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Angebot für Studenten : Mit Podcasts zum Bachelor

  • -Aktualisiert am

Podcast-Produktion in Mainz Bild: David Metzmacher

Probleme mit dem Zeitmanagement oder der Motivation? Was sind überhaupt die Inhalte der Vorlesung und wie kleidet sich der Professor? Podcasts berieseln Studenten mit allerhand.

          Was früher nur unmittelbar von Mensch zu Mensch denkbar war, funktioniert heute oft online. Arbeitnehmer telefonieren aus dem Home-Office mit dem Chef, Schüler wiederholen ihren Lernstoff über Online-Nachhilfe, und Studierende nehmen über Videokonferenzen vom anderen Ende der Welt aus an Seminaren teil. Wenn junge Leute nach Informationen über Studiengänge suchen, Universitäten und Fächer vergleichen, Probleme mit Zeitmanagement oder ihrer Motivation haben, dann suchen sie die Lösung meist im Internet. Immer häufiger stoßen sie dabei auch auf Podcasts, also Audio-Beiträge, die meist kostenlos abonniert, heruntergeladen und auf Smartphone, Tablet oder Laptop angehört werden.

          „Junge Erwachsene müssen oft zum ersten Mal selbständig wichtige Entscheidungen über ihren weiteren Lebensweg treffen und sehen sich einer großen Zahl an Möglichkeiten gegenüber“, sagt Friedrich Arndt, Leiter der Studienberatung an der Universität Freiburg. Viele empfänden das als sehr herausfordernd, manchmal auch überfordernd. Ein Podcast, der die Wahl des richtigen Studienfachs erleichtern soll, ist der „Vorlesungspodcast“ von Julian Zschocke und Daniel Böcher. Die Master-Absolventen aus Mainz besuchen Vorlesungen in für sie völlig fremden Fächern. Darüber sprechen sie dann eine knappe Stunde mit einem Studierenden des Fachs. „Wir stellen Fragen, die man sonst eher nur auf WG-Partys stellt“, sagt Zschocke, „und dabei kann uns jeder zuhören.“

          Diese Fragen soll der Podcast beantworten

          Wie sind die Kommilitonen? Wie kleidet sich der Professor? Wie läuft so eine Vorlesung eigentlich ab? Diese Fragen soll der Podcast unter anderem beantworten. „Gerade Abiturienten, die nicht aus einer Familie mit vielen Akademikern kommen, haben gar keine richtige Vorstellung davon, wie das an der Uni so ist“, sagt Böcher. Viele wüssten zudem nicht, was sie einmal werden wollen, „da kann so ein Podcast vielleicht helfen“. Die Beschreibungen der Studiengänge auf den Seiten der einzelnen Institute seien häufig unverständlich, ergänzt Zschocke. „Dafür muss man studiert haben.“ Das überfordere und schrecke ab. „Wir wollen zeigen, dass Uni Spaß macht.“

          Kennengelernt haben sich Zschocke und Böcher während ihres Masters in Humangeographie an der Universität in Mainz. Schon währenddessen wollten sie immer wissen, was in den anderen Hörsälen so passiert. Jetzt arbeiten sie in unterschiedlichen Medienunternehmen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Für den Podcast haben sie unter anderem Vorlesungen in Publizistik, Politikwissenschaften, Mathematik und Wirtschaftswissenschaften besucht. Ein Abiturient, der sich überlegt hatte, in Mainz zu studieren, habe sich nach drei Folgen des Podcasts schließlich dafür entschieden, erzählt Böcher. „Das ging schon ans Herz.“

          Ihr Vorlesungspodcast ist ein privates Projekt, das vom Verein Campus Mainz unterstützt wird, dessen Vorsitzender Böcher ist. Mit einem weiteren Kommilitonen moderiert er noch einen weiteren Podcast, den „Campuscast“. Darin geht es um das akademische Einmaleins: Was ist eine Vorlesung, was ein Seminar? Was unterscheidet eigentlich eine Universität von einer Hochschule? Die Idee sei die eines Erfahrungstransfers, sagt Böcher. „Studierende, die was wissen und erlebt haben, geben das an noch nicht so Erfahrene weiter.“ Der Podcast soll auch das thematisieren, was fast jeden beschäftigt, der studiert: Wie bekomme ich das Studium und Nebenjobs unter einen Hut? Wie kann ich ins Ausland gehen? Wo gibt es Rabatte für Studierende? Passt ein Kind zum Studium?

          Eine Professorin, die selbst Schwierigkeiten mit dem Lernen hatte

          Kira Klenke hat mit dem Aufnehmen von Podcasts früh begonnen, eigentlich schon während ihrer Statistik-Professur an der Hochschule Hannover. Dort lehrte sie mehr als zwei Jahrzehnte lang im Studiengang Informationsmanagement. Nach den Vorlesungen fasste sie die wichtigsten Inhalte in einer fünfminütigen Audiodatei zusammen und stellte sie ihren Studierenden zur Verfügung. „Viele junge Leute lesen heute nicht gerne“, sagt Klenke. Der Podcast habe deutlich besser funktioniert als etwa ein Handout oder der Verweis aufs Lehrbuch. Sie hat während ihrer Schulzeit selbst Schwierigkeiten beim Lernen gehabt. So zu lernen, wie die Lehrer es von ihr wollten, habe sie nie gekonnt, sagt sie. „Aus Verzweiflung habe ich mir meine eigenen Lernwege gesucht – das war der Schlüssel zum Erfolg.“

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