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Kind oder Karriere? : Auch Manager wollen eigentlich Väter sein

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Mehr Zeit mit dem Kind: Das wünscht sich jeder berufstätige Vater. Vor allem bei Managern nach wie vor ein eher frommer Wunsch. Bild: Röth, Frank

Die Nachricht passt zum Vatertag: Männer mit 60-Stunden-Woche wollen endlich mehr Zeit für die Familie. Und bessere Karrierechancen für ihre Frauen. Man wird ja noch träumen dürfen.

          „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Das fragt sich die Gesellschaft nicht erst seit 1984, als Herbert Grönemeyer darüber sang. Einige Jahrzehnte lautete die Antwort eher: Wenn ich Vollzeit arbeite, meine Familie ernähre und nach Feierabend der Herr im Haus bin. In den letzten Jahren antworten die Männer auf diese Frage immer häufiger: Wenn ich Zeit mit meinen Kindern verbringe, vielleicht sogar in Elternzeit gehe. Verantwortung in der Erziehung übernehme. Mir den Haushalt mit meiner Partnerin teile. Und im Beruf einen Schritt zurücktrete, damit auch meine Frau Karriere machen kann.

          Das heißt konkret: Väter wollen weniger, Frauen mehr arbeiten. In einer Umfrage der „Besser Betreut GmbH“ und der „Väter gGmbh“ unter 1001 Vätern und Müttern stellte sich heraus: Frauen halten derzeit eine Arbeitszeit von 25,9 Stunden pro Woche für ideal. Männer sagen, sie würden durchschnittlich gerne 34,3 Stunden arbeiten. Das heißt, die meisten Männer sind mittlerweile bereit, in Teilzeit zu arbeiten - besser gesagt 82 Prozent, laut der oben erwähnten Umfrage. Und immerhin 50 Prozent der Befragten würden dabei in Kauf nehmen, wenn die Teilzeit ihnen berufliche Nachteile beschert.

          Die Damen freut das: Acht von zehn Frauen würden ihren Partner bei seinem Wunsch, in Teilzeit zu arbeiten, unterstützen. 66 Prozent der Damen würden im Gegenzug selbst mehr arbeiten, damit ihr Partner in Teilzeit gehen kann. Diese Teilzeitmodelle auf beiden Seiten helfen den Frauen, nach der Geburt der Kinder wieder in den Beruf zurückzukehren und ihre Karriere voranzutreiben, davon sind 74 Prozent der Männer überzeugt, meldet die „Besser Betreut GmbH“ und die „Väter gGmbh“. Bei diesen Ergebnissen wundert es folglich kaum, dass mehr als zwei Drittel der 1001 befragten Väter und Mütter das Elterngeld plus befürworten, das Familienministerin Manuela Schwesig derzeit auf den Weg bringen möchte.

          Großes Gefälle zwischen Wunsch und Realität

          Die Arbeitszeit auf 34 Wochenstunden zu reduzieren, das helfe allein jedoch nicht, so die Umfrage. Auch das Arbeitsvolumen müsse deutlich gesenkt werden. Er fordert deshalb eine neue Teilzeitkultur in den Unternehmen. Es könnte sein, dass sein Wunsch auf weniger taube Ohren trifft, als noch in den Jahrzehnten zuvor. Denn eine weitere Studie offenbart: Auch junge Vorstandsvorsitzende wollen endlich mehr Zeit für die Familie, die viel beschworene „Work-Life-Balance“ wird immer wichtiger.

          Das hat die Unternehmensberatung Kienbaum mit der Unternehmerfamilie Haniel in einer gemeinsamen Studie nun herausgefunden. Für die Erhebung wurden 76 Vorstände deutscher Unternehmen befragt, die vor ihrem 45. Geburtstag die erste Führungsebene erreicht haben. Der Großteil der in der Studie als „junge Vorstände“ bezeichneten Manager sagt, geordnete Familienverhältnisse seien wichtig für ihre Karriere und tun diesem Glauben auch Genüge: 83 Prozent der Befragten sind verheiratet, elf Prozent leben in einer festen Partnerschaft. 74 Prozent der Befragten sagen, dass Familie und Freunde an erster Stelle stehen, nur gut die Hälfte findet Erfolg und Karriere wichtiger.

          Da erstaunt es etwas, dass die meisten der jungen Vorstände in der Regel 60 Stunden pro Woche arbeiten und das auch am Wochenende. Nur gut ein Fünftel gab in der Haniel-/Kienbaum-Studie an, höchstens ein Wochenende im Monat zu arbeiten, sechs Prozent sagten, sogar an zwei Wochenenden pro Monat zu arbeiten. Nur 38 Prozent der Befragten sagten aus, an Wochenenden in der Regel nicht zu arbeiten. Gut 40 Prozent sind sich dabei sicher, dass ihre Partnerin damit unzufrieden ist, dass ihr Mann so viel arbeitet. „Immerhin“, heißt es in der Studie, bemängeln 30 Prozent ihr unausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben. Und wissen gleichzeitig, so die Studie, dass „außergewöhnliches Engagement die zentrale Grundvoraussetzung für den Weg an die Unternehmensspitze“ bleibt. Wann ist ein Mann also ein Mann? Wenn er versucht, Familie und Beruf zu vereinbaren.

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