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Erfolg bei Evonik : E-Mail-freie Zone Freizeit

E-Mail-freie Zone Freizeit: In manchen Unternehmen bereits Realität. Bild: Picture-Alliance

Während die Bundesregierung noch über eine Anti-Stress-Verordnung diskutiert, haben Unternehmen bereits eigene Regeln aufgestellt. Der Chemiekonzern Evonik zieht nun eine erste Bilanz.

          Die rund 21.000 deutschen Mitarbeiter des Spezialchemiekonzerns Evonik haben mehr Freizeit. Sie nutzen E-Mails nach Feierabend deutlich seltener als früher. 2013 hatte das Spezialchemien-Unternehmen als einer der ersten großen Arbeitgeber in Deutschland dazu Unternehmensregeln in Kraft gesetzt. Die Vorgaben sollen Mitarbeiter vor möglichen Auswüchsen durch ständige Erreichbarkeit schützen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          „Wir haben damit ein deutliches Signal gesetzt. Jetzt, rund ein Jahr nach dem Start, wissen wir: Die Botschaft ist angekommen. Die Erreichbarkeitsregeln haben sich in der Praxis bewährt. Es gibt viele positive Reaktionen aus der Belegschaft“, bilanziert Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor. Im Vergleich zur Zeit vor der Einführung der Regeln hat sich das Mail-Aufkommen nachts und am Wochenende bereits deutlich reduziert. So hat sich zum Beispiel das E-Mail-Aufkommen am Wochenende in etwa halbiert.

          Evonik setzt seit 2013 auf die Unternehmensregeln für Vorgesetzte und Mitarbeiter zur mobilen Erreichbarkeit nach Feierabend. Darüber hinaus hat Evonik das Thema auch zu einer zentralen Führungsaufgabe von Vorgesetzten gemacht. Die Regeln gelten für alle rund 21.000 Mitarbeiter von Evonik in Deutschland, die insgesamt mehr als 17.000 mobile Endgeräte nutzen.

          In dringenden Fällen Anrufe statt E-Mails

          Die Unternehmensregeln sehen einen Erreichbarkeitsrahmen vor, der zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern individuell vereinbart wird, um ein gemeinsames Verständnis von Arbeitszeit und Freizeit sicherzustellen. „Die jeweiligen Vorgesetzten sollen direkt mit ihren Teams über das Thema Erreichbarkeit sprechen. Sie sollen gemeinsam die passenden Wege finden und Freiräume schaffen. Das ist praxisnah und im Interesse aller Beteiligten“, erläutert Wessel.

          Um die Eigenverantwortung und Entscheidungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhöhen, habe Evonik bewusst Leitlinien eingeführt, die die Mitarbeiter nicht in ein starres Korsett zwingen, sondern Abteilungslösungen zulassen. „Uns geht es insbesondere da um Schutz, wo moderne Kommunikationsmedien als Belastung wahrgenommen werden. Mitarbeiter sollen im Feierabend nicht durch berufliche Kommunikation über Handy oder Smartphone gestört werden. Wir erwarten nicht, dass E-Mails in der Freizeit und im Urlaub bearbeitet und beantwortet werden. Ausnahmen gelten bei außergewöhnlichen Umständen oder Ereignissen, die es nötig machen, schnell zu reagieren“, sagt Wessel.

          In solchen besonderen Fällen soll der betreffende Mitarbeiter aber angerufen werden - um dem Gedanken gegenzusteuern, jeder Mitarbeiter müsse selbst in der Freizeit permanent auf wichtige Unternehmens-E-Mails achten. Führungskräfte haben die Erreichbarkeit auch deshalb intensiv im Blick und machen sie zu einem festen Thema in ihren Managementrunden. Die Erfolge in Form niedrigerer E-Mail-Aufkommen nachts und am Wochenende zeigten, dass die Vereinbarung greift.

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