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Europäischer Gerichtshof : Welche Folgen das EuGH-Urteil für Architekten und Bauherren hat

Arbeiter auf einer Baustelle Bild: dpa

Das Urteil aus Luxemburg könnte das Bauen vorübergehend billiger machen. Das sehen viele Fachleute und Beobachter als Fortschritt – bedroht allerdings vor allem kleinere Architektenbüros.

          Das Urteil aus Luxemburg hat große Bedeutung für die deutschen Architekten, aber auch für Bauherrn: Die Architekten sind künftig einem schärferen Wettbewerb ausgesetzt, das heißt, sie müssen damit rechnen, dass das Honorar, das sie für ihre Leistung fordern, von Konkurrenten unterboten wird.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Das hatte die seit 1977 geltende Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) verhindert. Der Grundsatz dieser Regelung war, dass es bei planerischen Leistungen am Bau keinen Preiswettbewerb geben sollte, um die Qualität der Bauleistungen nicht zu gefährden, etwa durch zu schnelle und schludrige Planung. Dieser Grundsatz hatte bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht Bestand, bevor er jetzt durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gekippt wurde.

          Derzeit besteht ein Überhang an Architekten

          Für Architekten bedeutet dies, dass sie mit einem echten Preiswettbewerb rechnen müssen, dass also ihre Honorarforderungen für angebotene Leistungen von Konkurrenten unterboten werden können.

          Das sehen viele Fachleute und Beobachter als Fortschritt. So sagte der Hamburger Baurechtler Friedrich-Karl Scholtissek der F.A.Z., das Urteil sei eine gute Entscheidung. Es zwinge Architekten dazu, Kalkulationen anzufertigen, und es rege das unternehmerische Denken dieses Berufsstandes an.

          Bauherren können nach Scholtisseks Worten damit rechnen, dass Architektenleistungen zumindest vorübergehend billiger werden, wovon Bauherren unmittelbar profitieren. Er rechnet damit, dass der neue Wettbewerb nicht nur zu geringeren Honoraren, sondern auch zu einer Marktbereinigung führt.

          Derzeit gebe es einen Überhang an Architekten. Vor allem für kleinere Büros mit bis zu zehn Planern sei die Existenz bedroht. Sie würden möglicherweise gezwungen, sich zu größeren Unternehmen zusammenzuschließen.

          Nach dem zeitlich begrenzten Prozess der Marktbereinigung könnte der Rückgang der Honorare zum Stillstand kommen. Auch die Verfassung des Bau- und Immobilienmarktes spielt eine Rolle: Sollte der seit gut zehn Jahren anhaltende Aufschwung zu einem Ende kommen, würde auch dies die Honorare unter Druck setzen können, weil die festen Mindestpreise der Honorarordnung HOAI nach dem Luxemburger Urteil Vergangenheit sind.

          Nach den Angaben der Bundesarchitektenkammer gab es zu Beginn dieses Jahres in Deutschland rund 138.000 Architekten und Stadtplaner, darunter knapp 57.000 freischaffende Berufsangehörige. Die restlichen Planer arbeiten überwiegend in staatlichen Behörden oder sind in Architekturbüros angestellt.

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