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Berufswelt im Wandel : Das sind die Berufe der Zukunft

Von der Erfindung zum neuen Beruf: Prototypen für Flugtaxis gibt es schon jetzt; warum nicht bald auch Smart-City-Analysten? Bild: Volocopter

Künstliche Intelligenz und Roboter nehmen uns immer mehr Arbeit ab. Es bleibt aber weiterhin viel zu tun! Welche Berufe entstehen könnten – und was wir dafür lernen müssen.

          Sie haben Erfahrung in der Programmierung von Künstlicher Intelligenz, können passgenau Daten erheben und analysieren, sind stressresistent und sicher in Ihren Entscheidungen? Sie fasziniert die Arbeit mit den Datenströmen einer vernetzten Stadt, Sie gehen vertrauensvoll mit den persönlichen Daten unserer Bürger um und trauen sich zu, tägliche Hackerangriffe abzuwehren? Sie können sich vorstellen, den Drohnen-Verkehr in der Luft mit Hilfe unserer KI-Plattform zu steuern und zu überwachen sowie einen reibungslosen Verkehr der autonomen Autos zu gewährleisten? Dann bewerben Sie sich umgehend als Smart-City-Analyst oder Verkehrs-Kontrolleur. Wir freuen uns auf Sie!“

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So eine Stellenanzeige suchen Arbeitnehmer heutzutage vergeblich. Aber das könnte schon bald ganz anders aussehen – glauben zumindest die Fachleute des amerikanischen IT-Dienstleisters Cognizant. In zwei Berichten haben sie jeweils 21 fiktive Stellenprofile erstellt. Für Jobs, die in den kommenden zehn Jahren entstehen könnten. Viele von ihnen sind – wie es sich für ein IT-Unternehmen mit den entsprechenden Interessen gehört – Digitalberufe: Entwickler für fliegende Autos zum Beispiel, Planer für E-Sport-Stadien, Smart-Home-Design-Manager oder Datenmüllentsorgungs-Ingenieur.

          Und auch wenn manche Idee ziemlich auf der Hand liegt (etwa, dass künftig mehr Fachleute zur Abwehr von Cyberattacken gebraucht werden), lesen sich die mittlerweile 42 Berufsbilder, die sich die IT-Fachleute ausgedacht haben, ziemlich unterhaltsam. Denn die Prognosen, welche Arbeitsplätze genau in Zukunft entstehen könnten, haben der Cognizant-Manager Benjamin Pring und sein Team nicht ohne Grund erstellt. Vielmehr wollen sie für ihre Kunden – unter anderem Fluggesellschaften, Banken und Versicherer – kommende Umbrüche vorhersehen. Ihre Vorhersagen beruhen nicht auf statistischen Berechnungen; alles fuße auf „unserer Beratungserfahrung und dem permanenten Austausch mit verschiedensten Akteuren aus der Tech-Branche, Akademikern und unseren Kunden“, sagt Pring.

          „Neue Technik löst Probleme, aber sie schafft auch wieder neue“

          Entsprechend skeptisch sind Wissenschaftler hinsichtlich der Frage, wie realistisch Prings Prognosen sind. „Ob genau diese Berufsbilder entstehen, sei mal dahingestellt“, sagt Alexander Benlian, Professor am Fachgebiet Information Systems and E-Services an der TU Darmstadt. Andererseits erkennt er an: „Im Kern beschreiben die Berichte einiges, was irgendwann auf uns zukommen könnte.“ Denn wie wir arbeiten, wird sich durch den vermehrten Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Robotern radikal wandeln, daran gibt es kaum mehr Zweifel. Die Frage, wie viele Arbeitsplätze verlorengehen oder neu entstehen, sorgt aber regelmäßig für Kontroversen. Der Philosoph Richard David Precht und der Informatiker Manfred Broy präsentierten 2017 das Schreckensszenario, dass etwa die Hälfte aller Arbeitsplätze in der westlichen Welt bis 2030 verschwinden könnten. Einen ähnlichen Wert sahen die Oxford-Ökonomen Benedikt Frey und Michael Osborne in Amerika grundsätzlich durch die Digitalisierung bedroht. Auch Alexander Benlian geht davon aus, dass „ein signifikanter Anteil“ der heutigen Arbeitsplätze verschwinden wird. Diesen schätzt er allerdings „nur“ auf zehn Prozent. Und natürlich dürfe man nicht außer Acht lassen, dass auch neue Stellen entstehen werden.

          Aber welche genau? „Neue Technik löst Probleme, aber sie schafft auch wieder neue“, sagt Pring. Die Vorstellung einer Herrschaft der Roboter hält er für Science-Fiction: „Maschinen sind Werkzeuge, die von Menschen gebaut, benutzt und gewartet werden müssen.“ Zudem werde es immer Felder geben, auf denen der Mensch intelligenten Maschinen überlegen sei. Kreative Lösungen suchen, Empathie zeigen oder einfach mal etwas aus dem Bauch heraus entscheiden, sei Maschinen völlig fremd. Intelligente Software, die ein Mensch erschafft, bedient oder für die eigentliche Arbeit nutzt, ist deshalb die Grundlage der meisten von Prings ausgedachten Zukunftsberufen. „Software alleine ist mächtig, aber wenn Mensch und Maschine zusammenarbeiten, sind die Ergebnisse noch viel besser“, sagt er.

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