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Innovative Mitarbeiter : Bloß kein Neid!

Wohlfühl-Atmosphäre im Büro: Bei Kloeckner.i verschmelzen Arbeit und Freizeit. Bild: Matthias Lüdecke

Viele Unternehmen belohnen innovative Mitarbeiter mit Traum-Bedingungen: hippe Büros, Freiraum, Start-up-Spirit. Sie müssen aber aufpassen, dass kein böses Blut entsteht.

          Sebastian Koepl ist weder Unternehmer noch Vorstandschef. Trotzdem erinnern seine Arbeitsbedingungen an beides: „Ich kann mir zurzeit aussuchen, wann und wo ich arbeite und wie ich dabei im Detail vorgehe“, sagt er. Dabei ist Koepl eigentlich bloß ein ganz normaler Angestellter des Telekommunikations-Riesen Vodafone. Auch Koepls Kollege Joscha Schulte weiß die Vorzüge an seinem aktuellen Arbeitsumfeld zu schätzen. Ähnlich wie Koepl, der nach seinem Studium in Leipzig vor vier Jahren ins Berufsleben wechselte, ist auch er nur sporadisch im Büro anzutreffen. Stattdessen tingelt er während der üblichen Arbeitszeit zu Beratern oder trifft erfahrene Start-up-Gründer, um Ideen zu entwickeln oder Konzepte auf Markttauglichkeit abzuklopfen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Koepl und Schulte verdanken diese Arbeitsbedingungen einer Gründerinitiative, die Vodafone Deutschland jüngst aus der Taufe hob. Unter dem schmissigen Titel „Uplift Me“ will die Tochtergesellschaft des britischen Mobilfunkers ihrer Belegschaft mehr Gründergeist einhauchen: Einige der 14.000 Mitarbeiter hierzulande dürfen sich im Rahmen dieses Projektes zeitweise als Jung-Unternehmer profilieren. Die Voraussetzung: eine zündende Idee. Die finanziellen Risiken des Engagements nimmt der Arbeitgeber in Düsseldorf seinen Mitarbeitern ab, indem er sie von ihren anderen Aufgaben zeitweise freistellt und ihnen Zugang zu den internen Ressourcen verschafft.

          „Unsere Entrepreneure im Haus können für einen Zeitraum von sechs Monaten bei vollem Gehalt die Hälfte ihrer Arbeitszeit zum Tüfteln nutzen“, verspricht Hannes Ametsreiter, Vorstandschef von Vodafone Deutschland. Gelingt es den Talenten, eine Fachjury von ihren Qualitäten zu überzeugen, können sie mit der Unterstützung von Marketing und Vertrieb rechnen, um ihre Ideen oder Produkte an die Kundschaft zu bringen. Laut Ametsreiter wurden Innovationen aus dem eigenen Hause lange sträflich unterschätzt und daher kaum gefördert. Doch den Luxus, die wertvollen Potentiale im Konzern nicht auszuschöpfen, werde sich kein Unternehmen mehr leisten können.

          Zwei Geschwindigkeiten im Unternehmen

          Mit seiner Sichtweise ist er nicht allein: In Deutschlands Personalabteilungen macht derzeit ein Wortungetüm die Runde: Ambidextrie. Übersetzt heißt das „Beidhändigkeit“, sagt Josephine Hofmann, die den Bereich Zusammenarbeit und Führung im Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) leitet. „Unter Ambidextrie versteht man das Aushalten und gute Managen von unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten in einem Unternehmen“, sagt sie.

          Krawatten? Nein! Lieber Shorts und T-Shirt.

          Das ist mit der Digitalisierung nötiger geworden denn je: Hofmann zufolge verstärkt sich der Trend, dass sich Unternehmen neben ihrem etablierten Kerngeschäft, Innovationsteams oder ganze Innovationseinheiten schaffen, die nach anderen Regeln arbeiten und eine Art Start-up-Kultur leben. „Manche gehen mit solchen Innovationseinheiten gezielt ins hippe Berlin, manche stellen dafür extra neue und meist jüngere Leute ein. Viele verordnen sich auch andere Bürokonzepte oder eine neue Meeting-Kultur.“ Die Notwendigkeit, Innovationen zu fördern, habe es zwar immer schon gegeben, sagt Hofmann. Aber: „Es gibt eine neue Dringlichkeit, weil Unternehmen sonst drohen an den aktuellen Herausforderungen, besonders durch die Digitalisierung, zu scheitern.“ Aus dieser Dringlichkeit sei der Trend entstanden, dass Unternehmen Teams oder ganze Einheiten voranschicken, um zu innovieren.

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