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Bildung : Traditionsreiche Schule der hohen Diplomatie

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Es platzt aus allen Nähten

Vergleichsweise moderate Studiengebühren dürften mit für einen gewaltigen Bewerberandrang verantwortlich sein: Für das Diplom sind je Semester 1020 Franken fällig, für die Licence etwa die Hälfte. Inzwischen platzt das Institut, das außer der Villa am See noch einige Pavillons im Stadtgebiet besitzt, aus allen Nähten. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Direktor Burrin eine stärkere Unterstützung durch den Bund anstrebt.

Schweizer Bewerber müssen gegenwärtig einen „gut benoteten“ BA-Abschluß in zwei Fächern vorlegen. Bei Ausländern werde das jeweils eingereichte Dossier sorgfältig geprüft, heißt es.

Besuche bei internatioanlen Einrichtungen

Achim Wennmann, der in Brüssel aufwuchs und vor seinem Wechsel nach Genf in England studiert hatte, arbeitet hier an einer Dissertation in internationalen Beziehungen. Der Neunundzwanzigjährige schätzt an den vornehmlich auf englisch abgehaltenen Arbeitsgruppen, daß sie „klein und international gemischt sind und stets ein umgänglicher Ton vorherrscht“. Als wahres Juwel bezeichnet Wennmann die „unwahrscheinlich gut bestückte Institutsbibliothek“, in der vor allem Völkerrechtler mit speziellen Forschungsschwerpunkten fündig werden.

Trotz relativ starken Leistungsdrucks bei den Studien komme der Praxisbezug in Form von Praktika nicht zu kurz. Abgerundet wird das Studium durch Besuche bei den 17 internationalen Einrichtungen und 120 Nichtregierungsorganisationen, die Genf zum Hauptsitz gewählt haben. Aber auch größere Reisen - etwa zu Verhandlungen des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag - sind fester Bestandteil des, so sagt Wennmann, „sehr breit angelegten Studiums“.

Das Leben im kosmopolitischen Milieu hat seinen Preis

Eine besondere Stärke des HEI sieht Wennmann in Veranstaltungen zu den Themengebieten Meditation und Konfliktlösung. „Daran hat man in der Schweiz seit den Zeiten des Völkerbundes systematisch festgehalten“, fügt er hinzu. Chancen böten sich anschließend in internationalen Institutionen, im Entwicklungsbereich, bei einer Großstiftung oder eventuell sogar in der Wirtschaft.

Neben der Ausbildung bietet das HEI Kursteilnehmern die Möglichkeit, an Projekten des Instituts aktiv mitzuarbeiten und sich dabei etwas Geld zu verdienen. Den Zuverdienst haben Gaststudenten in der 160 000 Einwohner zählenden Stadt bitter nötig, bereits ein Zimmer kostet zwischen 700 und 1200 Franken. Rund 1500 Franken für den Lebensunterhalt ist nach Wennmanns Erfahrung „nicht zu knapp angesetzt“. Unterkünfte seien allerdings nur schwer zu finden. „Der Zeitaufwand bei der Suche wird von den meisten Ausländern kraß unterschätzt“, warnt Wennmann. Der Doktorand weist darauf hin, daß in den verschiedenen Organisationen Beamte, die einen längeren Auslandsaufenthalt dazwischenschieben und ihre Wohnungen nicht aufgeben wollen, ständig temporär Untermieter suchen. Integrationsschwierigkeiten in der untypischsten Schweizer Stadt, in der Einheimische und internationale Gemeinschaft mit einer gewissen Indifferenz nebeneinanderher leben, hat Achim Wennmann bisher nicht kennengelernt: Er fühlt sich in dem kosmopolitischen Milieu bestens aufgehoben.

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