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Innovative Mitarbeiter : Bloß kein Neid!

Spezielles Ökosystem: Programmierer sollen sich hier entfalten können.

Um solche Konflikte zu lösen, suchen Headhunter mittlerweile nach ganz anderen Führungspersönlichkeiten als früher, sagt Joachim Bohner, Geschäftsführer beim Personalvermittler Russell Reynolds: Agil und geistig flexibel im Umgang mit Widersprüchen und einer zunehmenden Unsicherheit – das sei inzwischen die entscheidende Qualifikation, gerade, wenn Unternehmen besonders innovative Einheiten neben dem Kerngeschäft betreiben. Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut findet, das liege auf der Hand: „Die jungen, neuen Einheiten genießen oft viel mehr Aufmerksamkeit. Das kann Neidgefühle hervorrufen.“ Ganz entscheidend sei daher die Frage, wie das Management des Unternehmens das Ganze den Mitarbeitern verkauft. „Wer sagt: Das ist jetzt die schöne neue Welt und alle anderen sind die Langweiler, der macht etwas falsch.“

Beachvolleyball, Pizza und Bier

Zwei unterschiedliche Welten im Unternehmen hat seit einigen Jahren auch der Stahlhändler Klöckner und Co. Das Geschäftsmodell des Traditionskonzerns aus dem Ruhrgebiet gründet sich darauf, durch Stahl-Lagerhaltung den Kunden aus der Industrie zu ermöglichen, kleinere Mengen schneller und flexibler einzukaufen, als sie das direkt beim Produzenten könnten. „Da lag es nahe, innovative digitale Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln, zum Beispiel ein Kontaktportal im Internet“, sagt Christian Pokropp, der Geschäftsführer der neuen Tochtergesellschaft und Digitaleinheit Kloeckner.i, die 2014 gegründet wurde. Das Ziel: Bei Kloeckner.i sollen in kurzen, schnellen Innovationszyklen digitale Produkte entwickelt werden, die man schon früh dem Kunden zeigt und dann gemeinsam verbessert. Zum Beispiel ein Online-Shop für Stahl- und Metallprodukte. Zu Hause, im Traditionshaus, habe es dafür aber weder die nötigen Programmierer gegeben noch genug Veränderungsbereitschaft. Bei neuen Ideen meldeten sich meist schnell viele Bedenkenträger, berichtet Pokropp. Dann habe es geheißen: Alles gut und schön, aber zu uns passt das nicht. Das Personal sei nicht aus der traditionellen Denkweise herausgekommen.

Vodafone-Gründer: Sebastian Koepl und Joscha Schulte; im Hintergrund Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter.

In Berlin bei Kloeckner.i hat man deshalb eine ganz andere Belegschaft eingestellt; mittlerweile sind es 85 Mitarbeiter. Ihr Altersschnitt liegt um die 30 Jahre. Auch die Qualifikationen der Mitarbeiter bei Kloeckner.i sind ganz anders als im sonstigen Traditionshaus: vor allem Softwareentwickler, Webdesigner, Online-Marketingexperten. Um solche Leute an Bord holen zu können, brauchte es das entsprechende Umfeld, erklärt Pokropp. „Einen Softwareentwickler nach Duisburg zu locken ist extrem schwer“, sagt er. „Deshalb sind wir nach Berlin gegangen.“

Die Büroräume dort sind offen, die Hierarchien flach, Krawatten fehlen. Es gibt eine „Social Area“, in der ein Dart-Board an der Wand hängt. Mittwochsabends trifft sich die Belegschaft im Sommer zum Beachvolleyball, donnerstags ist „Kloeckner Thursday“: „Da stellt jedes Mal ein Team ein aktuelles Projekt vor, es kommt meistens ein externer Gast, der ein Referat hält, dazu gibt es Pizza und Bier“, beschreibt Pokropp. „Man darf auch seine Freunde und Verwandten mitbringen“, es solle eine Atmosphäre herrschen, bei der das Verschmelzen von Arbeit und Freizeit wirklich gelebt werde. Die gefragten jungen Digitalfachleute wollten das so. „Ein marktübliches Gehalt gehört natürlich auch dazu“, sagt Pokropp, „aber ohne Spaß bei der Arbeit geht bei dieser Generation kaum etwas“.

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