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Unternehmensberater : Die Stunde der Algorithmen

Zudem weist die Plattform den Berater in anonymisierter Form auf vergleichbare Fälle hin, damit er nachlesen kann, wie dort die Probleme gelöst wurden. „Diese Plattform nutzen alle unsere Berater mehrfach täglich“, sagt BCG-Deutschland-Chef Carsten Kratz. Damit sie auch vernünftige Ergebnisse bringt, werden die Datenbanken im Hintergrund „von ein paar tausend Mitarbeitern weltweit“ ständig gepflegt.

Einig sind sich die Branchenkenner, dass sich der Beraterberuf wandelt. Die Projekte werden immer schneller. Auch die Anforderungen an künftige Berater ändern sich: „Je mehr Künstliche Intelligenz wir einsetzen, desto höher ist unser Bedarf an Absolventen der sogenannten Mint-Fächer – also an Mathematikern, Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und Technikern“, sagt PWC-Partner Martin Scholich. Aber auch Germanisten mit einer Affinität zur IT hätten bessere Chancen als früher, Linguisten seien zunehmend gesucht. „Der Bedarf an Betriebswirten nimmt dagegen ab“, sagt Scholich.

„Die allübergreifende Beratungssoftware wird es nicht geben“

Der richtige Umgang mit Künstlicher Intelligenz müsse letztlich aber von allen erlernt werden – egal welches Fach man studiert: „Der Berater darf auch nicht jede Analyse glauben, die eine KI-Software liefert“, sagt Kreutzer. Berater müssten die Erkenntnisse der KI selbst intelligent hinterfragen können. Eine Künstliche Intelligenz gebe nämlich auf jede Frage eine Antwort, nur sei die nicht immer sinnvoll. Das wisse jeder, der zu Hause den Amazon-Sprachassistenten Alexa verwendet. Wichtig werde künftig vor allem die Fähigkeit, die richtigen Fragen an die Künstliche Intelligenz zu stellen. Sein Tipp an alle, die einmal Unternehmensberater werden wollen: „Der Beraternachwuchs muss sich mit neuen Technologien, deren Möglichkeiten und Grenzen befassen.“

Aber wie sehr bedroht die Künstliche Intelligenz den Berufsstand in Gänze? Macht sie die Berater irgendwann in naher oder ferner Zukunft massenhaft arbeitslos? „Einen Teil unserer Arbeit können künftig Maschinen erledigen“, ist Scholich überzeugt. Berater werden sich immer mehr von der Technik helfen lassen. Dass sie aber vollständig durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden, glaubt kaum jemand in der Branche. „Ein Vorstand möchte als Gegenüber keine Maschine, sondern einen Berater, dem er vertraut“, sagt McKinsey-Partner Breuer: „Die allübergreifende Beratungssoftware wird es nicht geben, dafür ist die Welt zu komplex.“

Im Beratungsgeschäft gehe es letztlich immer auch darum, Menschen von einer bestimmten Lösung zu überzeugen, sagt auch der Unternehmensberater Harald Smolak von Atreus. Da spielten oft Ängste eine Rolle – die nicht immer ausgesprochen werden: „Wir brauchen viel Einfühlungsvermögen“, sagt Smolak, „das kann uns keine Maschine abnehmen.“ Künstliche Intelligenz könne aber helfen, die mühsame Arbeit stark zu beschleunigen – etwa, indem sie Tausende von Lebensläufen vorsortiert.

„Wir brauchen künftig wahrscheinlich weniger Berater, und wir brauchen auch andere Berater als heute“, vermutet Scholich. Aber der Beruf werde deshalb auch immer spannender. „Die langweiligen, sich ewig wiederholenden Tätigkeiten werden von Robotern übernommen“, sagt Scholich: „Der spannende Rest bleibt den Menschen.“

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