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Siemens-Vorstand Roland Busch : Der Rechner kann 24 Stunden arbeiten – wir nicht

Siemens-Technologievorstand Roland Busch Bild: Jan Roeder

Wie wird man Erfinder? Ist das erlernbar? Und was verändert die Digitalisierung? Wir haben den Technologie-Chef von Siemens gefragt, der gerade zwölf Erfinder ausgezeichnet hat.

          FRAGE: Herr Busch, wie bekommen zwölf Forscher 590 Erfindungen hin?

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          ANTWORT: Also an einem Tag machen die das nicht. Sie sind schon seit vielen Jahren im Unternehmen tätig, tüfteln und forschen permanent. Viele Erfindungen leiten sich aus ihren früheren Entwicklungen ab, die nun Patente sind. Es sind die Topleute unter immerhin fast 43 000 Forschern und Entwicklern im Siemens-Universum. Die haben dieses Jahr fast 4000 Patente eingereicht. Das ist für mich ganz großes Kino.

          FRAGE: Aus welchen Bereichen kommen die besonders Findigen, die Siemens seit 1995 jährlich auszeichnet, nun auch für 2018?

          Das ist sehr gemischt. Da sind Physiker, Techniker, Mathematiker dabei. In der Regel sind sie in den MINT-Bereichen beschäftigt.

          Was hat sie ausgezeichnet?

          Einer hat eine Software programmiert, die das Design von Werkteilen für 3D-Drucker revolutioniert. Andere Erfinder haben eine Fensterbeschichtung ausgeklügelt, die den Mobilfunk-Empfang in Zügen erheblich verbessert – und so Probleme des täglichen Lebens löst. Einen Siemensianer haben wir für sein Lebenswerk prämiert. Er hat ein hocheffektives System zum Testen von Halbleitern entwickelt.

          Jetzt wird es aber sehr speziell!

          Das ist nicht ohne. Der Aufwand für das Testen von Chips ist genauso groß wie deren Herstellung. Das heißt, neben einer Fabrik für die Produktion müsste noch einmal das gleiche Geld in ein riesiges Testlabor investiert werden. Dem Preisträger ist es schon vor Jahren gelungen, die Testsoftware zu komprimieren, auf dem Chip unterzubringen, dort arbeiten zu lassen – um die Ergebnisse später außerhalb des Chips auszulesen. Die Methode beschleunigt die Testgeschwindigkeit mittlerweile um das fast Hundertfache. Damit konnte er die Kosten für Tests auf einen Bruchteil des bisherigen Niveaus senken.

          Wie selektieren Sie Ihre Besten?

          Erfindungen werden zum Patent angemeldet. Das wertet die Patentabteilung aus. Gute Leistungen lassen sich unter anderem daran erkennen, dass ein Patent viele Lizenzeinnahmen abwirft. Das läuft also nicht nach dem Motto: „Das hat uns gut gefallen, da gibt es einen Preis“. Was die Kollegen erfinden, hat direkten Einfluss auf unser Produktportfolio.

          Erfindungen werden messbar?

          Über Patente, ja. Die Entwicklung der Software für den Chip-Test bringt große Einsparungen für Hersteller. Der Hebel ist gigantisch.

          Haben Sie ein konkretes Beispiel aus dem Auftragsbuch von Siemens?

          Vor wenigen Wochen haben wir einen Auftrag für die Ausrüstung der norwegischen Bahn mit Signaltechnik über 800 Millionen Euro gewonnen. Im Angebot wirkte sich das Zusammenspiel der Konzernentwicklung mit den Experten der Division Bahntechnik aus. Die Kollegen haben zusammen eine neue Datendiode für die Gleissteuerung entwickelt, die wie eine Einbahnstraße funktioniert: Weil die Daten nur in eine Richtung fließen können, ist der Zugriff aus dem Internet unmöglich. Hackern ist somit der Weg versperrt und eine Cloud-Anbindung unproblematisch. Es geht also in diesem konkreten Fall auch um Cyber-Sicherheit. Normalerweise müssen wegen der hohen Sicherheitsanforderungen zwei Prozessoren verschiedener Hersteller parallel laufen. Erst wenn beide zum selben Ergebnis kommen, geht ein Kommando raus. Unsere Leute haben eine Lösung gefunden, wie dies auf einem Multicore-Prozessor sichergestellt werden kann. Die Kosten haben sich halbiert.

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