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An die Uni trotz Behinderung : Wir ziehen das Studium durch!

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Sinan Tunbek (links) und Anton Wachner lassen sich nicht entmutigen - im Gegenteil. Bild: Frank Röth

Acht Prozent aller Studierenden sind körperlich oder gesundheitlich eingeschränkt; viele fühlen sich an der Uni alleingelassen. Diese vier Studenten erzählen aber eine ganz andere Geschichte - eine, die Mut macht.

          Man möchte meinen, Lachse und Kaninchen hätten nur die offenkundig gemeinsame Eigenschaft, dass man sie unter dem Begriff „Tier“ zusammenfassen kann. Doch Maurice Hartmann nennt sie häufig in einem Satz. Ein Satz, der großen Einfluss auf sein Leben hat. „Ich vertrage nichts, außer Lachs und Kaninchen“, sagt er. Und er meint es wörtlich.

          Was auch immer Hartmann anderes berührt, einatmet, isst: Er reagiert darauf allergisch. Was heißt, dass er ständig krank ist. Denn weder kann er unter einer Glasglocke leben noch jeden Tag Lachs oder Kaninchen essen. Maurice Hartmann ist 21 Jahre alt und kann sich an ein Leben ohne Asthma, Neurodermitis, ein geschwächtes Immunsystem und eine beträchtliche Anzahl an Fehlzeiten in der Schule nicht erinnern. Dennoch hat er ein Studium als Unternehmensjurist begonnen. „Mein Ziel ist es, alle Klausuren zu bestehen. Ich will sagen können: Ich habe mein Studium geschafft, jetzt schaffe ich auch einen Job.“ Platz für Zweifel gebe es da nicht, sagt Hartmann. „Es gibt so viele, die das Studium abbrechen wollen, nur weil sie Angst vor einer Matheklausur haben. Sobald etwas nicht gleich funktioniert, geben sie auf. Das wurde mir durch die Krankheit abtrainiert.“

          Fleißig - von zu Hause aus: Maurice Hartmann

          Im dritten Semester ist Hartmann jetzt, er wohnt bei seinen Eltern. Eine Wohnung in Mannheim, die von der Bausubstanz so gut ist, dass er darin leben kann, sei teuer - und ein Nebenjob mit flexiblen Arbeitszeiten schwer zu finden. Im Studium kommt ihm zugute, dass es keine Anwesenheitspflicht gibt. Da muss er sich nicht für Fehlzeiten rechtfertigen. „Oft geht es gut, aber dann esse ich aus Versehen eine Nuss und falle eine Woche lang aus“, sagt Hartmann. Und wenn die Neurodermitis schlimmer werde, sei es auch kein Vergnügen, in einer Vorlesung zu sitzen. Wenn die Haut juckt, aufplatzt und blutet, man sich eigentlich waschen, eincremen und umziehen müsste, möchte man nicht auch noch von den Kommilitonen beobachtet werden. Im Studium schreibt er auf seinem Laptop mit, für Klausuren bekommt er einen von der Universität gestellt. Denn Hartmann kann nicht lange mit einem Stift schreiben, ihm fehlt jeweils das oberste Fingerglied an drei Fingern seiner rechten Hand. Ein Unglück hatte das andere nach sich gezogen: Als Kleinkind trug Hartmann Strampler mit Handschuhen, damit er sich die juckende Haut nicht aufkratzen konnte. Ein Handschuh verwickelte sich tragischerweise in einer elektrischen Brotschneidemaschine.

          Wenn der Prüfungsstoff nur aus dem besteht, was in der Vorlesung gesagt wurde, fällt es dem 21-Jährigen schwer, sich auf die Klausuren vorzubereiten. Denn Vorlesungen verpasst Hartmann viele. Er verpasst auch das typische Studentenleben. Und doch sieht Hartmann seine Einschränkungen als Erfahrung, die andere nicht gemacht haben. „Ich schlag mich einfach durch, egal was kommt“, sagt er.

          „Ohne Behinderung hätte ich nicht studiert“

          Als Sinan Tunbek 15 Jahre alt war, kam es für ihn nicht in Frage, einmal ein Gymnasium zu besuchen und Abitur zu machen. Am letzten Schultag vor den Sommerferien erhielt er ein schlechtes Zeugnis für sein neuntes Schuljahr in einer Realschule in Fulda. Noch ein Jahr bis zum Abschluss, dann wollte er einen kaufmännischen Beruf ergreifen.

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