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Traumberufe (3) : Richtige Bolognese

Filetiert: Der Fisch - und der Kindheitstraum vom Kochen Bild: Wonge Bergmann / F.A.Z.

Mit fünf Jahren wollte ich Köchin werden. Und mein eigenes Spaghetti-Bolognese-Restaurant haben. Wie wäre das wohl geworden? Ich habe es ausprobiert - und einen Tag lang in einer Profiküche gearbeitet. Teil 3 unserer Serie über Berufswünsche der Kindheit.

          Carmelo Greco lacht. Er lacht mich aus, zumindest ein bisschen. „Spaghetti vom Aldi?“, sagt er. „Das schmeckt nach nichts. Kannst du vergessen.“ Mit geübter Bewegung zieht er seinen Ravioliteig durch die Nudelmaschine, macht ihn noch ein bisschen dünner, noch ein bisschen fragiler. „Spaghetti vom Aldi?“, fragt er noch einmal und schüttelt den Kopf. „Ungenießbar.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Carmelo Greco hat gut Lachen. Er hat in seiner Karriere als Koch so ziemlich alles erreicht, was er sich erträumt hat – und das mit nur 42 Jahren. Mit 20 zog er aus Italien fort nach Deutschland, mit 24 gründete er zusammen mit einem Geschäftspartner sein eigenes Restaurant, mit 29 dekorierte Michelin seine „Osteria Enoteca“ mit einem Stern. „Das war wie ein Aufstieg in die Champions League“, sagt er. Und in welcher Liga spielen Köche, die Aldi-Spaghetti in den Topf werfen? „Kreisklasse. Maximal.“

          Während Carmelos Hände unablässig produzieren, Ravioliteig zurechtschneiden, mit Parmesanflan füllen und zu gleichgroßen Taschen falten, zerstören seine Worte ganz langsam meinen Kindertraum. Den Traum vom Kochen, der seit meinem fünften Lebensjahr in meinem Kopf herumspukt und den ich an diesem Tag mit der Wirklichkeit vergleichen will. Nach und nach schneidet Carmelo Greco ihn in Stücke, als handele es sich bloß um eine weitere Platte Ravioliteig. „Bolognese?“, fragt er jetzt. „Willst du wissen, wie richtige Bolognese geht?“

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          Ich meine zu wissen, wie richtige Bolognese geht

          Das Problem ist: Ich meine zu wissen, wie richtige Bolognese geht. Ich habe gelernt, wie man sie kocht, schon früh. Mein Vater hat es mir beigebracht, damals, als ich fünf war und er ein begeisterter Hobbykoch.

          Wenn mein Vater nach Dienstschluss nach Hause kam, führte ihn sein erster Weg stets in die Küche. Dort legte er die alte, dunkelgrüne Kochschürze an, auf der ein Hummer, mehrere Kartoffeln, ein Salatkopf sowie ein toter Fisch abgebildet waren. Dann ging er ans Werk. Wenn er so vor dem Herd stand und würzte und rührte und sich der Duft von Kräutern und gedünsteten Zwiebeln im ganzen Haus verteilte, wünschte ich mir, ich könnte auch auf so zauberhafte Weise rohe Zutaten in leckere Gerichte verwandeln wie er. Weihnachten 1985 bekam ich einen Mini-Elektroherd geschenkt. Er war etwa 30 Zentimeter hoch und 20 Zentimeter breit und hatte zwei winzig kleine Kochplatten, zu denen zwei winzig kleine Töpfe in den Farben rot und orange gehörten. Und: Der Herd funktionierte – das war das Beste daran.

          Mein Vater fand das nicht. Denn fortan wichen mein Herd und ich nur noch selten von seiner Seite. Wenn er kochte, wurde jeder Schritt imitiert. Wollte er Zwiebelwürfel anbraten, musste er vorher fünfeinhalb Würfelchen für mich abzweigen. Setzte er Wasser auf, so füllte auch ich einen Minitopf mit Wasser. Und die Spaghetti – er benutzte Spaghetti aus der Tüte, die meine Mutter bei Aldi einkaufte – wurden in kleine Teile gebrochen, damit auch sie in meiner kleinen Küchenwelt Platz hatten.

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