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Gründerserie : Hüter der Entscheidungsbäume

Mittlerweile konzentriert sich der Mitgründer von Recht Logisch auf die digitale Kommunikation zwischen Unternehmen und der Finanzverwaltung. Fast jeder Steuerzahler kennt „Elster“, aber nur Fachleuten aus Steuerberatungsgesellschaften ist „Elster Eric“ ein Begriff: Erst diese Schnittstelle ermöglicht es Unternehmen, zum Beispiel Daten aus der Lohnbuchhaltung über die Software von Drittanbietern an die Finanzämter zu übermitteln. Doch das Nadelöhr hat seine Tücken. Denn nicht jedes Unternehmen pflegt und aktualisiert seine Software. Daraus resultieren Übertragungsfehler, auch wenn Behörden, so etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, immer wieder Updates vornehmen und auf den Schutz vertraulicher Informationen hinweisen. In den Zeiten von Datenskandalen mag dies erstaunlich sein – doch die mangelnde Vorsicht verschafft Recht Logisch Aufträge.

Nutzerfreundlichkeit steht ganz oben

Das wiederum sichert den Spielraum für das Kernprodukt von Recht Logisch: Die Lösung von Steuerfragen mit Hilfe sogenannter Entscheidungsbäume. „Damit lassen sich steuerliche Informationen und Gesetze schrittweise darstellen. Und mit jeder Gabelung können Laien und Fachleute ihr steuerliches Problem weiter eingrenzen“, erklärt Dobinsky. Schon vor der Gründung von Recht Logisch hatte Dobinsky den „Tax Friend“ programmiert; eine interaktive, kostenfreie Software, die Unternehmensgründern, Selbständigen und Angestellten in steuerlichen Standardfragen hilft.

An der deutlich komplexeren Variante, mit der man nun auch Geld verdient, hantierte Zembrowski rund drei Monate. Grau und voll von Programmiersprache sei die „Maschine“ gewesen, wie Zembrowski sein Werk fast liebevoll nennt. Zwei befreundete Designer halfen bei der finalen Optik des Produkts. Für viele Kunden stehe eben die Benutzerfreundlichkeit an oberster Stelle, meint Zembrowski.

Datenbanken werden zu Geschäftsmodellen

Seit knapp einem Jahr ist die „Maschine“ nun im Einsatz: Für Steuerberater und Unternehmen; auch mehrere Konzernsteuerabteilungen sollen schon Interesse an dem Einsatz an der Software signalisiert haben. „Sie geben uns Informationen, und wir liefern binnen kurzer Zeit die möglichen Lösungen für Steuerfragen“, sagt Dobinsky selbstbewusst. Als Zielgruppe haben die Gründer auch die Verlagsbranche im Auge. Medienhäuser sitzen auf Unmengen von Daten, viele noch in Papierform.

Werden diese digital erfasst und miteinander verknüpft, können neue Geschäftsmodelle entstehen. So etwa im Fall der mittelständischen Verlagsgruppe NWB aus Herne, deren „Neue Wirtschafts-Briefe“ das Referenzwerk für die Steuerberater ist. Das Verlagsprogramm besteht auch aus einer Datenbank von Fachaufsätzen, Nachrichten und Urteilen. Und um Nutzern die Suche nach Begriffen auf der Website zu erleichtern, können für NWB Entscheidungsbäume wie die von Recht Logisch hilfreich sein.

Mittlerweile investieren auch die sogenannten Big-Four-Beratungsgesellschaften in die Entwicklung eigener Software. Nicht immer sind für Fortschritte eigene Teams verantwortlich. Wichtige Impulse kommen auch über die Kooperation mit Start-ups zustande. In der Vergangenheit haben Beispiele etwa im Fin-Tech-Bereich gezeigt, dass jungen Unternehmen damit Spezialwissen entzogen wurde. Eine solche Gefahr sieht Dobinsky momentan nicht. „Wir sind nur ein kleiner Player in der Nische“, entgegnet er auf Nachfrage. Die Option, ihre „Maschine“ künftig als Sub-Unternehmer einer der größeren Einheiten anzubieten, halten sich die Gründer von Recht Logisch noch offen.

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