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Teamarbeit : In wenigen Schritten zum miesen Kollegen

Achtung, bissig! Bild: Getty

Sie wollen sich in kürzester Zeit bei Ihren Kollegen so richtig unbeliebt machen? Hier sind ein paar Tipps, wie das gelingt. Quasi mit Erfolgsgarantie.

          Besorgen Sie sich einen Jahreskalender, und blockieren Sie sofort alle Brückentage. Alle. Ausnahmslos. Die anderen waren schneller? Naht das gestreckte Wochenende, sind Sie notfalls unpässlich nach dem Feiertag. Das frühe Blockieren ist ohnedies nur der Testlauf für den großen Sommerurlaub. Die Kinderlosen konkurrieren um die Top-Termine im sonnensicheren September, die Strände sind nicht überfüllt, Flüge und Hotels günstiger. Sofort Überblick verschaffen und Urlaub einreichen. Sie machen das Rennen. Das ist fehlgeschlagen? Diesmal war Kollege S. schneller und hat den Zuschlag bekommen? Dann vermiesen Sie S. die Tour. Sie werden halt krank, fallen als Urlaubsvertretung aus. Es gibt doch derart diffuse Krankheitsbilder und elastische Atteste. Dann haben die anderen die Stellung zu halten.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Überhaupt, die Reiserei. Der neue Kunde aus dem Oberhessischen hatine Niederlassung in Vancouver. Die anderen scherzen noch über coole Kanadier und endlose Weiten, Sie aber halten sich nicht mit Klischees auf. Sie handeln, wanzen sich an den Mann ran, verteilen Visitenkarten und Komplimente und mailen „Dear John“, noch bevor John am Frankfurter Flughafen für den Rückflug eingecheckt ist. Eine Punktlandung. Denn die nächste Einladung geht an Sie.

          Sie müssen zur Messe. Keine Lust, aber auch keine Chance, sich auch diesmal wieder zu drücken? Wenn schon, denn schon. Sie sind der Platzhirsch, der Erste am Stand, fangen mit eisernem Lächeln die Premiumkunden ab und sichern sich deren Budget. Unerfahrene Kollegen, denen die Messe-Regeln unbekannt sind, hocken derweil noch in der überfüllten S-Bahn. Tja, dumm gelaufen. Ihnen hat ja auch niemand mit Rat, geschweige denn mit Tat zur Seite gestanden, als Sie ein blutiger Anfänger waren. Budget für mich, Lehrgeld für die anderen.

          Eine Runde Schaulaufen

          Ohnehin, Zuspätkommer bestraft das Leben. Sie haben festgestellt, dass der Chef morgens als Erster im Büro ist. Sie tun das künftig auch. Eine Runde Schaulaufen bietet eine verlässliche Gelegenheit für die ein oder andere intrigante, launig verpackte Bemerkung unter vier Augen. Verschanzt der Chef sich im Büro, dann fangen Sie ihn gelegentlich in der Tiefgarage oder auf dem Parkplatz ab.

          Intrigante Bemerkungen sind ein gutes Stichwort. Zum Beispiel beim Ideenklau, einer Königsdisziplin der fiesen Kollegen. Kollege K. hat eine bahnbrechende Idee und skizziert sie mittags beim vertrauten Kantinenplausch. Aber Sie sind selbstverständlich schneller. Wieder gilt es, keine Zeit zu verlieren, um Konzepte durchzugrübeln oder andere Meinungen einzuholen. Denn die alles entscheidende Sitzung ist schon in zwei Tagen. Sie kupfern K.’s Idee ab, bauen einige Vertuschungsschlenker ein und mailen dem Chef das Exposé zu mit der lässigen Betreffzeile: „Habe mir mal vorab ein paar Gedanken gemacht.“ Der Chef schätzt Mitdenker, dass Sie nur ein Mitwisser sind, ahnt er nicht. Alles läuft nach Plan. Der Chef lobt Sie und übergeht den vor Ärger und Enttäuschung sprachlosen K.

          Ohnehin erweisen Sie sich als virtuoser Mail-Lieferant und -Intrigant. Gerne löschen Sie das CC heraus, das geht auch bei Protokoll-Gruppenmails fix. Uuups! Der andere weiß von nichts? Ja, hat er denn die Rundmail nicht gelesen? Ein unschuldiger Blick und gönnerhafter „Kann-ja-jedem-mal-passieren“-Kommentar krönen dessen Schmach.

          Beim Böse-Gerüchte-Streuen macht Ihnen keiner was vor

          In der Disziplin des Denunzierens stehen Sie ohnedies unangefochten auf dem Siegerpodest. Auch in der Unterdisziplin des Böse-Gerüchte-Streuens macht Ihnen keiner was vor. Schließlich sind Sie ein aufmerksamer Beobachter: Ihr Chef kritisiert zum wiederholten Mal mit einer sachlichen Randbemerkung ein Versäumnis von Kollege V. Eine Bagatelle. Für Sie ist das keine Randnotiz, Sie bemerken, dass der Chef auf genau diesen Punkt allergisch reagiert. Nun treten Sie nach, wohlwissend, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Hierbei verfahren Sie vornehm, lassen mal subtil in einem Nebensatz fallen, dass V. „bedauerlicherweise wieder zu spät die Zahlen geliefert hat“. Das funktioniert auch für Fortgeschrittene. Denn die weisen nicht nur auf die Fehler der anderen hin - die ein stabiles Team kollegial auffängt -, sondern präsentieren sich sogleich noch als Problemlöser. Motto: Der V. hat es mal wieder verbockt, ich hab’s gerettet. Das lässt sich alles steigern, nämlich dann, wenn Sie mit Ihrer Lösung klammheimlich ein neues Problem kreieren, das Sie selbstverständlich wieder dem vermeintlich überforderten V. in die für ihn zu großen Schuhe schieben.

