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Unternehmen befragt : Der Kampf gegen den Fachkräftemangel

  • -Aktualisiert am

Bauarbeiter errichten auf einer Baustelle ein Stahlgeflecht. Bild: dpa

Geeignetes Personal zu finden, wird für viele Unternehmen immer schwieriger. Eine Studie zeigt jetzt, was beim Recruiting funktioniert und was nicht.

          92 Prozent der befragten Unternehmen geben an, vom Fachkräftemangel betroffen zu sein. 41 Prozent bezeichnen ihren Personalbedarf sogar als „dringlich“ oder „existenziell“. Künftig sind diese Unternehmen also möglicherweise nicht mehr in der Lage, bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Trotz der wirtschaftlichen Einbußen durch den Personalnotstand, gibt nur jedes zweite vom Fachkräftemangel betroffene Unternehmen an, eine strategische Personalplanung zu betreiben – also Prognosen über Personalengpässe und -bedarf aufzustellen. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Jobseite Indeed, der Zeitschrift Personalwirtschaft und des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft, das kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, Fachkräfte zu finden.

          „Viele Unternehmen leiden unter dem Fachkräftemangel, unabhängig von der Betriebsgröße“, sagt Studienautorin Anika Jansen vom Kofa, kleine Unternehmen hätten es bei der Personalgewinnung aber deutlich schwieriger. Der Grund: Sie haben häufig weniger Ressourcen wie etwa Angestellte zur Verfügung, die sich explizit mit der Personalgewinnung beschäftigten.

          Viele kleinere Unternehmen empfänden eine strategische Personalplanung zudem häufig als zu aufwendig. Annina Hering von Indeed sieht darin eine verpasste Chance: „Viele Unternehmen sind nicht mutig und flexibel genug – gerade kleine müssen umdenken, wenn sie in Zukunft noch Fachkräfte gewinnen möchten.“ Die großen Unternehmen hingegen stünden vor anderen Herausforderungen: Sie benötigten häufig schlicht mehr Fachkräfte und welche, mit spezifischerem Stellenprofil.

          Für die Studie wurden die Unternehmen befragt, ob sie bestimmte Recruiting-Strategien nutzen und falls ja, wie diese für sie funktionieren (siehe Grafik). Aus der Not heraus gehen viele Unternehmen demnach neue Wege. So suche etwa ein Viertel der befragten Unternehmen derzeit im Ausland nach Fachkräften. „Das ist immer noch zu wenig“, sagt Hering. Unternehmen sollten internationalen Bewerbern Offenheit signalisieren, rät sie, etwa durch mehrsprachige Stellenanzeigen.

          Was Unternehmen außerdem dabei helfen könnte, Fachkräfte zu gewinnen: attraktiver für Bewerber werden, etwa durch Sonderleistungen für Fachkräfte wie Boni, einen Dienstwagen oder ganz generell durch eine bessere Work-Life-Balance.

          Eine zunächst kurios klingende Möglichkeit: Statt die Fachkräfte ins Unternehmen zu holen, die Arbeit direkt zu den Fachkräften bringen: „Unternehmen entscheiden sich zwar selten zu der Maßnahme, einen neuen Standort da zu eröffnen, wo die Fachkräfte sind. Wenn sie dies tun, funktioniert das aber in der Regel sehr gut“, sagt Jansen. 73 Prozent der Unternehmen, die diesen Schritt unternommen haben, sagen, das habe für sie gut oder sogar sehr gut funktioniert.

          Da das aber – gerade für kleinere Unternehmen – nicht immer möglich ist, schlägt Hering vor, bestehenden oder potentiellen Mitarbeitern etwa ein Büro in einem Coworking Space in der Nähe ihres Wohnorts einzurichten oder das Arbeiten vom Homeoffice aus zu ermöglichen. Ein anderer vielversprechender Weg sei das Employer Branding, also der Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke – das mache aktuell nur jedes vierte Unternehmen. Doch von diesen sind die meisten zufrieden: 76 Prozent sagen, Employer Branding funktioniere bei ihnen gut bis sehr gut.

          420 Unternehmen – von kleinen mit weniger als 50 Mitarbeitern bis hin zu großen mit mehr als 1000 Beschäftigten – wurden für die Studie befragt. Einschränkend ist anzumerken, dass die Verteilung der Betriebsgrößen deutlich von der gesamtwirtschaftlichen Verteilung abweicht. Somit können zwar für alle Unternehmensgrößen Aussagen getroffen werden, die Ergebnisse sind jedoch nicht repräsentativ. Auch die Verteilung der Branchen, in denen die befragten Unternehmen arbeiten, ist nicht deckungsgleich mit der tatsächlichen Verteilung.

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