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Unternehmensethik : Anfüttern verboten

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Immer schön hart bleiben: Ethikschulung beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Bild: Daniel Pilar / F.A.Z.

Ohne Ethik kein wirtschaftlicher Erfolg, steht im Lehrbuch. Doch wie werden ethische Werte in einem Unternehmen vermittelt? Besuch einer Mitarbeiterschulung von Fraport.

          Ein saudischer Prinz schenkt Ihnen eine Rolex.“ „Escorted Karaoke stand als Programmpunkt auf der Einladung, was nun?“ „Sind wir eine Verbrecherorganisation, weil wir bei Eintracht Frankfurt VIP-Karten für unsere Kunden haben?“ Clemens von Stockert tippt mit den Fingern auf den Tisch. Seine Präsentation hat gerade begonnen. Von den in nächster Nähe startenden und landenden Flugzeugen merkt man nichts. Im Raum ist allein das Gebläse des Beamers zu hören. Stockert holt tief Luft. Dann antwortet er selbst, denn die zehn Schulungsteilnehmer, vier Frauen, sechs Männer, bleiben vorerst wortlos in diesem Basisseminar, das für Führungskräfte Pflicht, für alle anderen Mitarbeiter freiwillig ist.

          Heikel ist das Thema, um das es geht, allemal: der Kampf gegen Korruption und kriminelle Machenschaften im täglichen Geschäftsleben. Stockert ist der Wertemanager der Fraport AG, und seine Aufgabe ist es, den Mitarbeitern beizubringen, wie sie sich am besten dagegen wappnen. Seit 2007 ist der Diplom-Theologe mit dieser Aufgabe betraut. Angefangen hat er auf dem Flughafen Frankfurt als Ramp Agent, zuständig für die Koordination der Serviceleistungen an den Flugzeugen - er wollte nach dem Studium „eine Arbeit zum Anpacken“. Anschließend war er 15 Jahre bei den Bodenverkehrsdiensten. Wer ihm zuhört, merkt ihm die Berufserfahrung an: Hier werden nicht abstrakte Werte doziert, sondern anhand von Beispielen veranschaulicht, was es heißt, ethisch korrekt zu arbeiten.

          Geschenke, Zuwendungen, Begehrlichkeiten

          Fraport hat sein Wertemanagementsystem im Jahr 2003 eingeführt, um die Geschäftsabwicklung transparenter zu machen. Während des Baus des Terminals 2, das 1996 in Betrieb gegangen ist, hatten Teile der Bauleitung überteuerte Aufträge vergeben, sich und die Baufirmen so auf Kosten des Unternehmens mit Millionenbeträgen bereichert. „Wir hatten exakt die Fälle, die wir nun zu verhindern suchen“, sagt Stockert. Für den anstehenden Ausbau des Flughafens, insbesondere das Terminal 3, veranschlagt Fraport ein Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro. „Diese enormen Beträge setzen Begehrlichkeiten frei“, schreibt der Flughafenbetreiber auf seiner Internetseite.

          Als Kernstück des Wertemanagementsystems gilt der Wertekodex, der die zentralen Verhaltensregeln des Unternehmens enthält. Auf den in der klassenzimmertypischen U-Form angeordneten Tischen liegt er für jeden griffbereit, als Heftchen im DIN-A5-Format. Unter der Ziffer Eins findet sich der Grundsatz der Rechtstreue: Kategorisch abzulehnen sind demnach „Preis- und Mengenabsprachen oder Scheinangebote mit Wettbewerbern“. Besonders ausführlich widmet sich der Kodex dem Umgang mit Geschenken und Zuwendungen. Wie sieht es also mit der angebotenen Rolex aus?

          „Annehmen und spenden“

          Stockert ist jetzt bei Folie 29. „Jedem Mitarbeiter ist generell verboten, im Zusammenhang mit Auftragsvergaben und der Abwicklung von Verträgen Geschenke oder Zuwendungen anzunehmen“, sagt er. Auch der Mitarbeiter, dessen Aufmerksamkeit die erste Viertelstunde ausschließlich seinem Handy galt, hat dieses inzwischen aus der Hand gelegt und schaut gespannt zu. Ausnahme: Wenn der Wert eines Geschenks unter der steuerlichen Höchstgrenze liegt, momentan 35 Euro, darf es angenommen werden. Also müsste die Rolex zurückgewiesen werden. Doch so einfach ist es auch wieder nicht mit dem ethisch korrekten Handeln, denn ökonomischen Schaden sollte es - falls möglich - auch nicht anrichten. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich der saudische Prinz dadurch gekränkt fühlt, ist groß. Ein Teilnehmer, selbst Projektleiter, urteilt spontan: „Annehmen.“ Stockert erwidert: „Annehmen und spenden. Die stellen wir dann bei uns in die Vitrine.“

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