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Einkommen in IT-Branche : So viel verdienen Freelancer und Freiberufler

  • -Aktualisiert am

Eine Studie unter IT-Freiberuflern zeigt, wie viel diese verdienen. Bild: dpa

Steigende Stundenlöhne, gute Auftragslage: Freien Programmierern und Entwicklern geht es laut einer Studie so gut wie nie. Doch es gibt gewaltige Unterschiede.

          Haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, Ihren starren Arbeitsvertrag zu kündigen und sich selbständig zu machen? Wie wäre es in diesem Fall mit einer freien Mitarbeit? Einer neuen Studie zufolge stehen Freelancern rosige Zeiten bevor: Ihre durchschnittlichen Gehälter steigen seit drei Jahren kontinuierlich und überschreiten nun erstmals einen Stundenlohn von 90 Euro. Neun von zehn Freelancern erwarten für das kommende Jahr zudem eine bessere oder gleichbleibende Auftragslage.

          Das geht aus dem Freelancer Kompass 2018 der Plattform freelancermap hervor, die Freiberufler und freie Mitarbeiter für IT-Projekte vermittelt. Für die dritte Auswertung in Folge wurden 1092 frei arbeitende IT-Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihrer finanziellen Situation und Auftragslage befragt.

          Demnach ist die Bezahlung für freie Mitarbeit so hoch wie nie: 91,05 Euro und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr erhalten Freelancer aus allen drei Ländern durchschnittlich pro Stunde, in Deutschland sind es 89,63 Euro. Das monatliche Nettoeinkommen liegt damit bei 6120 Euro. Fast zwei Drittel der Befragten glauben, dass sie mehr verdienen als ihre fest angestellten Kollegen in gleicher Position.

          Frauen verdienen sieben Euro weniger – pro Stunde

          Die Höhe des Einkommens hängt jedoch von Alter, Geschlecht und Branche des freien IT-Mitarbeiters ab: Während 40- bis 49-Jährige den höchsten Stundensatz von mehr als 95 Euro erhalten, verdienen jüngere Freelancer unter 30 Jahren nur rund 74 Euro in der Stunde. Auch mit zunehmendem Alter sinkt der Stundenlohn: Freie Mitarbeiter, die älter als 69 Jahre sind, erhalten im Schnitt noch knapp 84 Euro.

          Freelancerinnen werden außerdem deutlich schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen: Während Männer durchschnittlich mit 91,93 Euro Stundenlohn vergütet werden, erhalten sie gerade mal 84,28 Euro – das sind mehr als sieben Euro weniger. Die „Gender Pay Gap“ hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr sogar vergrößert: 2017 betrug der Einkommensunterschied noch drei Euro.

          Trotzdem gaben fast zwei Drittel der befragten Frauen an, mit der Höhe ihres Einkommens zufrieden zu sein – bei den Männern allerdings knapp drei Viertel. Der Einkommensunterschied könnte auch erklären, weshalb Frauen viel seltener als Freelancer arbeiten als Männer: Nur jeder zehnte Studienteilnehmer war weiblich.

          Sachsen belegt den letzten Platz

          Deutliche Unterschiede zeigen sich außerdem beim Vergleich der Fachgebiete, in denen die befragten IT-Experten beschäftigt sind. Während freie SAP-Mitarbeiter mehr als 110 Euro in der Stunde verdienen, kommen Grafiker und Medienschaffende auf gerade mal 62 Euro. Ingenieure und Entwickler stehen mit knapp 77 bzw. 80 Euro etwas besser da.

          Wie viel ein freier Mitarbeiter verdient, entscheidet außerdem sein Wohnort. Die meisten freien Mitarbeiter (rund 87 Prozent) stammen dabei aus den sogenannten alten Bundesländern, in denen der Stundenlohn im Schnitt deutlich höher liegt. Während sich etwa Freelancer aus dem Saarland über 101 Euro Stundenlohn freuen können, würden sie in Thüringen und Sachsen mit durchschnittlich rund 70 Euro wesentlich schlechter bezahlt. Übrigens: Wer einen höheren Stundenlohn erzielen möchte, könnte auch in die Schweiz auswandern. Dort liegt der Durchschnitt bei stolzen 119,55 Euro. 

          Selbständige wünschen sich mehr Anerkennung von der Politik

          Die Freelancer wurden auch nach den größten Herausforderungen der Selbständigkeit gefragt. Dabei nannten fast zwei Drittel die Akquise neuer Projekte. Schwierig sei es außerdem, Berufliches und Privates voneinander zu trennen (37 Prozent Zustimmung) sowie eine höhere Bezahlung auszuhandeln (32 Prozent). Die Nachteile seien dementsprechend vor allem finanzieller Natur: Genannt wurden unter anderem schwankendes Einkommen, Zahlungsverzug und unbezahlter Urlaub.

          In einer weiteren Studie, die FAZ.NET vorab vorliegt, befragte der Softwarehersteller Buhl gemeinsam mit dem Start-up invoiz sowie dem Verband der Selbstständigen und Gründer Deutschland (VGSD) mehr als 3000 Selbständige zu den Nachteilen der unabhängigen Berufstätigkeit. Neben dem unbeständigen Einkommen nannten sie besonders häufig bürokratische Nachteile. Vier von fünf Befragten gaben an, sich von der Politik nicht respektiert zu fühlen. Ebenso viele sehen einen – teilweise erheblichen – Verbesserungsbedarf bei der sozialen Absicherung.

          Der Vorstandsvorsitzende des VGSD Andreas Lutz beklagt, dass die staatlichen Anforderungen, die Selbständige erfüllen müssten, immer undurchsichtiger würden – etwa durch die neue Datenschutzverordnung. Ein weiteres Problem sei die Krankenversicherung: „Gesetzlich versicherte Selbstständige zahlen zwischen 435 und 5000 Euro monatlichem Einkommen deutlich höhere Krankenversicherungsbeiträge als bei Angestellten Arbeitgeber und -nehmer zusammen“, so Lutz. Er fordert, die Beiträge für Selbständige zu reduzieren, damit ihnen mehr Geld für die Altersvorsorge bleibt.

          Neben den Nachteilen bietet eine freie Berufsausübung jedoch auch einige Vorteile: Der Freelancer Kompass nennt hier unter anderem Unabhängigkeit, freie Zeiteinteilung, Entscheidungsfreiheit und die Vielfalt der Projekte.

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