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Künstliche Intelligenz : Wenn die Software verrät, ob der Mitarbeiter wechseln will

  • -Aktualisiert am

Die Deutsche Post testete Zustellroboter bereits vor einem Jahr. Bild: dpa

Welche Folgen hat die digitalisierte Arbeitswelt? Das diskutierten Personalchefs von Dax-Konzernen auf einer Fachtagung in Frankfurt. Einige Berufe lassen sich nicht durch Maschinen ersetzen.

          Mit der Digitalisierung interner Arbeitsabläufe und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) steht in Schlüsselbranchen ein radikaler Wandel bevor. Um die Mitarbeiter für solche Herausforderungen zu rüsten, müssen Personalmanager umdenken: „Viele Arbeitgeber haben bislang zu wenig in Weiterbildung investiert, um KI effizient einzusetzen und so zukunftsträchtige Geschäftsmodelle zu entwickeln“, warnt Nils Stieglitz, Professor und Geschäftsführer der Frankfurt School of Finance & Management.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei steht den meisten Unternehmen eine industrielle Revolution bevor, die laut Stieglitz bei vielen Mitarbeitern große Unsicherheit erzeugt. „Weiterbildung, gerade auch an Universitäten, erlebt vor diesem Hintergrund eine Renaissance“, ist der Wissenschaftler überzeugt.

          Ein ähnlicher Befund geht aus einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) hervor. Danach sind in deutschen Unternehmen nur 46 Prozent der Mitarbeiter für digitale Herausforderungen gewappnet – was im Vergleich zur Ausbildungslage von Belegschaften in Frankreich, Schweiz, Großbritannien oder China dürftig erscheint. Immerhin wollen 73 Prozent der vom WEF befragten Personalmanager in Deutschland ihre Mitarbeiter gezielt schulen, um auf Weltniveau zu kommen. Und zumindest in den Dax-Konzernen wird strategische Personalplanung zur Chefsache erklärt.

          Soziale Netzwerke zur Simulation von Personalentwicklungen

          Wie sich der langfristige Personalbedarf ermitteln und decken lässt, rangiert etwa bei SAP seit Jahren ganz oben. Im Konferenzraum der Führungskräfte befindet sich ein „digitaler Boardroom“ mit einer Wand von Bildschirmen, die – neben Finanzkennziffern – auch Daten über die Personalentwicklung oder relevante Arbeitsmärkte aufzeigen und diese miteinander verknüpfen, berichtete Stefan Ries, Personalvorstand von SAP, auf einer Fachkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Frankfurt.

          Mit der gezielten Aufbereitung solcher Informationen lassen sich laut Ries die wichtigsten Zukunftsszenarien simulieren – etwa, welche Konsequenzen ein Einstellungsstopp für den Konzern hätte. Ohne die direkte Verzahnung mit Geschäftsbereichen oder Stabsstellen, die inzwischen zur Routine von SAP gehört, „waren wir mit unserer Personalplanung krachend gescheitert“, bekennt der Manager.

          Sein Ressort hatte zuvor die Daten in Eigenregie sammeln und auswerten wollen. Doch Prognosen, die sich an der Realität im Konzern orientieren müssen, lassen sich laut Ries nur im engen Zusammenspiel mit den Kollegen aus Finanzen, Controlling oder IT erstellen.

          Hinzu kommt, dass SAP über die Auswertung der Aktivitäten seiner Mitarbeiter in beruflichen Netzwerken wie LinkedIn oder Xing wichtige Erkenntnisse über deren Verhalten gewinnen kann: „Wir können aus dem anonymisierten Datensatz ableiten, wie wahrscheinlich es ist, dass Kollegen zu einem Konkurrenten wechseln und uns überlegen, wie wir damit umgehen“, nennt Ries ein Beispiel.

          „Piloten sind nicht zu ersetzen“

          Bislang ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt kaum zu erkennen, dass der digitale Wandel zu einem Dämpfer für den Aufschwung oder zu großen Arbeitsplatzverlusten führen könnte. Im Gegenteil: Die Zahl der Beschäftigten in den heimischen Schlüsselbranchen steigt scheinbar unaufhaltsam an. Dennoch ist Weitsicht bei Bedarf und Weiterbildung des Personals geboten, mahnen Experten.

          Die Angst, dass das Gros an Tätigkeiten von Menschen künftig von Maschinen übernommen wird, kann Bettina Volkens für Kernbereiche des Dienstleistungssektors zerstreuen. „Piloten oder Flugbegleiter sind bei uns wie viele andere Schlüsselfunktionen nicht zu ersetzen“, sagte die Personalchefin des Lufthansa-Konzerns auf der Fachtagung.

          Dennoch müsse ein Arbeitgeber für 130.000 Beschäftigte aus sehr unterschiedlichen Berufsgruppen die Digitalisierung von Arbeitsabläufen vorantreiben. „Wir animieren unsere Führungskräfte zum regelmäßigen Wechsel auf andere Positionen im Konzern, um von unterschiedlichen Erfahrungen zu profitieren und so Kompetenzen für den bevorstehenden Wandel zu erwerben“, sagte Volkens.

          30 Prozent der Arbeitsschritte bis 2030 automatisiert

          Anders als die Lufthansa ist die Deutsche Post mit dem Umstand konfrontiert, dass Stellen mit geringer Qualifikation aus Kostengründen von Maschinen übernommen werden. Nach ersten Erfahrungen in der Logistik bereite die Integration von Robotern in die Arbeitsprozesse noch Schwierigkeiten, sagte Personalmanagerin Anne Walther.

          Sie rechnet jedoch damit, dass bis 2030 etwa 30 Prozent aller Arbeitsschritte automatisiert sein werden. Das betreffe vor allem Logistik, Kundenservice und Verwaltung. Beispielsweise würden Fahrer durch Begleiter für selbstfahrende Fahrzeuge ersetzt oder immer mehr Manager müssten dann virtuelle Teams leiten. Die beruflichen Anforderungen an die Mitarbeiter änderten sich laut Walther entsprechend.

          Lebenslanges Lernen sei bei der Deutschen Post noch nicht etabliert. Viele Führungskräfte würden Schulungen eher als Kostenfaktor und nicht als Chance für die Zukunft betrachten. „Unsere Personalplanung gibt daher noch keine ausreichende Antwort auf die künftigen Herausforderungen“, sagt sie selbstkritisch. Statt auf kurze Sicht, etwa nur für die kommende Weihnachtssaison zu planen, müsse in langen Zeiträumen gedacht werden.

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