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Zeitaufwändige Integration : Wenige Flüchtlinge finden in Österreich Arbeit

Teilnehmer eines Deutschkurses in Wien. Bild: dpa

Dass Unternehmen ihren Fachkräftemangel durch Asylsuchende nur bedingt lösen können, hat die jüngste Geschichte in Deutschland gezeigt. Und wie läuft es im Nachbarland Österreich?

          Die Beschäftigung von Flüchtlingen ist in Österreich ein ebenso heikles Thema wie in Deutschland. Viele würden gern, viele scheitern. Jede Seite kann von Erfolgen und Misserfolgen berichten. Bisher hat erst ein kleiner Teil der in den vergangenen zwei Jahren nach Österreich Geflohenen einen Platz am Arbeitsmarkt gefunden. Erfolgreich in der Beschäftigung ist die Backwarenkette Ölz, die in Österreich fest verankert ist. Zwischen Wien und Bregenz ist sie der Platzhirsch in der Branche. Mehr als fünf Dutzend Flüchtlinge gehören zum Mitarbeiterkreis des Traditionsunternehmens aus Dornbirn. Sie arbeiten als Lagerarbeiter und als Hilfskraft in der Produktion, erklärt Daniela Kapelari-Langebner, Geschäftsführerin. Es gibt aber auch Mitarbeiter, die eine erste Stufe in der Karriereleiter genommen haben und als Zopfer tätig sind, wie die Teigflechter genannt werden oder als Maschinenführer.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          In Vorarlberg Arbeitskräfte zu gewinnen ist schwierig, jedenfalls schwieriger als rund um die Hauptstadt Wien. „Für motivierte und arbeitswillige Personen ist immer ein Platz“, sagt die Geschäftsführerin, unabhängig von dem aktuellen Flüchtlingsproblem. „Wir sind überzeugt davon, dass Unternehmen mit gemischten Teams – Frauen und Männer, Junge und Ältere, Österreicher und Nicht-Österreicher – erfolgreicher am Markt sind.“ Ölz will Diversität im Unternehmen leben. Die mehr als 900 Mitarbeiter von Ölz kommen aus 39 Nationen. Das sei schon herausfordernd, gibt das Unternehmen zu. „Aber wir wollen uns dem stellen.“ Sehr ernst nimmt die Bäckerei die Kommunikation und veranstaltet daher Sprachkurse. Für ein besseres Miteinander werden in Zusammenarbeit mit einer Volkshochschule Deutschkurse in Kleingruppen durchgeführt. „Die Kurse finden während der Arbeitszeit statt und werden von zusätzlichen Einzelgesprächen begleitet. Dies stärkt das gegenseitige Vertrauen, die Bereitschaft mitzumachen und es begegnen sich langjährige Mitarbeitende und neu angekommene Menschen“, sagt Kapelari-Langebner. Auf einer Lernplattform befinden sich die Unternehmenstexte in leicht verständlicher Sprache. Die Plattform umfasst neben den Kursinhalten mit Lern-Quiz ein eigenes, ständig wachsendes Ölz-Wörterbuch mit Vorlesefunktion sowie mit bekannten Bildern. Das hilft in der Integration.

          Angetan von der Einstellung eines syrischen Lehrlings vor wenigen Wochen ist auch der Logistikspezialist Nothegger Systemlogistik in Tirol. „Der Mann zeigt alleine schon bei der Bewerbung seinen Einsatz, er bekommt weniger Lehrlingsgehalt als Grundsicherung. Er ist intelligent, fügt sich ein, ist arbeitswillig und das Defizit an der Sprache wird in spätestes einem halben Jahr überwunden sein.“ Der Fachkräftemangel in Tirol sei extrem, sagt Geschäftsführer Thomas Scheiring. „Ich glaube, dass alle gut daran tun würden, auf solche Mitarbeiter zu setzen“. Neben Mittelständlern stellen sich auch bekannte börsenotierte Unternehmen der Flüchtlingsfrage. Der Stahlverarbeitungskonzern Voestalpine hat vor einem Jahr insgesamt 16 asylberechtigten Jugendlichen eine Lehrausbildung ermöglicht. Nachdem in der Zwischenzeit fünf Personen vorzeitig aus dem Ausbildungsprogramm ausgeschieden sind – vier davon auf eigenen Wunsch – sind die Erfahrungen mit den verbleibenden elf Lehrlingen positiv. „Die Jugendlichen zeigen hohes Engagement und Lernbereitschaft; sie haben sowohl sprachlich als auch fachlich deutliche Fortschritte gemacht“.

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