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Bildungscamp in München : Bildet euch und habt Spaß dabei!

Überparteiliches politisches Festival: Das studentische Bildungscamp in München Bild: dpa

Vergangene Woche schlugen Münchener Studenten vor der Universität ein Bildungscamp auf. In lockerer Atmosphäre wurde hart diskutiert. Worüber und warum? Eine Kurzreportage.

          „Bildet Lernbanden“ hat der Politikwissenschaftler Peter Seyferth seinen Workshop genannt und spricht darüber, wie man lernt, sich in Lerngruppen zu organisieren. „Das Thema trifft unser Motto perfekt“, freut sich Katharina Hering, die das Bildungscamp der Studierenden der Münchener Hochschulen mitorganisiert hat. Die eloquente Politikstudentin hält nichts davon, „beschallt zu werden, aber viel davon, sich selbst zu bilden“. Mit anderen Studierenden - von Studenten zu sprechen, findet hier keiner korrekt - hat sie ein Sechs-Tage-Programm auf die Beine gestellt mit Workshops rund um Bildungsfragen. Studierende der Ludwig-Maximilians-Universität, der TU München und der Hochschule München sowie Schülervertreter organisieren das Camp am Geschwister-Scholl-Platz zum vierten Mal. „Es gibt in Bayern keine verfasste Studierendenschaft, deshalb ist uns das Camp umso wichtiger. Wir haben 2010 sogar einen Verein gegründet“, erklärt Vorstand Raphael Wiegand, TU-Student, der im Herbst sein Biophysik-Diplom macht.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nach einem regnerischen Auftakt mit Balkanpop, Kabarett und tanzenden Anzugträgern herrscht in dieser Woche vor dem Hauptgebäude der LMU ein Hauch von Festivalcharakter. Aus den Boxen auf der Bühne wummert Rockmusik. Im Brunnen wird Bier gekühlt, während sich einige die Köpfe heiß diskutieren. Angehende Kunstpädagogen bieten das „Experiment Farbe“ an. Hingebungsvoll malt eine junge Frau rote Kreise auf ein ebenso farbenfrohes wie abstraktes XXL-Format. In zwei Pavillonzelten reihen sich die Bierzeltbänke für die Workshopteilnehmer. „Bildet Euch alle!“ steht auf dem bunten Transparent. Es gibt einen Infostand und das obligatorische Verpflegungszelt.

          Was macht ihr hier?

          Und vor allem gibt es durch die zentrale Lage viele junge Menschen, Passanten und Touristen, die das Treiben unter weißblauem Himmel genießen. Was macht ihr hier? Einige Flaneure sind neugierig und lesen sich an der Programmtafel fest. Mitmachen kann im Prinzip jeder und auch kurz entschlossen einen Workshop anbieten.

          So wie die Mittvierzigerin, die Organisator Wiegand wortreich überzeugt, „unbedingt eine Aktion über Sophie Scholl machen zu wollen“. Sie kann am Donnerstag eine Art Speakers’ Corner bestreiten. „Wir sind offen. Was nicht geht, sind Rassismus, Sexismus, Gewalt und Diskriminierung jeder Art. Oder wenn jemand missionarisch tätig wird“, sagt der 24-Jährige.

          „Wir wollen ein Bewusstsein für bildungspolitische Themen schaffen“

          Die Idee zum Bildungscamp entstand während der Kampagne „SOS - Studieren ohne Studiengebühren“. „Daraus ist ein überparteiliches, politisches Festival geworden“, erklärt Michelle Klein, Geschäftsführerin der Studierendenvertretung der LMU und FDP-Mitglied. „Alle machen mit, bis auf den RCDS und die FDP.“ Den ehrgeizigen Anspruch bekräftigt Vroni Dorn, ebenfalls Geschäftsführerin der Studierendenvertretung: „Wir wollen ein Bewusstsein für bildungspolitische Themen schaffen, Debatten anstoßen, Denkanstöße vermitteln.“ Der Einsatz der Ehrenamtler ist groß. „Zur Kern-Orga gehören sechs, zwanzig Leute haben Schichten übernommen. So ein Camp zieht krass viel Zeit“, sagt Katharina Hering. Als unpolitisch schätzt sie ihre Kommilitonen nicht ein. „In Gesprächen haben sie dezidiert eine Meinung.“ Allerdings sei das Engagement in den Fachschaften geschwunden, „durch die Bachelorstudiengänge haben die Leute keine Zeit“.

          Die Themen reichen von der Bologna-Reform bis zur Genderpolitik. Germanistikstudentin Vroni Dorn spricht über die internationale Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen und die Problematik der ECTS-Punkte. „Die Frage ist doch: Wie viel Zeit habe ich eigentlich rumgesessen, wie tief reicht mein Wissen tatsächlich?“

          Natürlich soll das Camp auch Spaß bringen, abends spielen Bands von Amadeus and the Breaking Hearts bis Sick City. Alle ohne Gage. Spenden sind erwünscht. Zu essen gibt es auch etwas: „Ohne Mampf kein Kampf“ steht auf der „Volxküche“, gekocht wird vegan: Falafel, Linseneintopf, Kartoffelburger. „Müsli“, ein junger Mann, der in seinem Gesicht mit Piercings und Ohrringen nicht geizt, teilt das Essen aus. Sein richtiger Name tue nichts zur Sache. Es gibt einen Preisvorschlag, der Gast gibt, was ihm das Essen wert ist. Für Radler oder Schorle schlagen die Köche 1,50 Euro vor. „Passt schon“, reicht ein Jurastudent im frisch gebügeltem Streifenhemd vom Gebäude gegenüber „Müsli“ einen Fünf-Euro-Schein für zwei Radler

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