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Vegane Ernährung : Arbeit ohne Heiligenschein

  • -Aktualisiert am

Arbeit im Zeichen des Vegan-Trends: Mitarbeiter des Supermarktes „Veganz“ am Kühlregal Bild: Frank Röth

Immer mehr vegane und vegetarische Lebensmittel kommen auf den Markt. Um sie herum gibt es jede Menge Berufe. Wie ideologisch muss man sein, um in der Branche klarzukommen?

          Veronika Mair ist jetzt Mitglied von „Direct Action Everywhere“, einer Tierrechtsorganisation mit Sitz in Kalifornien. Die Mitglieder befreien Kaninchen aus Käfigen und dringen in Ställe ein, um das Leid zu filmen. Im Mai fuhr die 23 Jahre alte Frau in die Vereinigten Staaten, um an einem Workshop der Organisation teilzunehmen: Wie informiert man die Öffentlichkeit über die Aktionen? Wie verhält man sich, wenn man bei einer Tierbefreiung verhaftet wird?

          Mair sieht eine Parallele zwischen ihrem Einsatz für Tiere und der Rettung von Menschen im Mittelmeer: „Es kann nicht falsch sein, sich für die Rechte anderer Lebewesen einzusetzen.“ Dass künftige Arbeitgeber ihre Bewerbung ablehnen könnten, nachdem sie aus den sozialen Netzwerken von den rabiaten Aktionen gehört haben, diese Befürchtung hat sie nicht. Schließlich lehne sie Gewalt ab. Sich vor Schlachthöfen anzuketten sei ja auch keine Gewalt, sondern notwendig. „Dieses Engagement gehört zu mir“, sagt sie. „Jeder kann davon wissen.“ Auf ihrem T-Shirt steht auf Englisch „Esst Pflanzen“. Veronika Mair ist Veganerin und will ihre Lebenseinstellung zum Beruf machen. Gern will sie später als Expertin für Tierrechte tätig werden, etwa bei einer Stiftung. Deshalb ist sie seit Herbst 2018 an der privaten Fachhochschule des Mittelstandes in Berlin für den Bachelor-Studiengang Vegan Food Management eingeschrieben.

          Mit ihrer Kommilitonin Helen Rössler sitzt Veronika Mair in einem veganen Café in der Hauptstadt. Es gibt Kaffee mit Sojamilch, Fruchteis und Bagels mit Avocados und Nüssen. Eine drei Jahre alte Hochglanzzeitschrift für Veganer liegt herum, und der Hund der Kellnerin schnuppert an den Gästen. Helen Rössler stört das nicht. Sie ist auf einem Biobauernhof in Kärnten aufgewachsen, wo es viele Tiere gibt. „Zu sehen, wie die Kälber gleich nach der Geburt ihren Müttern entrissen werden“, damit die Kuhmilch den Menschen zur Verfügung gestellt werden kann, das hat sich der 22 Jahre alten Frau tief eingeprägt: „Man hört die Rufe, die Schreie. Wenn sich das vermeiden lässt, warum vermeidet man es nicht?“ Deshalb hat auch die Österreicherin entsprechende Berufspläne. „Ich will ein veganes Fair-Trade-Café mit Bioprodukten eröffnen und damit möglichst wenig Müll produzieren“, sagt sie.

          Viele Menschen in der Vegan-Branche sind Fleischesser

          Auf der Welt gibt es immer mehr Angebote für Veganer und Vegetarier. Lebensmittel, Reisen und sogar Schuhe ohne tierische Bestandteile werden verkauft. Dabei sind regionale Unterschiede zu erkennen: In Asien, vor allem in Indien, lebten schon immer viele Menschen vegan oder vegetarisch, während man in Osteuropa über diese Lebensweise eher den Kopf schüttelt. Briten legen Wert darauf, dass ihre veganen Lebensmittel auch noch fair produziert sind, Skandinavier darauf, dass sie bio sind. Der Vegetarierbund bezieht sich auf mehrere Umfragen in Deutschland, wenn er die Zahl der Vegetarier mit acht Millionen und die der Veganer mit 1,3 Millionen angibt. Gleichzeitig ist der Konsum von Fleisch dauerhaft stabil. Laut Statistischem Bundesamt erzeugten gewerbliche Schlachtunternehmen im Jahr 2018 rund acht Millionen Tonnen Fleisch. Verglichen mit 2017, war das nur ein Rückgang um 1,5 Prozent.

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