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Personalberater : Jagd auf die Headhunter

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Push-Nachrichten für Job-Hopper

Aus dieser Idee entwickelte er „Firstbird“, kündigte in der Kanzlei und machte sich selbständig. Die von ihm entwickelte Plattform ist strukturiert wie eine Miniatur-Ausgabe von Facebook. Es gibt Profile, Seiten und Nachrichten, die ausgetauscht werden. Möchte ein Chef eine neue Stelle ausschreiben, bekommen die Angestellten eine Push-Benachrichtigung über die eigens kreierte App auf ihr Handy gespielt. Die können sie dann auf den verschiedenen sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook teilen.

Für die Mitarbeiter lohnt sich das, sagt Arnim Wahls: „Oft schreiben Unternehmen satte Provisionen aus. Wer beispielsweise den späteren Abteilungsleiter vorschlägt, sichert sich damit schnell einen Amazon-Gutschein in Höhe von 400 Euro.“ Doch die Mitarbeiter machen nicht nur Vorschläge, sie werden auch über jeden weiteren Schritt auf dem Laufenden gehalten – je nachdem, wie der Prozess mit einem „ihrer“ Kandidaten verläuft. Negative Auswirkungen kann ein Vorschlag für die einzelnen Mitarbeiter nicht haben, es ist ein reines Belohnungssystem. Die Plattform sieht sogar eine Möglichkeit vor, wie ein Chef dem Mitarbeiter kurz einen Hinweis geben kann, warum sein Vorschlag eventuell nicht passt.

Kampf um Talente wird härter

Das Prinzip von „Firstbird“ ist simpel, doch es wirkt: Alle Mitarbeiter werden zu kleinen Mini-Headhuntern, die profitieren, je besser ihre eigenen Vorschläge für bestimmte Stellen im Unternehmen sind. Und externe Agenturen müssen nicht mehr beauftragt werden. Kunden von „Firstbird“ sind mittlerweile unter anderen: der Energie- und Automatisierungstechnikkonzern ABB, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und die Deutsche Telekom. Wahls spricht gern vom „War for Talent“, der sich im Moment verschärft. Und tatsächlich sind es vor allem die Arbeitnehmer, die vom Umbruch in der Branche profitieren.

Davon erzählen kann Regina Ruppert. Sie ist seit mehr als 20 Jahren als Headhunterin aktiv und Vizepräsidentin beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. „Die ,schöne neue Welt‘ im Headhunting ist für viele normale Fachkräfte eine enorme Chance – wenn sie nicht genervt werden.“ Niemand wolle jeden Tag 15 Jobangebote per Mail erhalten. Doch sei durch die größere Transparenz der Unternehmen und das schnellere Kommunizieren der Kampf um die Talente auf dem Arbeitsmarkt schärfer geworden. Für die einzelnen Angestellten und Führungskräfte bedeutet das: Mehr Auswahl bei der Suche nach Stellen, mehr Möglichkeiten zum schnelleren Aufstieg. Dabei gehe es schon lange nicht mehr nur um die Topmanager auf der allerhöchsten Führungsebene. Auch Angestellte in der mittleren Hierarchieebene der Unternehmen profitierten.

Vermittlungshonorare bislang konstant

Christoph Nehring, der seit 20 Jahren als „klassischer Headhunter“ arbeitet, sieht das auch so. Er ist Geschäftsführer bei der Agentur „Hapeko“. „Für potentielle Kandidaten steigen die Chancen, eine bessere Auswahl an Stellen zu bekommen“, sagt er. „Der Wettbewerb wirkt jetzt zugunsten der Kandidaten.“

Noch vor wenigen Jahren sei der Prozess völlig anders verlaufen: Wenn der Aufsichtsrat eines Unternehmens den Geschäftsführer auswechseln wollte, konnte er schlecht eine Print-Annonce schreiben, die große Unruhe im Unternehmen verursacht hätte. Dann wurde Nehring vertraulich angerufen, und er machte sich auf die Suche. „Ich rief bei einer Firma an und sagte: Ich komme von der Universität XY und mache eine Übersicht über Einkaufsstrategien. Dann sagte die Sekretärin beispielsweise: Ja, unser Einkaufsleiter ist der Herr Ohlsen.“ Ohne Verabschiedung legte Nehring auf. Und rief eine Woche später wieder an: „Dann habe ich mich aber direkt durchstellen lassen zu Herrn Ohlsen. Und konnte dann vorsichtig vorfühlen, ob er das Unternehmen wechseln will.“

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