          Was der Chef will, das wollen Sie auch. Ihre eigene Meinung spielt keine Rolle, sie schlüpfen in diejenige des Angepassten. Aber Vorsicht: Auch Chefs ändern Ihre Meinung manchmal spontan, dann müssen Sie kaschieren, dass ihr Fähnchen nur im Wind der Macht flattert. Das zu Verschleiern ist mit der richtigen Taktik aber kein Problem. Dafür feuern Sie einfach eine Floskelparade ab, folgende Textbausteine bieten sich zuverlässig an: „Nach reiflicher Überlegung bin ich zu einem anderen Schluss gekommen“ oder „Flexibilität ist heute wichtiger denn je“.

          Glänzend verkaufen Sie Ihren Meinungswechsel mit großem Einsatz: Ich habe mir das gestern Abend - wahlweise auch am Wochenende - noch einmal genauer angesehen, das XY-Detail sollten wir auf keinen Fall übersehen. Dazu gibt es einen ähnlichen Fall in den Vereinigten Staaten, auf den Fidschis, wo auch immer. Sie wechseln Ihre Einstellung skrupellos nach Lage. Was kümmert Sie Ihr Geschwätz von gestern? Heute ist ein neuer Tag. Und wird Ihr Meinungswechsel mal ganz drastisch, dann treten Sie die Flucht nach vorn an, und kokettieren Sie mit großer Geste: „Also, nach gründlichem Nachdenken bin ich zu einem völlig anderen Schluss gekommen. Das wäre ein Fehler, das so zu machen. Aber zum Glück haben wir im Unternehmen ja eine Fehlerkultur, und hier wird nichts unter den Teppich gekehrt.“ Das verkünden Sie mit einem entwaffnenden Lächeln. Und Ihr Gegenüber ist verwirrt.

          Delegieren und andere einspannen

          Während die anderen redlich arbeiten, halten Sie Ihren Einsatz in Grenzen. Aufgaben, die wenig Prestige bringen und lästig sind, delegieren Sie, wann immer Sie dazu nur die kleinste Chance wittern. Das fällt natürlich schwer, wenn Sie keine Führungsfunktion haben und die Sekretärinnen selbstbewusst agieren. Aber ein schüchterner Praktikant, eine verunsicherte Elternzeitvertreterin, eine überangepasste Zeitarbeitskraft, die lassen sich fast immer für unbeliebte Aufgaben einspannen. Hauptsache, Sie sprechen jemanden an, der weder über Schutz noch Selbstbewusstsein verfügt. Für Kollegen, die sich relativ widerstandslos drangsalieren lassen, haben Sie einen messerscharfen Blick, wie der Habicht fürs kränkelnde Kaninchen.

          Unangenehmen Situationen gehen Sie großräumig aus dem Weg. So wie neulich, da haben Sie illegal kampfkopiert, haben Privates durch den Kopierer gejagt, jetzt ist der Toner leer und die Sekretärin in Pause. Sie machen sich die Finger aber deswegen nicht schmutzig. Stattdessen nichts wie weg. Verschanzen Sie sich ein halbes Stündchen hinter Ihrer Schreibtischburg, telefonieren Sie und wedeln genervte Mitmenschen hinaus. Irgendein hilfsbereiter Mensch wird sich schon um den Toner kümmern.

          Dieses unsoziale Verhalten haben Sie doch seit jeher in den Waschräumen trainiert. Letztes Blatt verbraucht? Sie halten sich nicht damit auf, Nachschub zu organisieren. Sie haben ja Ihre Schäfchen im Trockenen und kommen sauber aus der Sache raus. Schimpft ein anderer Kollege, schieben Sie es auf die Putzfrau. Die ist in Ihrem Ranking sowieso ganz, ganz weit unten auf der Hierarchiestufe, die kann man haltlos beschimpfen, deren Namen müssen Sie sich auch nach acht Jahren im Betrieb nicht merken.

          Zutexten was das Zeug hält

          Sie haben heute einiges weggearbeitet und sich eine Pause verdient. Kollege F. aber studiert noch fleißig Gesetzestexte und arbeitet hochkonzentriert an einem fordernden Fall? Das ignorieren Sie nicht mal. Sie haben Lust auf Leerlauf und texten ihn zu. Rücksichtslos. Was stört es Sie, wenn er wieder einen milden Spätsommerabend zwischen Aktenbergen verbringen muss. Ihnen ist nach einem Plausch. Überstundengefährdet ist nur er und Ihrer Laune ausgeliefert, schließlich haben Sie den guten Draht zum Chef, und F. steckt noch in der Probezeit. Das Wort Rücksichtnahme haben Sie vor Jahren aus Ihrem Wortschatz gestrichen. Empathie ist was für Esoterik-Tanten.

          Sie haben Geburtstag. Fein. Sie nehmen sich frei und ignorieren Anspielungen auf Nachfeiern konsequent. Diese verstummen und werden von Jahr zu Jahr weniger. Sie haben da ein dickes Fell. Die anderen haben Geburtstag? Fein. Sie sind der erste Gratulant und sparen sich die Kantine. Tja, beim Geldeinsammeln fürs Gemeinschaftsgeschenk hatten Sie es gerade nicht passend klein oder waren im Nachbargebäude unabkömmlich. Aber solche Verhaltensweisen sind für einen Profi wie Sie ja Peanuts.

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