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Ausgefallene Sprachen : Baltistik studieren - und dann?

  • -Aktualisiert am

Mitunter allein auf weiter Flur: Jolanta Gelumbeckaité kämpft für die Baltistik in Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

Ob Lettisch, Friesisch, Sorbisch oder Keltisch: Wer Nischensprachen studiert oder lehrt, muss mit Widrigkeiten umgehen können. Es fehlen oft Geld, Personal und gute Perspektiven. Warum sich so ein Studium trotzdem lohnen kann.

          Würden angehende Wirtschaftswissenschaftler, Juristen oder Ingenieure gefragt, welchen Wert ihr Studienfach denn habe, was sie damit anfangen wollen, was das überhaupt solle - sie könnten das für pure Unwissenheit halten. Oder für einen schlechten Scherz. Bei Vertretern sogenannter „exotischer“ Sprachen ist das anders. Sie retten sich schon mal mit Scherzen vor wiederkehrenden Fragen. Jolanta Gelumbeckaité zum Beispiel. Sie lehrt an der Universität in Frankfurt Baltistik - ein klassischer Fall also für Was-soll-denn-das-Diskussionen. Die Litauerin informiert erst einmal, dass die baltischen Sprachen „ein Lieblingskind“ der Indogermanistik seien, und behilft sich dann so: „Denjenigen, die die Frage nach dem Wert der Baltistik stellen, antworte ich oft: um die Baltistik und die Ballistik nicht zu verwechseln.“

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gelumbeckaité ist gerade dabei, Mitstreiter bei dieser Aufklärungsarbeit zu gewinnen. In Frankfurt werden baltische Sprachen seit zehn Jahren gelehrt, aber neuerdings gibt es das Fach sogar als Schwerpunktstudium. Das war zuletzt mal eine erfreuliche Nachricht für die Betroffenen, aber wie labil die Lage ist, wissen alle, die sich hier tummeln. Wer hören möchte, wie Indogermanisch geklungen haben könnte, sollte sich mit baltischen Sprachen beschäftigen, sagt Gelumbeckaité schwärmerisch. Auch ziehe der Studiengang längst nicht mehr nur Leute an, die „eine Oma aus Ostpreußen“ haben. Aber dass Lettisch, Litauisch und das ausgestorbene Altpreußisch deshalb aus der Gefahrenzone wären, lässt sich nicht gerade sagen. Zumal es nur noch rund fünf Millionen Sprecher des Baltischen gibt.

          Nach der Öffnung der osteuropäischen Grenzen sei die Begeisterung zwar groß und die Unterstützung für die osteuropäischen Philologien beachtlich gewesen. Aber das habe sich inzwischen geändert. Viele Angebote seien gestrichen worden. „Die kleineren Sprachen und Philologien haben es in Deutschland derzeit sehr schwer“, sagt sie. „Auch bei Projektanträgen bekomme ich von diversen Stiftungen oft die Frage gestellt, warum ich mein Projekt nicht in Litauen beantrage.“ Am Ende hängt es immer am Geld. Auch Gelumbeckaité ist darauf angewiesen, dass eine Lektorin, die sie unterstützt, vom litauischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft und vom Europäischen Sozialfonds finanziert wird. „Ohne das Geld aus Litauen hätten wir den Schwerpunkt nicht machen können“, sagt sie.

          Von der Verlockung kleiner Fächer

          Gleichzeitig geht es darum, Studiengänge, die verdächtig nach brotloser Kunst klingen, attraktiv zu gestalten und berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Elisabeth Rieken, Professorin an der Universität Marburg, die viel über hethitische Sprachen veröffentlicht hat, spricht von den Verlockungen kleiner Fächer, also auch kleiner Sprachen. „Bei uns geht keiner in der Masse unter“, sagt sie. Auch hier pflegt man den Reiz der Nische: Exklusiv in Deutschland wird ein Master-Studiengang Keltologie angeboten, wo Alt- und Mittel-Irisch, Schottisch-Gälisch, Kymrisch, also Walisisch, Bretonisch und Kornisch gelehrt werden, dazu das nur fragmentarisch überlieferte Festlandkeltische.

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