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Sprache im Büro : Unsere Unworte des Jahres

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Die Beruf-und-Chance-Redaktion hat sich Gedanken über richtig unschöne Worte im vergangenen Jahr gemacht. Bild: dpa

Sie sind angeberisch, verwaschen und breiten sich inflationär aus – vor allem in der Arbeitswelt. Worte, die wir im kommenden Jahr nicht mehr hören wollen. Zumindest nicht so oft.

          Staff

          Es gibt Worte, die lechzen förmlich nach einem besitzanzeigenden Fürwort. Dieses alberne „Staff“ ist so ein Wort. Es wird vermutlich in 99,9 Prozent aller Fälle nicht „der Staff“ gesagt oder „ein Staff“. Es funktioniert nur so: „MEIN Staff!“. Danach folgt dann die Ergänzung, dass er – der Staff also – supertolle Arbeit geleistet, kräftig Überstunden geschrubbt oder anderweitig geglänzt hat. Staff-Benutzer lieben Pathos. Außerdem reichen ihnen verstaubte Worte wie Mitarbeiter oder Kollegen nicht mehr aus. Sogar das gute alte Team, offenbar vor viel zu langer Zeit ins Deutsche importiert, wird verschmäht. Es muss unbedingt der Staff sein, der Anglizismus nach dem Anglizismus. Regisseure von Hollywood-Produktionen oder Trainer von American-Football-Mannschaften sollen ihren Staff hoch und runter loben oder tadeln, aber in deutschen Büros klingt das – ob nun von höhergestellten oder gleichrangigen Kollegen verwendet – weniger gut: pseudo-international, gönnerhaft, jedenfalls unpassend. Welche Gruppe lässt sich schon von jemandem motivieren, der sie mit den Worten „Mein Staff“ umschmeichelt? Wäre ja noch schöner. Uwe Marx

          Erreichbarkeit

          Ist das vorgestrig, über Fluch und Segen der Technik zu reden? Wahrscheinlich. Aber fluchen erleichtert, nämlich über die hässliche Fratze modernen Sklaventums, der Forderung nach permanenter Erreichbarkeit. Das Wort provoziert. Der ambitionierte Arbeitnehmer 4.0 ist selbstverständlich erreichbar, am besten rund um die Uhr, denn er ist wichtig, und um sich der eigenen Wichtigkeit zu vergewissern, tun wir inzwischen doch alle so, als müssten wir die Welt retten – wenigstens ein bisschen. Dabei gibt es wenige Dinge, die jetzt und sofort erledigt werden müssen. Das Smartphonebrummen ist der Sound der beruflich Begehrten. Da will einer was von uns zu den allerunmöglichsten Zeiten. Wir nehmen Anrufe entgegen, als gebe es kein Morgen, und sei es bei der Hochzeit unseres besten Freundes. Wir parlieren, organisieren, vertändeln kostbare Zeit mit Belanglosem, liefern aber ab bis der Arzt kommt. Der ist übrigens einer der wenigen, bei dem die Forderung nach Erreichbarkeit sinnvoll ist, nämlich spätestens dann, wenn wir unter der 24-Stunden-7-Tage-und-Nächte-in-der-Woche-Erreichbarkeit zusammengeklappt sind oder uns leichenblass ins Burnout verabschiedet haben. Schön, dass die ersten Konzerne den Unfug mit der ständigen Erreichbarkeit leicht beschämt und bemüht sang- und klanglos wieder abgeschafft haben. Klasse, dass die Klugen unter den jungen Kollegen mit geradezu eiserner Spießigkeit die freien Teilzeittage und Wochenenden der anderen achten. Wir sind nicht in Rufbereitschaft. Wir haben Feierabend. Und sind hoffentlich lange und gesund an Bord. Ursula Kals

          DNA

          Das Wort „DNA“ ist in Mode gekommen. Weil es sich so schön eignet, auch aus unseren schlichteren Gedanken noch ein bisschen ein Gewese zu machen. Unternehmensberater, Politiker und Marketing-Menschen haben den Begriff schon länger für sich entdeckt: Das ist meist kein gutes Zeichen. Inzwischen sprechen fast alle so. Alles mögliche gehört jetzt zur DNA von diesem und jenem. Kapitalismus-Kritik gehöre zur „DNA der SPD“, sagt Andrea Nahles. Das Sparbuch gehöre zur „DNA der Sparkassen“, sagt wiederum ein Bankenfachmann. Und ein Ingenieurbüro wirbt für sich mit dem Spruch „Treppenbau ist unsere DNA“. Puh. Unternehmensberater verkaufen mittlerweile sogar den Service, herauszufinden, was die „DNA Ihres Unternehmens“ ist. Falls ein Unternehmen das vergessen hat, helfen die Berater auch bei der Sinnsuche. Kein Witz. Das nennt sich dann neudeutsch übrigens „Purpose Beratung“. Tillmann Neuscheler

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