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Studenten zu Spitzenkräften : Ingenieure von morgen

Technikbegeisterung soll übers Spiel geweckt werden Bild: dpa

Mit der Initiative „Tec to you“ will die Industrie Schüler für technische Berufe begeistern. Doch bei vielen hapert es an einer gründlichen Ausbildung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern.

          Philipp Möller hat am Vormittag noch in der Schule gesessen. Und gleich danach ist der Neuntklässler aus Burgdorf ins benachbarte Hannover aufgebrochen. Zur Messe. Als einziger. Die Mitschüler hatten keine Lust. Jetzt ist es früher Abend. Philipp trägt Jeans und T-Shirt und schlürft auf müden Beinen Richtung Messeausgang. "Für mich hat sich der Besuch total gelohnt", stellt er für sich am Ende des Tages zufrieden fest. Nicht nur, dass er auf der Messe einer von Tausenden Jugendlichen war und viele Gleichgesinnte getroffen hat. Philipp hat auch viel erfahren: "In der Halle 2 fand ich die Bionik total interessant." Noch immer ist er überrascht, wie offen Wissenschaftler und Ingenieure seine Fragen beantwortet haben. Als guter Matheschüler war Philipp schon vorher technisch interessiert. Aber der Messebesuch hat ihn in seiner Absicht bestärkt, nach der Schule eine technische Ausbildung anzustreben.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          "Irgendwas Technisches machen" - das ist auch der Berufswunsch von Lars Arendt aus dem schleswig-holsteinischen Eutin. Er ist schon am Morgen aufgebrochen und mit der ganzen 12. Klasse der Kreisberufsschule Technik nach Hannover gekommen. Die Hannover Messe hat den latent vorhandene Wunsch verstärkt. "Hier bekommt man viel veranschaulicht", sagt der Abiturient.

          Fabian Gentemann schließlich muss nicht mehr überzeugt werden. Er studiert bereits Maschinenbau im 10. Semester in Hannover. Jetzt hält er auf der Hannover Messe nach Praktikantenplätzen Ausschau: "Interessant war, mit Firmen in den direkten persönlichen Kontakt zu treten statt nur über Internet oder Telefon." Diese Erfahrung hat auch Stefan Eike gemacht. Eike hat bereits vier Semester Technische Redaktion hinter sich. Das ist ein recht junger Studiengang, und Eike glaubt, damit mehr machen zu können, als "nur Gebrauchsanweisungen zu schreiben", wie es manchmal abschätzig heißt. Stören muss ihn die Unterschätzung seines Faches nicht. Im Gegenteil: Eike ist nach einer Woche auf der Messe mit vielen Visitenkarten nach Hause gegangen. Und bestimmt dürfte sich die eine oder andere als gute Kontaktadresse für ein Praktikum herausstellen. Sorgen über seine Zukunft macht sich der Student jedenfalls nicht. Dabei war für Eike das Sammeln von potentiellen Praktikantenstellen nur ein Nebeneffekt. Er war einer der in rote Overalls gekleidete Führer, die im Rahmen der Aktion "Tec to you" Schülergruppen über die Messe geführt haben.

          Nachwuchs-Werbung als Imperativ

          Tüftlerinstinkt und Bastelreiz wecken

          Tec to you ist vor einem Jahr als Idee geboren und auf der Hannover Messe erstmals realisiert worden. Tec to you soll junge Menschen für die Beschäftigung mit Technik begeistern. Dahinter steht die Erfahrung, dass viele junge Menschen zwar gern Technik konsumieren in Form von Handys, MP3-Playern oder als Computerspiele, aber sich immer weniger Jugendliche vorstellen können, einmal einen technischen Berufe zu ergreifen. Tüftlerinstinkt und Bastelreiz unter den Jugendlichen sollen wieder entfacht werden.

          Das fehlende Interesse der Jugend an der Auseinandersetzung mit Technik hat inzwischen ganz harte, wirtschaftlich negative Auswirkungen. Schon heute fehlen nach Angaben des VDI Vereins Deutscher Ingenieure hierzulande 48 000 Ingenieure. Und die seit Jahren rückläufige Zahl von Studienanfängern in den Ingenieurwissenschaften lässt erwarten, dass diese Lücke in den kommenden Jahren immer größer wird. Deutschland, so der ZVEI Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, verzichtet bereits heute auf bis zu drei Prozent Wachstum und natürlich technischen Fortschritt, weil an vielen Stellen in Forschung und Entwicklung wie in der Umsetzung in Produkte die nötigen Ingenieure fehlen.

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