https://www.faz.net/-gyl-8aujc

Frische Ideen : Zwei Frauen propagieren die neue Arbeitswelt

Karen Parkin, die oberste Personalfrau von Adidas Bild: Adidas

Karen Parkin von Adidas und Janina Kugel von Siemens sind für Personal zuständig. Sie sind Managerinnen aus unterschiedlichen Welten. Doch ihre Gedanken über das moderne Arbeiten sind überraschend ähnlich.

          Janina Kugel schlägt erstaunliche Töne an. „Wir müssen die hierarchische Denke aus unserer Arbeit herausnehmen und einen offenen Dialog führen“, beschreibt sie die Herausforderungen an eine neue Arbeitswelt. „Die Führung muss horizontaler werden.“ Karen Parkin könnte ihr eigentlich nur beipflichten: „Eine hierarchische Kultur, in welcher der Rang des Mitarbeiters die Zahl der Fenster im Einzelbüro festlegt, ist fehl am Platze“, sagt sie. Kugel denkt genauso: „Klassische Karrieresymbole wie das eigene Eckbüro mit möglichst vielen Fenstern verlieren an Bedeutung.“ Über die Konsequenzen sind sich beide im Klaren. Kugel sagt: „Da müssen Führungskräfte dann auch einmal mehr einstecken.“ Parkin warnt: „Bei aller offenen Diskussion gilt aber der Respekt gegenüber dem Vorgesetzten, das ist noch lange kein Grund, unhöflich zu werden.“

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Es ist ein virtueller Dialog zwischen zwei Managerinnen über die Zukunft des Arbeitsplatzes. Janina Kugel und Karen Parkin arbeiten als Personalchefinnen großer Konzerne, sind sich jedoch bislang nicht begegnet. Ihre Welten können kaum unterschiedlicher sein. Kugel, Personalvorstand von Siemens, arbeitet für einen Industriekonzern, der fernab jeglicher Konsumnähe Energie-, Bahn-, Gebäude-, Medizintechnik, Antriebssysteme, Produktionsanlagen oder Industrieautomation anbietet und als Arbeitsdirektorin 330.000 Menschen führt. Parkin, Chief Human Resources Officer von Adidas und verantwortlich für 54.000 Beschäftigte, ist in die Sportszene eingetaucht. Sportartikel und Lifestyle-Mode, Fußballtrikots und -schuhe, Fußbälle oder Golf sind ihr Metier. Eine Weltmarke wie Siemens, aber eben cool vor allem für junge Menschen. Die eine hat mit nüchternen Technikern, Elektronikern und Ingenieuren zu tun. Die andere schwimmt auf der Welle von Lebensstil, Freizeit, Spaß und Sport, wo Designer und Kreative den Ton angeben.

          Und doch gibt es eine gemeinsame Klammer, die beide Welten verbindet. Schnelligkeit und hohe Flexibilität in den Entscheidungsprozessen sind ein Tribut an den immer härteren globalen Wettbewerb, der Siemens wie Adidas herausfordert. Mit entsprechenden Konsequenzen für das Arbeitsumfeld. „Erst in einer kreativen Arbeitsatmosphäre entstehen neue Ideen“, sagt Adidas-Personalchefin Parkin. „Entschlossenheit der Mitarbeiter, Teamwork und Flexibilität beschleunigen doch erst die Prozesse.“ Unter ihrer Regie testet der Sportausrüster in der Zentrale in Herzogenaurach neue Bürokonzepte, die später in allen Standorten auf der Welt umgesetzt werden sollen – um am Ende auch so dem Wettbewerb besser Paroli bieten zu können.

          Der feste Arbeitsplatz ist out

          „Es gibt nicht mehr ,meinen festen Arbeitsplatz‘, der belagert wird“, sagt Parkin. Mitarbeiter setzen sich dorthin, wo ein Tisch frei ist. Gruppenbesprechungen finden entweder in kleineren Konferenzräumen oder in einer kleinen „Chat Box“ statt; eine Art Raum im Raum; gut abgedämmt, geeignet für Gespräche zu zweit oder zu dritt oder auch nur als Rückzugsraum, wenn einmal konzentriert gearbeitet werden muss. Eines ist der 50 Jahre alten Engländerin wichtig: „Die direkten Kommunikationswege erhöhen das Tempo.“

          Natürlich lassen sich solche Konzepte in einer Kreativbranche leichter umsetzen als in einem eher grundsolide anmutenden Job eines industriellen Arbeitgebers. Doch gilt auch bei Siemens: „Die klassischen Statussymbole der Baby Boomer und der Generation X verlieren an Bedeutung“, sagt Kugel, 45 Jahre alt. So etwas lässt sich allerdings in einer Belegschaft mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren wie bei Adidas besser vermitteln als in einem Großkonzern mit Mitarbeitern aller Altersgruppen, in Deutschland zu drei Viertel älter als 35 Jahre. Zudem gibt es bei Siemens noch viele festgefahrene Strukturen, die Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser mit einem radikalen Umbau aufbrechen möchte.

          Weitere Themen

          Die neue Flower-Power Video-Seite öffnen

          Parfumstadt Grasse : Die neue Flower-Power

          Das französische Grasse war als Weltstadt der Parfumindustrie bedroht. Es brauchte einen deutschen Roman, um an die Tradition zu erinnern. Nun aber kehren junge Leute, die großen Konzerne und die Duftmeister der Branche zurück.

          Topmeldungen

          Michel Platini telefoniert in Nanterre nach seiner Entlassung aus dem Gewahrsam der Polizei.

          Ehemaliger Uefa-Präsident : Polizei entlässt Platini aus Gewahrsam

          Als Spielmacher fand Michel Platini auf dem Fußballfeld fast immer freie Räume. Nun sieht sich der frühere Uefa-Präsident von Anti-Korruptions-Ermittlern in die Enge getrieben. Und die haben nicht nur ihn im Visier.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.