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Alumni-Netzwerke : Niemals geht man so ganz

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak

Viele Unternehmen erkennen das Potential von Alumni-Netzwerken. Ihre Hoffnung: Ein guter Draht zu früheren Angestellten bringt Aufträge und ein positives Image.

          Aus den Augen, aus dem Sinn? Gerade im Beruf ist das oft nicht mehr erwünscht. Mit etwas Abstand erinnern sich viele gerne an ihre ehemalige Firma und die alten Kollegen, gerade dann, wenn sie sich eine berufliche Neuorientierung wünschen. Diese Sehnsucht stößt bei Unternehmen vermehrt auf Gegenliebe. Die gerade von den Universitäten Bamberg und Frankfurt mit dem Online-Stellenmarkt Monster erstellte Studie „Bewerbungspraxis“ ergab: Vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland (44 Prozent) möchten nach ihrem Ausscheiden bei einem Unternehmen in ein Netzwerk von ehemaligen Mitarbeitern (Alumni) aufgenommen werden. Befragt wurden rund 10.000 Bewerber.

          „Die Beziehungspflege zu diesen Alumni ist häufig Teil des ,talent management', bei dem ein Kandidatenpool aufgebaut wird, der einem Unternehmen helfen soll, näher an möglichen Mitarbeitern zu sein als seine Konkurrenten“, sagt Studienautor Tim Weitzel, Professor am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg. Wie viele Personaler spricht Weitzel von sogenannten „Boomerang- oder Re-hires“, bei denen Firmen ehemalige Mitarbeiter wieder einstellen. Bislang verwenden sie dafür regelmäßige mehr oder weniger professionell gestaltete Online-Plattformen, auf denen sie in Foren Informationen bereitstellen, Bilder von Firmenfeiern aus der Vergangenheit oder Stellenausschreibungen. Wer angemeldet ist, kann sich auf den neuesten Stand bringen, was in seiner alten Firma aktuell passiert, welche Veranstaltungen für ihn interessant sein könnten oder wie er mit früheren Kollegen Kontakt aufnehmen kann. Bei den Mitarbeitern stoßen solche Angebote ihres Arbeitgebers meist auf reges Interesse.

          Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat

          Für Susanne Ransweiler war das einer der Gründe, sich im vergangenen Jahr als Unternehmensberaterin selbständig zu machen. Seitdem berät sie Unternehmen beim Aufbau online-gestützter Alumni-Organisationen. Diese böten „enormes Geschäftspotential, darüber hinaus aber auch Vorteile mit Blick auf Imagepflege, Rekrutierung sowie das Personal- und Wissensmanagement“, sagt Ransweiler. Ehemalige Fach- und Führungskräfte würden in ihren neuen Positionen häufig zu Kunden, Lieferanten oder Wettbewerbern, mit denen der ehemalige Arbeitgeber Geschäfte mache. Wer im Guten gehe, spreche zudem in der Regel positiv über seine alte Firma. „Das sind Multiplikatoren, Imageträger nach außen, die mein Label, meine Marke repräsentieren. Wer ist schon glaubhafter als Ehemalige?“ Dazu könne das Wiedereinstellen in Zeiten von Fachkräfteengpässen ein kostengünstiger Weg sein, um gute Mitarbeiter zu gewinnen. „Denkbar ist natürlich auch eine Rekrutierung Dritter über das Netzwerk“, argumentiert Ransweiler, „damit sinken die Kosten.“

          Wirklich neu ist die Idee von Alumni-Netzwerken zwar nicht. Verbreitet ist sie in Deutschland indes allenfalls an den Hochschulen. „Das Interesse ist in erster Linie bei denjenigen gegeben, die als Berater arbeiten, weil dort die Fluktuation sehr hoch ist“, sagt Jens Hohensee, Personalberater von Kienbaum in Hamburg. Die stark angelsächsisch geprägte Branche der Unternehmensberater habe die Idee der Ehemaligen-Netzwerke schließlich aus Akquise-Gründen auf die Wirtschaft übertragen. Das Motto: Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat.

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