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Informatik in der Schule : Nächste Stunde: App programmieren

Freiwillig nachsitzen: Marian (links) und sein Schulfreund Konstantin lernen im Unterricht das App-Programmieren - und machen oft auch zu Hause noch weiter. Bild: Edgar Schoepal

In England lernen schon Grundschüler das „Coden“, deutsche Lehrer sind echte Computermuffel. Es gibt aber doch Beispiele, die zeigen, dass es besser geht.

          Marian schiebt mit der Computermaus Puzzleteile auf seinem Bildschirm hin und her. Auf den gelben, grünen und blauen Bausteinen sind Befehle in einer wilden deutsch-englischen Sprachmischung zu lesen: „when ButtonLinks .Click do set ImageSpriteHund . X to ImageSpriteHund . X - 10“. Was für den Laien unverständlich klingt, ist für Marian sonnenklar: „Wenn man links klickt, soll das Bild von dem Hund um zehn Pixel nach links gehen“, erklärt er.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Marian Wölpper ist 13 Jahre alt, wohnt im sauerländischen Lennestadt und programmiert gerade eine Smartphone-Spiele-App. Er ist nicht der einzige Schüler aus der Sekundarschule Hundem-Lenne, der an diesem Mittwoch versucht, ein Hundebild über das Display laufen zu lassen. Insgesamt 18 Jungen und Mädchen aus Marians Jahrgangsstufe sitzen gemeinsam mit ihrem Lehrer Christian Rademacher im Computerraum. Immer zwei teilen sich einen Bildschirm, zum Testen der entstehenden App nutzen manche ihr privates Smartphone. Wer keines hat, darf das Tablet des Lehrers ausleihen.

          Szenen wie diese aus Marians Klasse sind in Deutschland noch immer eine Seltenheit. Während in Großbritannien sogar schon Grundschüler lernen, wie man mit Quellcodes umgeht, muss man in Deutschland froh sein, wenn in einer Grundschulklasse überhaupt ein PC zur Verfügung steht. Ob er im Unterricht dann auch zum Einsatz kommt, ist mehr oder weniger Glückssache. In der vom Bundesbildungsministerium geförderten ICILS-Studie aus dem Jahr 2014, in der es um Digitalkompetenzen von Schülern ging, schnitt Deutschland katastrophal ab. Verglichen mit 20 anderen Ländern kamen Computer im Unterricht in Deutschland so selten zum Einsatz wie nirgendwo sonst. Deutsche Lehrer waren im Bereich Informatik deutlich schlechter ausgebildet und medienskeptischer als ihre Kollegen in anderen Ländern. Und viel spricht dafür, dass sich seitdem nur wenig geändert hat.

          Die Informatik-Muffeligkeit in deutschen Klassenzimmern ist mittlerweile sogar der Bundesregierung aufgefallen – schließlich sind Algorithmen, künstliche Intelligenz und selbstlernende Maschinen die Zukunftsthemen schlechthin. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat 5 Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen zugesagt. Doch noch immer ist unter Lehrern höchst umstritten, ob Coding, wie das Programmieren unter Fachleuten heißt, wirklich in den Unterricht gehört. Die einen halten es für zu schwierig, die anderen sind technikscheu und die Dritten verlieren sich in der Hoffnung, dass die selbstlernenden Maschinen in naher Zukunft schlicht Deutsch sprechen, statt HTML oder Swift. Auf der anderen Seite gibt es einige wenige Lehrer, wie den von Marian Wölper aus Lennestadt. Christian Rademacher tut sich schwer, zu entscheiden, was er wichtiger findet: Coden lernen oder Französischvokabeln pauken. „Schließlich ist Programmieren so etwas wie die Fremdsprache der Zukunft“, sagt er. Und schließlich hat sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Fahnen geschrieben, dass Deutschlands Schüler im Programmieren aufholen sollen: „Ich glaube, dass die Fähigkeit zum Programmieren eine der Basisfähigkeiten von jungen Menschen wird, neben Lesen, Schreiben, Rechnen. Die werden nicht wegfallen. Aber Programmieren wird noch mal dazukommen“, hatte die CDU-Chefin Ende des vergangenen Jahres während einer Digitalkonferenz gesagt.

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