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Serie „Ich mach mein Ding“ : Ein ungewöhnlicher Bankenwechsel

Im Einklang mit sich selbst: Schwester Katharina Bild: Andreas Müller

Katrin Rohrmann ist Volkswirtin und hat bei der Deutschen Bank gearbeitet. Dann ist sie ins Kloster eingetreten. Heute lebt sie als Schwester Katharina am Starnberger See. Teil 6 der Serie „Ich mach mein Ding“

          Der schönste Ort für sie? Gern zieht sie sich an das romantisch-verwitterte Bootshaus am Starnberger See zurück. Ihr Blick streift die Benediktenwand und den Rabenkopf, fern zeichnet sich das Karwendelgebirge ab. Ein überirdisch schöner Ort in Oberbayern. An heißen Sommertagen schwimmt Schwester Katharina hier am Privatsteg der Missions-Benediktinerinnen weit hinaus. Noch wohler aber fühlt sie sich in der Kapelle des Klosters in Tutzing, fünf Minuten den Hang hoch. In der Mitte steht der Altar, die mit Bibelzitaten geschmückten Fenster inszenieren Lichterspiele. Hier beten und singen die 70 Ordensfrauen. Die Augen der zierlichen Schwester leuchten, als sie zu ihrem Platz an der Bank führt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Jahre zuvor hat sie in einer ganz anderen Bank gewirkt. Die heute 41-Jährige ging gern in die Deutsche Bank in Stuttgart, wo sie im Credit-Risk-Management arbeitete. Dann aber schlich sich ein anderes Gefühl in das Leben der aufgeschlossenen Frau, die um die halbe Welt gereist war und vor der eine verheißungsvolle, lukrative Karriere bei der Großbank lag. „Das Gefühl, ob das wirklich alles in meinem Leben gewesen ist.“ Mit einem klassischen Berufungserlebnis kann sie nicht aufwarten. Aber mit dem stärker werdenden Eindruck, ihrem Leben eine neue, spirituelle Richtung geben zu wollen.

          Diese Sehnsucht nach einem gotterfüllten Leben war keineswegs absehbar, als Katrin Rohrmann in Arnsberg ihr Abitur in der Tasche hatte. Zwar war sie in einer katholischen Familie aufgewachsen, war Ministrantin, Lektorin, Kommunionhelferin. Und schon als 18-Jährige hielt sie Wortgottesdienste im Altenheim. Aber ihre Berufspläne hatten mit der Kirche nichts zu tun. Zunächst machte sie im Sauerland eine Lehre als Industriekauffrau. „Ich wollte im Zweifelsfall etwas in der Tasche haben und das Berufsleben kennenlernen. Darin bin ich rational, das Kopfgesteuerte ist ein Teil von mir.“ Die Eltern haben ihr freien Raum gegeben. Vielleicht auch, weil der Vater gern studiert hätte, das aber nach dem Krieg nicht ging, die Mutter zwar „mit Engagement“ Lehrerin geworden ist, aber lieber etwas anderes gemacht hätte. Für Katrin Rohrmann stand fest, dass sie studieren wollte. „Wirtschaft hat mich interessiert, auch Geschichte, aber ich wollte nicht Lehrerin werden.“ In Konstanz schrieb sie sich für Volkswirtschaft ein. Ein Jahr studierte sie in Montreal. „Französisch sprechen zu können und in Kanada zu sein, die Mischung fand ich einfach klasse.“

          Mit dem Rucksack durch die Welt

          Frisch diplomiert, ging sie auf Weltreise. „Das war immer mein Traum.“ Ein gut gepflegtes Sparbuch und ihre Unternehmungslust machten das möglich. Die 23-Jährige begann in Australien, reiste über die Fidschiinseln nach San Francisco und Montreal. „Als Backpacker kriegt man schnell Kontakt, ist aber frei, das zu tun, was man will.“

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