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Betriebliche Altersvorsorge : Der Chef spart für alle mit

Wenn der Arbeitgeber mit spart, kann sich die Zukunft sehen lassen. Bild: dapd

In vielen Branchen unterstützen die Unternehmen ihre Mitarbeiter bei der Altersvorsorge – freiwillig oder tariflich festgelegt. Wie Arbeitnehmer die Vorteile nutzen können.

          Mit der Altersvorsorge wollen sich die wenigsten beschäftigen. Zu trocken ist das Thema, zu unübersichtlich das Angebot. Angenehm ist es da, wenn der Chef das Sparen für seine Mitarbeiter erledigt. Die betriebliche Altersvorsorge bietet zudem im Vergleich zur privaten Vorsorge einige Vorteile: von den günstigen Konditionen eines Gruppenvertrags bis zur Ersparnis bei Steuern und Sozialabgaben.

          Einige Branchen sind großzügiger

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Wenn man sich für einen Beruf entscheidet, wird man damit schnell auch Teil einer Versorgungsinfrastruktur. Tätigkeiten, die traditionell von Selbständigen ausgeübt werden, haben beispielsweise eigene Versorgungswerke. So gibt es in Deutschland 89 Einrichtungen, die sich um die Altersversorgung für Heilberufe (Tier-, Zahn- und Humanmediziner, Apotheker), Architekten, rechts- und steuerberatende Berufe, Psychotherapeuten und Ingenieure kümmern. Wer approbiert oder zugelassen wird, ist automatisch Pflichtmitglied im Versorgungswerk.

          Allerdings handelt es sich hier nicht um Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Vielmehr übernehmen sie die Lebensstandardsicherung für die Berufsgruppen, die von der Zahlung an die gesetzliche Rentenversicherung befreit sind. Der Unterschied zum gesetzlichen System: Die Versorgungswerke arbeiten mit Elementen der Umlagefinanzierung und der Kapitaldeckung, was die Geldanlage flexibilisiert und zu höheren Auszahlungen führen kann. Jeweils etwa die Hälfte der Mitglieder in diesen Einrichtungen sind Angestellte und Selbständige. Einige bieten gegen höhere freiwillige Beiträge eine Zusatzversorgung an.

          Der Anteil der Beschäftigten, bei denen der Betrieb zur Altersvorsorge etwas dazu gibt, nimmt zu.

          Andere Berufsgruppen sind ganz normal in die gesetzliche Rentenversicherung eingegliedert. Sind sie zusätzlich an ein Versorgungswerk angeschlossen, so ist dies eine Einrichtung der betrieblichen Altersversorgung. Angestellte der Kirchen sind automatisch an kirchliche Zusatzkassen angeschlossen. Um sie in der Versorgung mit Beamten gleichzustellen, werden Kommunal- und Landesangestellte automatisch Begünstigte der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder. Viele, vor allem große Arbeitgeber bieten im Werben um Mitarbeiter eine betrieblich finanzierte Pension. Diese freiwilligen Leistungen gehen oft über tarifvertragliche Vereinbarungen hinaus. Zuschüsse zu einer etwaigen Entgeltumwandlung sind dagegen häufig Ergebnis der Verhandlungen von Tarifparteien: Arbeitgeber gewähren sie, wenn ihre Mitarbeiter freiwillig einen Teil ihres Entgelts umwandeln.

          Chemie-Arbeitgeber legen 478 Euro drauf, wenn ihre Mitarbeiter selbst 124 Euro im Jahr umwandeln. Jede weiteren 100 Euro werden durch eine Förderung von 13 Euro unterstützt. Die Tarifparteien der Metall- und Elektroindustrie haben 2001 ein eigenes Versorgungswerk (“Metallrente“) geschaffen. Im Tarifvertrag wurde ein Spielraum verankert, wie die Entgeltumwandlung gefördert werden kann. In der Bauindustrie gewähren Arbeitgeber eine Beihilfe zwischen 60 und 90 Euro für die Zusatzversorgungskasse. Zudem bezuschussen sie die Entgeltumwandlung mit 368 Euro jährlich. Im Einzelhandel haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf 300 Euro für die Altersversorgung, was durch einen zehnprozentigen Zuschlag der Arbeitgeber auf jeden umgewandelten Euro ergänzt wird. Eine Spezialrolle haben Zeitungs- und Zeitschriftenredakteure: Im Presseversorgungswerk übernimmt der Arbeitgeber zwei Drittel des obligatorischen Beitrags, der 7,5 Prozent des Entgelts ausmacht. Diese sind allerdings nicht steuer- und sozialabgabenfrei.

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