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Arbeitsmarktstudie : Weniger Überstunden, mehr Treue zum Arbeitgeber

Mehr Arbeitnehmer als früher gehen pünktlich nach Hause. Bild: dpa

Besonders Führungskräfte und außertariflich bezahlte Mitarbeiter schoben früher viele Überstunden. Doch der Trend ist rückläufig – besonders in dieser Beschäftigtengruppe.

          Trotz des starken Konjunkturaufschwungs leisten deutsche Arbeitnehmer heute weniger Überstunden als noch vor vier bis fünf Jahren. Zugleich leisten Frauen und Teilzeitbeschäftigte insgesamt weniger Überstunden als Männer. Das zeigt eine neue Arbeitsmarktstudie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums, die das Ministerium nun veröffentlicht hat. Sie wurde von mehreren Forschungsinstituten im Rahmen des Projekts „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“ erstellt und stützt sich auf Repräsentativbefragungen von Arbeitnehmern und Betrieben.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Die durchschnittliche Anzahl der geleisteten Überstunden ist in den letzten Jahren rückläufig“, heißt es in dem 113 Seiten starken Bericht, an dem auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beteiligt war. Dies gelte besonders für Beschäftigte mit Leitungsfunktion sowie für außertarifliche Mitarbeiter. Zudem sei besonders in kleineren Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten die Anzahl der Überstunden in den letzten Jahren rückläufig. Im Durchschnitt belaufe sich der Rückgang auf rund 12 Prozent.

          In der jüngsten Befragung für die Studie, der dritten seit 2012, gaben die Arbeitnehmer demnach durchschnittlich 3,4 Überstunden je Woche an. In der ersten waren es durchschnittlich 3,8 Stunden gewesen, in der zweiten von 2015 waren es 3,5. Zugleich bestätigte sich, das Vorgesetzte meist mehr Überstunden machen als ihre Mitarbeiter: Für Führungskräfte ermittelte die Studie zuletzt 4,5 Überstunden je Woche, für einfache Arbeitnehmer 2,9. Vor gut fünf Jahren hatten die Vorgesetzten jedoch sogar noch durchschnittlich 5,7 Überstunden angegeben, einfache Arbeitnehmer hingegen 3,2.

          „Jobzufriedenheit auf sehr hohem Niveau“

          Arbeitgebervertreter zeigen sich über die Ergebnisse erfreut. „Die vom Bundesarbeitsministerium veröffentlichte Studie bedeutet Rückenwind für die gute und wirksame Personalpolitik unserer Unternehmen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber-Bundesvereinigung BDA, Steffen Kampeter, der F.AZ. „Der Trend zu immer weniger Überstunden hält an, und die Jobzufriedenheit der Beschäftigten bleibt auf sehr hohem Niveau – übrigens gerade in Teams, in denen ältere und jüngere Beschäftigte zusammenarbeiten“, lobte er. Unter dem Strich seien viele Ergebnisse der Studie „ein Kompliment für Deutschlands Arbeitgeber“.

          Tatsächlich wird mit der Studie auch die Arbeitszufriedenheit ermittelt. Hier zeigten sich aber keine Veränderungen im Zeitablauf. Junge Arbeitnehmer bis 30 Jahre bewerteten ihre Zufriedenheit auf einer Skala von null bis 10 in allen drei Befragungen mit 7 Punkten, alle übrigen stuften sie mit durchschnittlich 8 Punkten ein. Zugleich bestätigt sich, dass jüngere Arbeitnehmer öfter über einen Wechsel des Arbeitgebers nachdenken als ältere: Während von den über 50-Jährigen gut drei Viertel berichteten, dies seit mindestens zwölf Monaten nicht in Betracht gezogen zu haben, waren es unter den Jüngeren rund die Hälte. Allerdings sind im Vergleich mit früheren Jahren die Jüngeren treuer geworden: Zuletzt gaben von ihnen 53 Prozent an, keine Wechselgedanken zu haben, in der ersten Befragung von 2012 waren das nur 46 Prozent.

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