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Personalberater : Jagd auf die Headhunter

  • -Aktualisiert am

Relativ konstant geblieben ist das Honorar: Etwa 30 Prozent des späteren Bruttojahresgehalts der gesuchten Position bekommt ein Headhunter, der „klassisch“ arbeitet. Die neuen Start-ups haben dagegen ganz individuelle Finanzierungs-Strategien gefunden: Teilweise verkaufen sie ihre eigene Software, teilweise wird weiterhin an jeder Vermittlung mitverdient. Und manchmal versorgen sie sogar die alteingesessenen Headhunter gleich mit: „Auch wir als klassische Headhunter müssen uns im Moment damit auseinandersetzen, wie wir mit dem digitalen Umbruch umgehen“, sagt Nehring. „Wer die Digitalisierung außer Acht lässt oder falsch interpretiert, wird in wenigen Jahren keine Chance mehr haben.“ Er glaubt an eine neue Struktur: Es finde eine Marktkonzentration zugunsten der Unternehmen statt, die „sich die teure Technik leisten und sie bedienen können“.

Recruiting-Software für Mittelständler

Eine dieser neuen, teuren Techniken ist „Personio“, eine Datensammel- und Recruiting-Software für Mittelständler. Die Funktionen reichen von der Rekrutierung über die Integration von neuen Mitarbeitern bis hin zur Verwaltung von Urlaubstagen und zur Bonusberechnung. Erfolg und Misserfolg von Mitarbeitern lasse sich so in klaren Diagrammen abbilden, sagt der Gründer und Geschäftsführer Hanno Renner.

Früher konnte nur im Vertrieb gemessen werden, wie viel Ware verkauft wird, sein Programm liefert zu allem eindeutige Werte: „Unsere Software kann etwa auch Auskunft geben: Bei welcher Führungskraft sind die meisten Mitarbeiter krank?“ Für die Personalvermittlung sind solche und ähnliche Zahlen von großem Wert. Denn mit ihnen lässt sich heute nicht nur sagen, wer aus welcher genauen Fachrichtung kommt, womit er sich detailliert beschäftigt hat, sondern auch wie erfolgreich er war. „Die Headhunter-Branche kann heute viel mehr auf einen breiten Mix aus Daten zugreifen“, sagt Hanno Renner. „Was früher die Headhunter ausmachte, nämlich, dass sie eine teilweise eigene Datenbank hatten und ein eigenes Netzwerk – das ist heute dank Internet für viel mehr Menschen verfügbar.“

Datenschutz bleibt kritisch

Datenschützern wird womöglich etwas mulmig bei solchen Aussagen. So betont Renner auch, dass für jedes Unternehmen konkret festgelegt werden könne, wer eigentlich Zugang zu welchen Daten hat. Auch Julian von Blüchers Start-up „Talent Tree“ arbeitet viel mit Datenbanken, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Jedoch: Ab dem 25. Mai tritt eine neue EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Diese berechtigt unter anderem Mitarbeiter auch gesetzlich dazu, Anspruch auf die Löschung ihrer Daten zu erheben. Gerade für die jungen Personalvermittlungs-Start-ups könnte dies einen gewissen Dämpfer bedeuten.

Aufzuhalten sind die neuen Unternehmen dennoch wohl kaum. Die alten Platzhirsche begegnen ihnen denn auch mit einigem Respekt: Bei einer der größten inhabergeführten Headhunter-Agenturen in Deutschland, „Topos“, wurde erst kürzlich das interne digitale Management-System umgestellt. Stephan Löw, der Geschäftsführer ist mit Blick auf seine Branche überzeugt: Die „hochwertige und vertrauensvolle persönliche Ansprache wird auch weiterhin ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Besetzung von Positionen sein“. Aber die neue Konkurrenz nimmt er durchaus ernst: „Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen.“

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