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Vergleich in Europa : Berüfstätigkeit von Müttern umstritten

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Bild: FAZ.NET

Der Konflikt zwischen Beruf und Familie ist noch lange nicht ausgeräumt. Unterschiedlich schnell wandeln sich in Europa Einstellungen zu Arbeit und Kinderbetreuung. Ostdeutschland liegt vorne, zeigt eine Studie.

          Der Konflikt zwischen Beruf und Familie ist noch lange nicht ausgeräumt, doch wird er im europäischen Vergleich unterschiedlich bewertet. Das hat eine Analyse des Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen (Gesis-Zuma) in Mannheim ergeben. Die Ostdeutschen sind demnach wie die Menschen in keinem anderen Land der Europäischen Union von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf überzeugt. Sie erscheinen auf einer entsprechenden Rangliste noch vor den skandinavischen Ländern Schweden oder Finnland, die gemeinhin als besonders fortschrittlich gelten.

          In Westdeutschland dagegen werden die Konsequenzen der Erwerbstätigkeit von Frauen wesentlich kritischer betrachtet als in vielen anderen Ländern. Die Sozialwissenschaftler Jörg Dittmann und Angelika Scheuer haben Daten vom Frühjahr 2006 ausgewertet. Sie stammen aus der „Eurobarometer“-Umfrage der EU-Kommission über Einstellungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

          Westdeutsche skeptischer

          Zwar hat demnach in nahezu allen Industriegesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten ein nachhaltiger Einstellungswandel stattgefunden. Doch stünden Westdeutsche der Erwerbstätigkeit von Müttern nach wie vor deutlich skeptischer gegenüber als Ostdeutsche. Unter ihnen sieht den EU-Daten zufolge nur ein Drittel (34 Prozent) in der Vollzeiterwerbstätigkeit der Frau ein Problem für die Familie, während es in Westdeutschland fast drei Viertel (72 Prozent) sind - und damit deutlich mehr als im EU-Durchschnitt (63 Prozent). Ein besonders traditionelles Familienbild hält sich in Portugal, Italien, auf Malta und Zypern sowie in Ungarn.

          Der Konflikt zwischen Beruf und Familie komme verschärft zum Ausdruck, wenn nach den Auswirkungen für kleine Kinder gefragt wird, stellten die Forscher fest. Auch hier überwiege die Skepsis: 61 Prozent der Europäer stimmen der Aussage zu, dass ein Vorschulkind unter der Berufstätigkeit der Mutter leide. Am seltensten wird diese Befürchtung in Ostdeutschland (23 Prozent) gehegt. In Westdeutschland überwiegen wiederum die Skeptiker (60 Prozent). Zudem offenbart sich bei den Westdeutschen ein gesellschaftlicher Konflikt darüber, ob Mütter arbeiten sollten oder nicht, während die Ostdeutschen dies vergleichsweise einhellig befürworten. In den alten Bundesländern betrachten vor allem die Älteren - insbesondere die über 65-Jährigen - sowie Menschen mit niedrigem Bildungsniveau eine Berufstätigkeit der Mutter deutlich kritischer als die Jüngeren und Höhergebildeten. In Westdeutschland zeige sich so ein Generationenkonflikt, da offensichtlich im Zuge der Bildungsexpansion ein Wertewandel stattgefunden habe. „Solch ein strukturell verankerter Konflikt ist denn auch von großer Dauerhaftigkeit, so dass die Debatte über die Berufstätigkeit von Müttern in Zukunft, wenn überhaupt, nur langsam nachlassen wird“, schließen die Mannheimer Forscher.

          Fragen nach Vätern nicht gestellt

          Fragen danach, wie Väter ihre Zeit zwischen Beruf und Familie aufteilen, wurden nicht gestellt. „Die Daten sind schlicht nicht da“, sagt Angelika Scheuer. Das Eurobarometer sei von politischen Interessen geprägt. „Themen wie die Verlagerung der Arbeit zwischen Frau und Mann - vor allem im Zeitvergleich - sind ausgeklammert worden.“ Das Institut wende sich mit seinem Beitrag an die breite Öffentlichkeit, „ohne sich auf eine Seite schlagen zu wollen“.

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