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Windenergie : Arbeitsplätze für Bayern – direkt aus dem Meer

In Bayern gibt es zwar nur wenige Windräder. Aber trotzdem viele Jobs, die mit ihnen zu tun haben. Bild: dpa

Wo die Windenergie die meisten Stellen schafft - dazu gibt es jetzt eine neue Regionalbilanz. Und die fördert Überraschendes zutage.

          Windenergie in Deutschland – da denken viele an gigantische Windräder, die der Landschaft nicht guttun, oder an energiepolitische Grundsatzdebatten. Dass darüber die Beschäftigungseffekte der Branche nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgt das Bundeswirtschaftsministerium, indem es regelmäßig entsprechende Zahlen veröffentlicht. Der jüngsten Statistik, bezogen auf das Jahr 2015, fehlten allerdings Zahlen für die einzelnen Bundesländer, und deshalb hat ein Branchentrio nachgelegt: Der Bundesverband Windenergie (BWE), der Verband der deutschen Maschinenbauer (VDMA) und die Offshore-Windindustrie-Allianz (OWIA) wollten wissen, wie es sich mit den Stellen im hohem Norden – dem deutschen Kernland der Branche – und dem tiefen Süden verhält. Und mit allem, was dazwischenliegt. Tenor: Es sah schon besser aus, aber es gibt keine Windenergie-Diaspora mehr. Selbst in jenen Bundesländern, die vermeintlich am weitesten entfernt sind vom Trend zur erneuerbaren Energie, sind die Beschäftigungseffekte unübersehbar.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alles in allem stehe die Branche mit ihrem Gesamtumsatz von 13 Milliarden Euro und ihrem Exportanteil von 70 Prozent für 143.000 Arbeitsplätze in Deutschland, hieß es. Rund 115.000 davon entfielen auf die industrielle Produktion, der Rest auf Betrieb und Wartung. Das sei zusammengenommen deutlich mehr als etwa in der Luft- und Raumfahrt. Die Endfertigung der Anlagenhersteller erfolge zwar überwiegend im Norden Deutschlands, die Zulieferindustrie allerdings verteile sich auf alle Länder. Bei den Arbeitsplätzen im Bereich Service und Betrieb ist das so ähnlich: Windparks auf See, also Offshore-Anlagen, werden zwar vor allem von Beschäftigten an der Küste versorgt, im Onshore-Geschäft aber, also an Land, greifen sie auf Service-Unternehmen aus allen Regionen zurück. „Windindustrie ist nicht nur ein norddeutsches Phänomen“, sagt Matthias Zelinger, energiepolitischer Sprecher des VDMA. Er gibt allerdings zu, dass dies „noch nicht überall angekommen“ sei. Das liege auch daran, dass beim Thema Windenergie der eine oder andere „alte Schützengraben“ noch nicht zugeschüttet sei.

          Dabei habe sich selbst in jenen Bundesländern, die in Sachen erneuerbare Energie eher zurückhaltend sind, eine zum Teil beachtliche Zulieferindustrie entwickelt. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel – Heimat vieler Zulieferer aus dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und der IT-Industrie – zählte die für die Analyse verantwortliche Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung 18.490 Beschäftigte in der Windindustrie, in Bayern 11.820 und in Baden-Württemberg 9490. Aber auch jenseits der klassischen Zulieferregionen habe sich die Branche etabliert, so etwa in Sachsen-Anhalt mit 13.120 Beschäftigten. Krösus in dieser Rubrik ist das typische Windenergieland Niedersachsen mit 32.300 Beschäftigten, am Ende des Rankings liegen Berlin (2330), Thüringen (2310) und das Saarland (1160).

          Donald Trump macht der Branche zu schaffen

          Zwar kam die Windenergie an Land im Vergleich zum Vorjahr auf 8100 Arbeitsplätze weniger, was an der geringeren Zahl neu installierter Anlagen gelegen habe. Gleichzeitig habe die Stromproduktion auf See auch in weit entfernten Bundesländern Beschäftigungseffekte. In Bayern und Baden-Württemberg etwa hingen mehr als 1000 Arbeitsplätze an Offshore-Parks.

          Die Branche, die neben dänischen Herstellern als technisch führend in der Welt gilt und auf einen Anteil von 20 Prozent an der globalen Produktion kommt, spürt allerdings den Preisdruck – und eine gewisse Unsicherheit. Die drängendsten Fragen sind, wie sich der amerikanische Markt unter Donald Trump entwickelt, wie entschlossen chinesische Hersteller auf den Weltmarkt drängen und wie es in Deutschland mit all seinen Besonderheiten weitergeht.

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