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Coworking : Freie Sicht und schnelles Internet

  • -Aktualisiert am

Grenzsituation: Im Coworking-Center „BLOK-O“ in Frankfurt/Oder zielt man auch auf Nutzer aus dem benachbarten Polen. Bild: Roman Wache

Arbeitsplätze fürs Coworking sprießen seit einiger Zeit auch wieder abseits der Metropolen aus dem Boden. Bringen die stadtmüden Hipster wieder Leben in die Provinz?

          Es war im Grunde reiner Eigennutz, der Sven Gumbrecht angetrieben hat: Der Berater und Rechtsanwalt lebte seit einigen Jahren im nördlich von Berlin gelegenen Eberswalde, einer Kleinstadt zwischen Hochschulatmosphäre und Plattenbaucharme, mit hübsch saniertem Marktplatz und Leerstand an der Durchfahrtstraße. Gumbrecht arbeitete viel zu Hause und allein – zu viel, wie er fand. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern rief er daher im vergangenen Jahr mit der „Thinkfarm Eberswalde“ einen Coworking-Space in der Kleinstadt ins Leben.

          Damit kommt ein Trend in die Provinz, der bis vor kurzem auf die Büromärkte von Großstädten beschränkt war: flexible und temporäre Büroräume als Kommunikations- und Arbeitsorte für Digitalnomaden und solche, die es werden wollen. Das einst leerstehende Ladenlokal im Zentrum von Eberswalde, hinter dessen Schaufenstern sich Gumbrecht und seine Kollegen seither beim Arbeiten zuschauen lassen, stellt längst keinen Einzelfall mehr dar. Neben anderen Speckgürtelgemeinden etwa rund um Frankfurt am Main macht das Beispiel auch ganz fern der Metropolen Schule. In Garmisch-Partenkirchen können sich „alle, die ihre Welt im Laptop tragen“ in einem ehemaligen Autohaus einnisten, das jetzt „Alpen.Work“ heißt. Im Norden tourt mit dem Projekt „CoWork Land“ ein mobiler Pop-up-Space zwischen Nordseeküste und Harzvorland über die Lande und testet, wie sich die Nachfrage nach dem Angebot verteilt.

          Alternativen zur Metropole

          „Der Bedarf nach gemeinsamem Austausch war da, nicht nur bei uns“, sagt Gumbrecht. Zahlreiche Freiberufler – Texter, Graphiker, Berater und Anwälte – seien in den vergangenen Jahren der Enge und den steigenden Mieten Berlins entflohen, hätten ihre Kunden allerdings dort behalten. Statt täglich pendeln zu müssen, können sie jetzt in der „Thinkfarm“ arbeiten. In Frankfurt an der Oder, eine gute Stunde von Berlin entfernt an der polnischen Grenze gelegen, hat die Sparda Bank im Herbst vergangenen Jahres ein ähnliches Angebot initiiert. „Die meisten haben damit gerechnet, dass die Nachbarn auf polnischer Seite zuerst durchstarten“, erzählt Antonia Polkehn, bei der Sparda Bank Berlin für Strategie und Innovation zuständig. „Aber dann waren wir schneller.“

          Außerhalb der Stadt: Im brandenburgischen Bad Belzig wurde ein Gutshof zum „Workation Retreat“ Coconat.

          Polkehn bekräftigt das Interesse, das ihr im Vorfeld entgegenschlug, sowohl von der Stadt als auch von Seiten der Europa Universität Viadrina. Die intensive Vorbereitung mit zahlreichen Gesprächen sei notwendig gewesen, um passgenau auf den Bedarf reagieren zu können. Denn darin unterscheiden sich die Ausgangslagen von Frankfurt an der Oder und Berlin-Potsdamer Platz: In kleineren Städten sind die Situationen kleinteiliger, Erfolg oder Misserfolg eines Immobilienangebots hängen stärker von Einzelfaktoren ab als in einer Metropole, in der jeder irgendetwas (anderes) sucht. Dazu passt, dass sich kaum ein Rezept kopieren lässt, sondern jedes Mal aufs Neue Standorte analysiert und gegebenenfalls Konzepte entwickelt werden müssen. Das Frankfurter „BLOK-O“ beispielsweise widmet sich in Namen und auf der Homepage der Grenzsituation – Informationen gibt es in beiden Sprachen. Als Frequenz- und Umsatzbringer wiederum hat sich ein eingegliedertes Café erwiesen, dessen Siebträgermaschine schnell als die beste der Stadt galt.

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