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Ärzte für Vietnam : Mainzer Medizin-Export

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Immer nur lächeln: Der dritte Studentenjahrgang der „Vietnamese German Medical Faculty“. Bild: Martina Lenzen-Schulte

Deutsches Curriculum für Vietnam: Lehrkräfte der Mainzer Gutenberg-Uni bilden in Ho-Tschi-Minh-Stadt Ärzte aus. Überraschungen erleben dabei beide Seiten.

          Der Anatomiedozent schaut fragend in die Runde, während er einen langen Muskel am Oberschenkel anhebt. Die Studenten um ihn herum identifizieren die Struktur rasch als Musculus gracilis. Alltag im Präpariersaal? Nur fast. Maximilian Ackermann vom Institut für Funktionelle und Klinische Anatomie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz lehrt hier an einem ungewöhnlichen Ort: Wir befinden uns nämlich an der University of Medicine Pham Ngoc Thach (UPNT) in Ho-Tschi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon. Die 20 vietnamesischen Studenten im Raum verteilen ihr Präparierpensum auf fünf Leichen und haben noch nie zuvor solch einen Anatomieunterricht genossen. Der Saal ist dafür eigens eingerichtet, die Leichen hierfür formalinfixiert worden. „Ein Anatomiekurs, wie wir ihn in Mainz praktizieren und wie er in ähnlicher Form an deutschen medizinischen Fakultäten stattfindet, ist hierzulande eigentlich unbekannt“, sagt Mediziner Ackermann.

          Er zählt zu den Dozenten, die aus Deutschland nach Vietnam kommen, um das Mainzer Curriculum für Mediziner - nach dem eine ausgewählte Gruppe von Medizinstudenten an der UPNT unterrichtet wird - mit Leben zu erfüllen. Er vertritt dabei Mainz zum wiederholten Mal, und zwar „mit wachsender Begeisterung“, so Ackermann. Es ist ein deutschlandweit einzigartiges Kooperationsprojekt. Inzwischen unterrichtet er den dritten Jahrgang von Studenten der sogenannten „Vietnamese-German Medical Faculty“ (VGMF), die zur normalen medizinischen Lehranstalt der Universität gehört.

          Gegründet wurde die gemeinsame Fakultät im Dezember 2010, als beide Universitäten vereinbarten, dass jedes Jahr eine Gruppe von etwa 30 bis 40 Studierenden der Pham-Ngoc-Thach-Universität nach dem medizinischen Lehrplan der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unterrichtet wird. Deshalb reisen regelmäßig Dozenten für unterschiedliche Fächer von Mainz nach Ho-Tschi-Minh-Stadt. Es werden aber auch in Mainz seit Ende des Jahres 2010 vietnamesische Lehrkräfte ausgebildet, um diesen Unterricht übernehmen zu können. Das ambitionierte Vorhaben verdankt seine Geburtsstunde zum einen den Reformwünschen des Ministeriums für Bildung und Erziehung und des Gesundheitsministeriums in Hanoi. Es ist das erklärte Anliegen, verstärkt mit internationalen medizinischen Fakultäten zu kooperieren, um die Ausbildung der Ärzte zu verbessern. Zum anderen kamen entscheidende Impulse von Si Huyen Nguyen, der 1970 als Student nach Deutschland kam und an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main Medizin studierte. Er ist zurzeit leitender Oberarzt an der kardiologischen Abteilung der Helios St. Marienberg Klinik in Helmstedt, außerdem Präsident des Deutsch-Vietnamesischen Förderkreises für Kardiologie. Und er hat bei mehreren Entwicklungshilfeprojekten für Mediziner in Vietnam mitgewirkt.

          Studenten tauen erst spät auf

          „Ich habe mich damals gefragt, wie ich mein Land unterstützen kann, um Anschluss an ein internationales Level in der Medizin zu finden“, sagt er beim Besuch der Fakultät in Ho-Tschi-Minh-Stadt. Für Nguyen, der auf deutscher Seite die VGMF als Vizedekan vertritt, war es von Anfang an wichtig, Ärzte nicht erst nach ihrer Ausbildung spezielle Fähigkeiten - zum Beispiel endoskopische Verfahren oder andere Operationstechniken - üben zu lassen. „Ich bin der Meinung, dass schon im Studium Grundlagen gelegt werden müssen, die das Niveau der europäischen Medizinerausbildung ausmachen“, sagt er. „Das lässt sich nicht durch das Erlernen isolierter Fertigkeiten ersetzen.“ In Mainz fanden sich schließlich die Partner, die den Export ihres Curriculums nach Vietnam unterstützten - getragen vor allem vom Engagement derjenigen, die seither immer wieder Unterricht an der Partneruniversität übernehmen.

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