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Wettstreit um die Ingenieure : Wer bietet mehr?

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Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Der Mangel an Arbeitskräften treibt die Gehälter von Ingenieuren in die Höhe. Unternehmen überbieten sich im Kampf um die begehrten Mitarbeiter. Kleinere Betriebe locken mit attraktiven Arbeitsbedingungen.

          Wenn es darum geht, Ingenieure für einen Job im Unternehmen zu begeistern, hat der Berliner Photovoltaik-Anbieter Solon regelmäßig einen Nachteil: Konkurrenten im Wettbewerb um die begabtesten Ingenieure zahlen zum Teil deutlich höhere Gehälter als der Mittelständler - vor allem international tätige Konzerne. "Das erleben wir immer wieder", sagt Anke Hunziger, Personalvorstand von Solon. Doch im Kampf um Talente hat Hunziger deshalb nicht unbedingt verloren. "Wir versuchen, ein attraktives Gesamtpaket zu schnüren", sagt sie. Denn die Höhe des Gehalts ist zwar ein wichtiges Kriterium, nach dem Ingenieure ihren Arbeitgeber auswählen - aber nicht das einzige. So wirbt der Mittelständler mit flachen Hierarchien, schnellen Aufstiegsmöglichkeiten und flexiblen Arbeitszeiten um Maschinenbauer und Elektrotechniker.

          Viele Arbeitgeber stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie Solon. Wer Ingenieure beschäftigt, muss sich mit der großen Nachfrage und dem geringen Angebot auf dem Arbeitsmarkt arrangieren. Im vergangenen Jahr klagten deutsche Unternehmen über mehr als 24.000 unbesetzte Arbeitsplätze für Ingenieure, weiß der Verband Deutscher Ingenieure (VDI). Das bleibt nicht ohne Folgen: Das Gerangel der Arbeitgeber um die vergleichsweise wenigen Ingenieure führt dazu, dass Unternehmen immer tiefer in die Tasche greifen müssen.

          Durchschnittliches Gehalt um 4,1 Prozent gestiegen

          Im vergangenen Jahr ist das durchschnittliche Ingenieursgehalt um 4,1 Prozent gestiegen, belegt eine Studie der Unternehmensberatung Kienbaum. "Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt treibt Unternehmen dazu, sich gegenseitig bei den Gehältern zu überbieten", sagt Kienbaum-Vergütungsexperte Christian Näser. "Vielen Arbeitgebern fällt es schwer, sich diesem Wettbewerb zu entziehen."

          So verdienen Ingenieure meist schon im ersten Job deutlich mehr als Absolventen anderer Studienfächer. So erhalten beispielsweise Berufseinsteiger beim Automobilkonzern Audi bis zu 49000 Euro im Jahr. Im Durchschnitt kommen junge Ingenieure auf ein Jahresgehalt von 43000 Euro, belegt die Kienbaum-Untersuchung. Absolventen mit BWL-Diplom dagegen müssen sich mit 1000 Euro weniger begnügen. Grundsätzlich gilt: Die Bandbreite der Ingenieurgehälter ist groß. "Das gilt für Berufsanfänger und erfahrene Mitarbeiter gleichermaßen", sagt Kienbaum-Experte Näser. Wer Absolvent eines besonders gefragten Ingenieurstudiums ist oder Expertenwissen in einem Bereich erworben hat, kann mit einem deutlichen Gehaltsaufschlag rechnen.

          Vergleich der Angebote zahlt sich aus

          Wie hoch die Unterschiede der Ingenieurgehälter im Einzelnen sind, hat das Hamburger Unternehmen Personalmarkt untersucht. Danach bekommen Berufseinsteiger je nach Fachrichtung und Größe des Unternehmens ein Einstiegsgehalt zwischen 37.000 und 49.000 Euro. Bei erfahrenen Mitarbeitern sind die Unterschiede im Gehalt für vergleichbare Positionen ähnlich hoch. Das bedeutet für Angestellte: Für Ingenieure lohnt es sich besonders, die Angebote verschiedener Arbeitgeber miteinander zu vergleichen. Denn unter Umständen zahlt ein Unternehmen für eine ähnliche Aufgabe ein Gehalt, das mehr als 30 Prozent über dem schlechtesten Angebot liegt.

          Als Faustregel gilt: Kleine und mittelständische Unternehmen zahlen deutlich niedrigere Gehälter als internationale Konzerne. Und: Wer Führungsverantwortung hat, wird besser bezahlt als ein Spezialist - und sei er nur der Leiter eines kleinen Projektteams. Auch die Art der Ausbildung entscheidet über die Höhe des Gehalts. So verdienen Ingenieure in Fachpositionen, die eine Promotion vorweisen können, im Durchschnitt 69000 Euro pro Jahr. Wer nur einen Diplomabschluss einer Universität oder Fachhochschule hat, bekommt 60000 Euro. Der gleiche Zusammenhang gilt für Führungspositionen. Angestellte mit Doktortitel verdienen im Schnitt 116.000 Euro, während Diplomabsolventen von Universitäten in Führungspositionen nur 97000 Euro verdienen. Fachhochschulabsolventen kommen gar nur auf 92.000 Euro.

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