https://www.faz.net/-gyl-9mbhg

Berufswelt im Wandel : Das sind die Berufe der Zukunft

So schwebt seinem Team zum Beispiel ein KI-gesteuertes System vor, mit dem ein eigens ausgebildeter Arbeiter beim Patienten zu Hause Diagnosen erstellen und Therapien durchführen kann – ohne dass zwingend ein Arzt involviert ist. Eine weitere Idee für ein neues Berufsbild: Da schon heute mittels Bildbearbeitung täuschend echte Fake-Bilder und Videos geschaffen werden, könnte es in Zukunft den „Virtual Identity Defender“ geben. Mittels eines noch zu entwickelnden, raffinierten Wasserzeichens könnte dieser die missbräuchliche Nutzung von persönlichem Bildmaterial erkennen und umgehend eingreifen.

KI soll fair und transparent sein

In eine gänzlich andere Richtung geht die Idee eines „Vertical Farmers“. Dieser soll einmal Urban Farming im ganz großen Stil etablieren, so die Vorstellung. Gemüse könnte dann in Massen an Hauswänden und auf Dächern angebaut werden. Interessant klingt auch der fiktive Beruf „Walker“: Weil die Lebenserwartung der Menschen steigt und sich die Struktur von Familien ändert, vereinsamen viele ältere Menschen. In Großbritannien gibt es schon heute ein „Ministerium für Einsamkeit“. Als „Walker“, so die Idee, geht man mit jemandem spazieren, der sonst kaum Gesellschaft hat, und unterhält sich mit ihm. Organisiert würde dieser „Dienst“ über eine App wie Uber – wenn man Zeit hat, meldet man sich als verfügbar und wird gebucht. Pring sagt, das britische Ministerium habe schon Interesse an der Idee bekundet.

F.A.Z. Digitec: jetzt testen!
F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

Mehr erfahren

Längst ist auch eine Debatte über ethisch-moralische Fragen rund um den zunehmenden Einsatz und die Macht von Künstlicher Intelligenz entbrannt. KI-Systeme müssten nachvollziehbar und fair sein, sagte jüngst unter anderen Google-Chef Sundar Pichai. „Wir müssen in Zukunft schon bei der Entwicklung Ethik, Wertvorstellungen und rechtliche Auflagen im Blick haben“, sagt auch Benlian – und sieht dort einen weiteren Ansatzpunkt für neue Berufe mit Potential. Auch die Frage, wo man der Technik Grenzen setzen will, müsse diskutiert werden.

Auch Pring und sein Team haben diese Punkte ganz anschaulich mit Leben gefüllt und entsprechende Phantasie-Berufe gestrickt: Menschen, die als „Algorithm Bias Auditors“ arbeiten, sollen in Zukunft etwa sicherstellen, dass Algorithmen stets faire und moralisch einwandfreie Ergebnisse liefern. Auch ein „Head of Machine Personality Design“ schwebt Prings Team vor, also ein Angestellter, der einen Roboter so programmiert, dass er sich in unterschiedlichsten Situationen stets gemäß den Wünschen seines Kunden verhält.

Deutsche skeptisch in Sachen Fortschritt

Was die Herzen von Technikenthusiasten höherschlagen lässt, stößt in der Bevölkerung aber oft eher auf Skepsis. Viele machen sich schon heute mit Blick auf digitale Helfer wie Alexa oder Siri Sorgen wegen womöglich unzureichenden Datenschutzes oder weil die Geräte als Einfallstor für Hacker dienen könnten. In einer aktuellen Allensbach-Umfrage gaben 51 Prozent der Deutschen an, technische Neuerungen seien ihnen „etwas unheimlich“. Nur 32 Prozent erklärten, sie glaubten an den Fortschritt an sich. Die Entwürfe der möglichen Zukunftsberufe zeigten, „was technisch vielleicht bald alles möglich ist“, sagt Benlian. Doch für die Umsetzung gelte es immer noch, den rechtlichen Rahmen zu beachten. Gerade was den Umgang mit persönlichen Daten angeht – ein zentraler Punkt bei einigen der fiktiven Berufsbilder –, sind die Vorgaben in Europa deutlich strenger als etwa in China.

Und natürlich wird auch längst nicht aus jeder Idee gleich ein boomender Markt. Etwas anders als von den Trendbeobachtern gedacht, lief es zum Beispiel mit dem „digitalen Schneider“ – auch eine Cognizant-Idee für einen Zukunftsberuf. Eine Maschine soll die Körpermaße eines Kunden exakt scannen, so dass ein Vertreter ihm maßgeschneiderte Kleidung verkaufen kann. Das japanische Unternehmen Zozotown hat genau dieses Geschäftsmodell im Grundsatz schon verwirklicht: Über eine Handy-App macht der Kunde Fotos von sich, mit deren Hilfe dann die Kleidung geschneidert wird.

Damit die App die Maße berechnen kann, muss der Kunde allerdings einen schwarzen Anzug mit weißen Punkten tragen – den „Zozosuit“. Der Anzug machte schnell die Runde, da potentielle Kunden ihn kostenfrei bestellen konnten; Fotos mit dem Anzug wurden in den sozialen Medien zum Renner. Bloß kaufte kaum jemand am Ende tatsächlich Kleidung vom Digitalschneider; die Mode-Revolution blieb aus. Auch so kann es gehen mit Visionen aus der Science-Fiction-Broschüre. Wer sich dort schon seinen Traum-Zukunftsjob herausgepickt hat, sollte jedenfalls vorsichtig sein.

Weitere Themen

Topmeldungen

Trauer und Jubel in Berlin : Den Grünen gehen die Superlative aus

Während bei den Grünen die Freude über die Wahlergebnisse in Europa und in Bremen „wahnwitzig“ groß ist, ist die Stimmung bei der Union schon vor der Verkündung der Prognosen auf dem Tiefpunkt. Und bei der SPD wackelt die Parteichefin nach dem Doppeltiefschlag.

SPD-Debakel in Bremen : Untergang an der Weser

In Bremen ist das Historische geschehen: Zum ersten Mal seit 73 Jahren liegt die CDU vor der SPD, die ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik verkraften muss. Wie soll sie aus diesem Tief wieder herauskommen?

Nach SPD-Debakel : Lauterbach für Rot-Rot-Grün in Bremen und im Bund

Die SPD hat ein historisches Wahldebakel erlitten. Trotzdem sei nicht die Zeit für Personaldebatten um Nahles, sagt SPD-Politiker Karl Lauterbach. Dafür fordert er mehr Umweltbewusstsein in seiner Partei – und Mut zu neuen Bündnissen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.