur Hälfte darunter fassen“, wehrt Goebel ab, „die Frage ist doch die nach der Herausforderung im Tagesgeschäft. Fürs Restaurant-Business ist eine akademische Ausbildung bisher nicht unbedingt eine Voraussetzung. Um beim Management besser zu werden, dafür haben wir den McBachelor.“

          Konkret soll die Ausbildung im dualen Studium so aussehen: Im praktischen Teil arbeiten sich die Studenten zunächst zum Schichtführer und dann zum Assistenten des Restaurant Managers hoch. Außerdem studieren sie an einer Berufsakademie in Berlin, München, Hamburg, Heidelberg oder Bochum und büffeln Personalführung, Warenwirtschaft, Kundenorientierung. „Basis ist hier die duale Ausbildung“, beschreibt Goebel den Alltag, „das heißt wöchentlicher Wechsel zwischen Unterricht an der BA und der Praxisausbildung im Restaurant.“ (lesen Sie über Berufsakademien: Studium für Erwachsene)

          Betriebswirt für Hotel- und Tourismusmanagement

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