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Weiterbildungen : „Hier wird am Ziel vorbei gefördert“

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Das Logo der Jobcenter. Bild: dpa

Obwohl die Bundesagentur für Arbeit mehr Geld für Weiterbildungen ausgibt, profitiert eine Gruppe verhältnismäßig wenig davon: die Hartz-IV-Empfänger.

          1,8 Milliarden Euro: So viel gab die Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2018 aus, um Weiterbildungen zu fördern. Aber die teuren Maßnahmen kommen nicht hauptsächlich denjenigen zugute, die sie am nötigsten bräuchten, behauptet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und untermauert das mit einer neuer Studie: Hartz-IV-Empfänger sind, glaubt man der Studienautorin Susanne Seyda, gegenüber Arbeitslosengeld-I-Empfängern im Nachteil, wenn es um die Inanspruchnahme von Weiterbildungen geht.

          Über eine Weiterbildungsförderung entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Die Fortbildungen können sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) in Anspruch nehmen. Für Arbeitslosengeld-I-Empfänger sind die Arbeitsagenturen zuständig, die Jobcenter betreuen die Hartz-IV-Empfänger. Seit Anfang 2019 ermöglicht das Qualifizierungschancengesetz auch eine Förderung von Betrieben und Beschäftigten, die Weiterbildungen anbieten oder machen möchten.

          Betrachtet man die zwei Gruppen der Arbeitslosengeldempfänger, so lassen sich laut IW-Studie erhebliche Unterschiede festmachen: Nur 29 von 1000 Hartz-IV-Empfängern nehmen an Weiterbildungen teil. Das ist weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Zahl an Weiterbildungsteilnehmern. Der IW-Studie zufolge sind die Ausgaben für die berufliche Weiterbildung für Hartz-IV-Empfänger außerdem leicht zurückgegangen: „Es stellt sich die Frage, ob dieser Bereich strukturell unterfinanziert ist“, sagt Seyda. Mit Blick auf die erweiterten Fördermöglichkeiten für Unternehmen und Beschäftigte sollte laut Seyda das eigentliche Ziel, Menschen ohne Berufsabschluss stärker zu unterstützen, mehr im Fokus stehen. „Hier wird am Ziel vorbei gefördert.“

          Eine Sprecherin der Arbeitsagentur verweist dagegen auf die verschiedenen Fördermöglichkeiten, die den Jobcentern und den Arbeitsagenturen zur Verfügung stehen. „Für Jobcenter-Kunden können ganz andere Instrumente sinnvoll sein als für Kunden der Arbeitsagenturen.“ Deswegen könnten sich die Teilnehmerzahlen der Jobcenter-Weiterbildungen und die der Arbeitsagentur-Weiterbildungen deutlich unterscheiden, wenn man eine einzelne der Maßnahmen untersucht.

          Die Kosten für Weiterbildungen von Arbeitslosen sind insgesamt innerhalb von 12 Jahren stark angestiegen. So förderte die Bundesagentur im Jahr 2018 jeden Arbeitslosen, der eine Fortbildung in Anspruch genommen hat, mit durchschnittlich 1605 Euro, fünf Mal so viel wie noch 2006. Grund dafür sei vor allem der höhere Anteil an Weiterbildungsmöglichkeiten, die zu einem Berufsabschluss führen – und dementsprechend länger und teurer sind. Vergangenes Jahr nahmen von 1000 Arbeitslosen rund 114 das Angebot wahr, 2006 waren es nur 42 von 1000.

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