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Bildung : Soziale Unternehmer für die Weltgesellschaft von morgen

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Bild: F.A.Z.-Tresckow

Globalisierung und Global Governance erfordern einen neuen Typ der politischen Führungskraft. Zahlreiche Hochschulen richten sich mit ihren speziellen Studienangeboten auf die neuen Anforderungen ein.

          Miriam Mahlow hat einen Traumjob. Die achtundzwanzig Jahre alte Politologin arbeitet für die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in New York und verantwortet dort die europäische Öffentlichkeitsarbeit.

          "Politik lag mir schon immer im Blut", sagt sie. Es sei für sie überhaupt keine Frage gewesen, was sie nach dem Abitur studieren wollte. Bestärkt von einem kosmopolitischen Familienumfeld, ging die geborene Berlinerin nach dem Abitur an die amerikanische Stanford University, wo sie zunächst einen Bachelor in "International Relations" und nach Praktika bei Amnesty International, beim World Economic Forum sowie bei dem für Flüchtlingsfragen zuständigen Hochkommissariat der Vereinten Nationen einen Masters in "International Policy Studies" absolvierte. Eine Leidenschaft für Menschenrechtsarbeit habe sie immer gehabt, berichtet Mahlow. Zudem finden sich auch Ambitionen für den Journalismus in ihrem Lebenslauf. Die Öffentlichkeitsarbeit in einer Menschenrechtsorganisation zu gestalten ist für sie deshalb eine ideale Verknüpfung von Interessen und ihrem bisherigen akademischen Profil. Um Human Rights Watch beispielsweise in Deutschland aufzubauen, hierfür Mittel zu akquirieren und die Arbeit der Organisation vorzustellen, pendelt sie mehrere Male im Monat zwischen New York und Berlin hin und her, "aber das", sagt sie, "macht mir nichts aus".

          Intensivere Ausbildung in Globalisierungsfragen

          Tatsächlich steht ein Arbeitsplatz in einer Nichtregierungsorganisation wie Human Rights Watch ganz oben auf dem Arbeitgeberwunschzettel junger Politologen. Wie die Online-Befragung Studentenspiegel herausgefunden hat, streben die meisten von ihnen eine Aufgabe in einer zivilgesellschaftlichen Organisation oder im öffentlichen Dienst an. Insgesamt studieren derzeit nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden mehr als 30 000 junge Leute Politikwissenschaften in Deutschland. Interdisziplinäre Studienangebote, die beispielsweise Politik und Wirtschaft miteinander verknüpfen, sind vorsichtige Zeichen, daß auch hier auf die veränderten Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt für Politologen reagiert wird.

          Globalisierungsfachleute wie der Leiter des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Dirk Messner, kritisieren nämlich, daß in politikwissenschaftliche Studienangebote deutlich zuwenig solche Ausbildungsinhalte einfließen, die zukünftiges politisches und gesellschaftliches Führungspersonal auf die durch die Globalisierung und neue Steuerformen des Staates entstandenen Strukturveränderungen vorbereitet. "Angesichts der Multiplikation international vernetzter Tätigkeitsfelder in den Organisationen des politischen Systems inklusive Parlament und Parteien besteht im Feld der Aus- und Weiterbildung ein enormer Reform- und Handlungsbedarf", sagt Messner.

          Im unternehmerischen Sinne Dinge und Menschen bewegen

          Das neue Leitbild des vernetzten Regierens - das sogenannte Global Governance - setze bei den künftigen Führungspersönlichkeiten neue Verhaltens-, Denk und Handlungsmuster voraus, führt Messner weiter aus. Dazu gehörten ein hohes Maß an Verhandlungskompetenz, um in komplexen Netzwerkstrukturen erfolgreich Strategien entwickeln zu können, genauso wie die Fähigkeit zum Wissensmanagement. Immer dringender benötigt würde zudem die Fähigkeit, "Brücken zu schlagen" zwischen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft. Erfolgreiche, vernetzte Politik, sagt Messner, könne sich nicht mehr auf klassische Verwaltungskompetenzen verlassen.

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