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Standpunkt : Gebt den Mitarbeitern das Kommando!

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Über Digitalisierung machen sich anlässlich des IT-Gipfels Gedanken: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU)... Bild: dpa

Will Deutschland in der digitalen Welt Erfolg haben, müssen die Manager einen Kontrollverlust in Kauf nehmen. Warum? Die Bildungsministerin und der IG-Metall-Chef im Gastbeitrag anlässlich des IT-Gipfels.

          Was früher undenkbar war, wird zur Normalität: Beschäftigte krempeln Produktionsabläufe um, Algorithmen stellen die Produktionsplanung auf den Kopf. Gestern hätte das den Unternehmen Kopfzerbrechen bereitet, heute kann genau das zum Erfolgsfaktor werden.

          Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt schnell und tiefgreifend. Diese Revolution kommt nicht über Nacht. Sie ist ein Prozess, und sie kann und muss gestaltet werden: vom Management und den Beschäftigten in den Unternehmen, beide auf Augenhöhe.

          ...und Jörg Hofmann von der IG Metall.

          Dabei müssen wir vielerlei Herausforderungen gleichzeitig begegnen. Globalisierung und demographischer Wandel stehen schon länger im Zentrum der Debatten in Politik und Betrieben. Die Erkenntnis, wie tiefgreifend die Folgen der Digitalisierung für unsere Industrie sind, hat sich dagegen erst vergleichsweise spät und auf leisen Sohlen ins öffentliche Bewusstsein geschlichen. Umso höher sind nun die Erwartungen. Die Digitalisierung soll die „industrielle Quadratur des Kreises“ schaffen: Einzelstücke zum Preis einer Fließbandproduktion bei kürzesten Reaktionszeiten. Erfolgreich ist künftig, wer durch flexible Produktionsabläufe ebenso schnell wie zuverlässig auf neue Anforderungen reagieren kann. Der Agilere gewinnt.

          Deutschlands Startvorteil ist die Qualifikation seiner Beschäftigten

          Dabei wissen die Beschäftigten oft viel konkreter, welche Veränderungen in den einzelnen Abteilungen und Abläufen sinnvoll sind. Auch hier zeigen sich die Vorteile der Mitbestimmung: Betriebsräte im Unternehmen können zu „Foresight-Abteilungen“ werden und Probleme verhindern, bevor sie entstehen. Das schafft Teilhabe im Betrieb, erhöht die Akzeptanz in der Belegschaft und schützt davor, dass Veränderungen zu Lasten der Arbeitnehmer gehen.

          Auch bei der Digitalisierung gilt: Deutschlands Startvorteil ist die Qualifikation seiner Beschäftigten. Sie bringen alle Voraussetzungen mit, neue Strategien zum Beispiel für die wandelbare Produktion umzusetzen. Was die Digitalisierung behindert, sind starre Abläufe in den Unternehmen. In der Praxis führt die Umsetzung von Industrie 4.0 daher zu der heute doch mitunter schwierigen Erkenntnis: Wer als Manager die für Industrie 4.0 nötige Flexibilität erreichen will, muss dafür notwendigerweise einen Kontrollverlust in Kauf nehmen. Genau darin liegen die Chancen für die Beschäftigten in der modernen Arbeitswelt: Sie kann durch flexible Arbeitsgestaltung, neue Berufe und Entwicklungsmöglichkeiten humaner und interessanter werden.

          Die Chancen sind groß, doch ein Selbstläufer ist das Ganze nicht. Das Wirtschafts- und das Forschungsministerium (BMBF), Unternehmen, Verbände und die IG Metall leiten gemeinsam die Plattform Industrie 4.0. Sie fordert zur Realisierung dieser Chancen weitsichtiges unternehmerisches Handeln und politische Gestaltung. Antworten auf neue Herausforderungen sucht das BMBF-Förderprogramm „Zukunft der Arbeit“, in dessen Entstehung und Umsetzung die Sozialpartner eingebunden sind.

          Der Grundgedanke: Der Mensch als Mittelpunkt des Unternehmensgefüges muss Ausgangspunkt für neue Ideen und Technologien sein. Die besten Spezialisten für die digitale Transformation sind die Beschäftigten der Unternehmen. Sollen sie diesen Anspruch erfüllen, dann müssen sie qualifiziert werden - und zwar alle.

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