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Wirtschaftskrise : Sparen statt entlassen

  • -Aktualisiert am

Es muss etwas weg vom Personalkostenblock Bild: Fotolia / Walter Luger

In der Krise müssen viele Unternehmen ihre Personalkosten drücken. Deshalb müssen sie aber noch nicht gleich Entlassungen planen. Es gibt auch andere Wege, um effizienter zu werden.

          Man kann es auch positiv sehen: Wirtschaftlich schlechte Zeiten erlauben den Unternehmen, effizienter zu werden. „Cost Cutting“ steht bei vielen auf der Tagesordnung, und am Ende stehen oft Jobs auf dem Spiel. Eine neue Studie der Managementberatung Kienbaum mit dem Titel „Personalkostenreduzierung und Outplacement“ ergab, dass fast jedes dritte deutsche Unternehmen auf die Krise mit Personalabbau reagiert. Befragt wurden Personalverantwortliche von mehr als 500 deutschen Unternehmen aller Größen und Branchen.

          Eine verständliche, aber langfristig wenig sinnvolle Strategie. Geht es dem Markt besser, flattern wieder Aufträge ins Haus, dann sind die guten Mitarbeiter fort. Diese Erkenntnis setzt sich langsam durch, wie die Kienbaum-Studie zeigt. 34 Prozent der Befragten ließen vor der Kündigung Überstunden abbauen oder trennten sich von externen Zeitarbeitskräften (39 Prozent).

          „Deutlich gestiegener Beratungsbedarf“

          „Jenseits aller Unterschiede im Detail nehmen wir bei unseren Kunden eine sehr hohe Besonnenheit wahr, wirklich alle Mittel auszuschöpfen, bevor zu Radikalmaßnahmen gegriffen wird“, sagt Heiko Weckmüller, Experte für Personalstrategie bei der Managementberatung Towers Perrin. Den meisten Unternehmen sei daran gelegen, „die Krise zu meistern, ohne sich durch ein Cost Cutting spätere Wachstumsmöglichkeiten zu zerschlagen“.

          Generell sieht Weckmüller für die Personalabteilungen drei Felder mit Einsparpotential: „Sie können ihre Kapazitäten reduzieren, die Personalkosten pro Mitarbeiter senken oder personalbezogene Sachkosten wie Fortbildungen zurückfahren.“

          Hagen Köckeritz, Anwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Baker & McKenzie in Frankfurt, registriert einen „deutlich gestiegenen Beratungsbedarf der Mandanten“, die aufgrund der Krise sparen müssen. Doch welche Gestaltungsmöglichkeiten bietet das deutsche Arbeitsrecht dafür, und wie steht es um die Rechte der Mitarbeiter?

          Arbeitszeitguthaben abbauen

          „Viele Unternehmen versuchen zunächst, Arbeitszeitguthaben abzubauen“, sagt Anwalt Köckeritz. Wie sich das im Einzelfall umsetzen lässt, hängt maßgeblich davon ab, auf welcher Rechtsgrundlage diese fußen. In Unternehmen mit Betriebsrat gebe es dafür regelmäßig Betriebsvereinbarungen, die auch den Abbau von Gleitzeitsalden regelten, erklärt Köckeritz. „Ein solcher Saldo darf eine bestimmte Zahl von Stunden zu einem definierten Zeitpunkt - etwa dem Monatsende - meist nicht überschreiten und kann auch nur in diesem Umfang in den Folgezeitraum übertragen werden.“

          Gleiches gelte für den Fall eines Negativsaldos („Minusstunden“). Auch hier gebe es Untergrenzen, die von Arbeitnehmern nicht unterschritten werden dürften. Innerhalb seines Gleitzeitrahmens dürfe sich der Arbeitnehmer dann „frei bewegen“.

          Allerdings kann der Arbeitgeber den Abbau des Zeitsaldos nicht einseitig anordnen, es sei denn, es existiert eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag oder in den Betriebsvereinbarungen für „dringende betriebliche Erfordernisse“ oder Ähnliches. Auch darf ein Betrieb seinen Mitarbeitern nicht ohne weiteres verbieten, erneut Zeitguthaben bis zur zulässigen Obergrenze aufzubauen. „In beiden Fällen ist eine Änderung der Absprachen oder ein Entgegenkommen der Arbeitnehmer zwingend erforderlich“, sagt Köckeritz.

          Angesichts der Schieflage vieler Unternehmen dürften die wenigsten Mitarbeiter aber ein gesteigertes Interesse daran haben, zusätzliche Zeitguthaben aufzubauen. Für Langzeit- oder Lebensarbeitszeitkonten gilt das oben Gesagte entsprechend: Auch hier muss der jeweilige Mitarbeiter zustimmen, um sein Zeitwertguthaben vorzeitig in Anspruch zu nehmen.

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