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Bürogestaltung : Schöner arbeiten

Hier war kein Feng-Shui-Berater am Werk Bild: AP

Weiße Wände sind seelenlos, Zimmerbrunnen zwiespältig, und Großraumbüros schätzen oft nur die Chefs: Wie die Gestaltung der Büros das Arbeitsklima und die Motivation der Mitarbeiter beeinflußt.

          Der Lyoner Stern liegt in der Frankfurter Bürostadt Niederrad. In dem wuchtigen Bürogebäude gibt es Etagen voller Gegensätze. Zu den behaglichen Büros der Romantik-Hotel- und -Restaurantkette führt ein lauschiger Flur, der an ein Hotelfoyer erinnert: Weichholzschrank, Eichenschreibtisch, roter schrittschluckender Teppich.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          In den Mitarbeiterbüros stehen ahorngebeizte geschwungene Schreibtische, an pastellfarbenen Wänden hängen Rosenbilder. Das Kontrastprogramm bietet der Flur der Unternehmensberatung gegenüber: nüchternes Metall, unterkühlte Eleganz, blaue Bilder - natürlich abstrakt.

          Keine Spur von Gemütlichkeit. Effizienz inszeniert niemand in romantischem Rahmen. Völlig anders eingerichtet ist wiederum die Travel Agency, eine Lufthansa-Tochter, die sich konsequent mit ihren Firmenfarben Orange und Blau schmückt und so mit fehlendem Tageslicht versöhnt. Der Pausenraum heißt Ibizabar und verbreitet mit seinen knalligen Farben Kinderzimmeratmosphäre. Das ist gewollt. „Wenn Sie überall Corbusier stehen haben, dann fehlt das entspannte Lego-Gefühl“, sagt Susanne Arenstorff von der Bayerischen Immobilien Gruppe, kurz BIG. Anja Schmidt nickt. Sie ist Innenarchitektin und wird häufig von der BIG gebucht. Denn Schmidt hat einen guten Blick für Büroeinrichtungen, das hat Niederlassungsleiterin Susanne Arenstorff erkannt.

          Farbdusche im Fotokopierraum

          Die Kunden mögen die angenehme Farbwahl und die individuelle Gestaltung. „Wir haben das 22 Jahre alte Gebäude revitalisiert“, sagt Arenstorff. Ein Großteil der 27.000 Quadratmeter des Lyoner Sterns ist vermietet. Die Büroleerstände der Immobiliengesellschaft liegen deutlich unter dem Durchschnitt. Pressesprecher Thomas Empt von der Münchner Zentrale nennt das Stichwort zum Einrichtungskonzept: „Das Marktumfeld ist schwierig. Deshalb bieten wir einen emotionalen Mehrwehrt an und stiften Wohlfühlqualität.“

          Bei der Gestaltung der 500 Frankfurter Quadratmeter hatte Anja Schmidt freie Hand. Zumindest weitgehend. Wände sollten nicht weichen, manche unschönen Büromöbel mußten bleiben - die Kosten. Jetzt wirken die Musterbüros angenehm: An manchen Fenstern bauscht sich ein pastellfarbener Store. Es gibt sorgfältig plazierte Grünpflanzen und originelle Bullaugen. Hier sehen sich die potentiellen Mieter um. Denn viele können sich nicht vorstellen, wie der blaue Teppichbodenschnipsel und der grüne Wandton im Musterkatalog dann tatsächlich auf vielen Quadratmetern Bürofläche wirken.

          Versinkt man im blauen Farbrausch, oder beruhigt der Boden? Neun Raumkonzepte hat Anja Schmidt entworfen. „Wenn wir selber die Tische rücken, dann sieht es nicht so gut aus“, lobt Auftraggeberin Arenstorff. Schmidts Einfälle sorgen für Gesprächsstoff. So wie die Farbdusche im Fotokopierraum: Es gibt eine blaue, eine rote und eine gelbe Wand. Wer die nacheinander anschaut, der entspannt seine bildschirmgeplagten Augen. Eine Künstlerin hat Wandbilder aus Bambus und Kieselsteinen geklebt. Wer die Materialien berühren möchte, muß in die Knie gehen und sich strecken und entkrampft seine Rückenstarre. Anja Schmidt läßt Feng-Shui-Elemente in ihre Arbeit mit einfließen. „Aber ich dränge das keinem auf.“

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