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Serie „Versetzt nach...“ : Hollywood am Broadway

Gesichter einer Großstadt: Gut wohnen lässt es sich in Brooklyn... Bild: AP

New York verlangt Tempo, Ehrgeiz und Flexibilität. Dafür bietet die Metropole einiges. Wo sonst kann man Woody Allen über den Weg laufen? Teil 5 unserer Sommerserie über das Leben und Arbeiten in den Metropolen der Welt.

          Spaziergänge in New York sind etwas ganz Besonderes, findet Ann-Carolin Reimsbach. Die in der New Yorker Marketingabteilung des Industriekonzerns Siemens arbeitende Deutsche liebt es, die Straßen der Stadt entlangzuschlendern, denn man weiß nie, welche Berühmtheit man gerade erspähen kann. So wie an jenem Samstagabend vor ein paar Monaten, als ihr an der Upper East Side Woody Allen über den Weg lief. „Das war ein richtiger New-York-Moment“, schwärmt die 45 Jahre alte Reimsbach. Oft nutzt Reimsbach auch aus, dass Hollywood-Superstars am Broadway gastieren, so wie kürzlich, als sie Denzel Washington aus der ersten Reihe eines Theaters gesehen hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Siemens-Managerin ist freilich nicht nur wegen der berühmten Gesichter nach New York gekommen: Ein Auslandseinsatz hat sie schon seit langem gereizt. Reimsbach ist seit 25 Jahren bei Siemens, vor zehn Jahren machte sie schon einmal für ein paar Monate Station in Boston, und seither hat sie oft mit dem Gedanken gespielt, für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Ende 2008 tat sich eine freie Marketing-Position in der New Yorker Niederlassung auf. Reimsbach meldete Interesse an und bekam den Zuschlag. Im Januar 2009 kam sie in New York an, Schwerpunkte ihrer Aufgabe in der Siemens-Dependance sind interne Kommunikation und Werbung.

          Wegen Belanglosigkeiten auf der Straße angesprochen werden

          Reimsbach hatte das Glück, dass sie mit einigen ihrer neuen New Yorker Kollegen schon in vorherigen Positionen bei Siemens gearbeitet hatte. „Das hat den Start erleichtert, beruflich und auch privat.“ Mit einigen ihrer Kollegen trifft sie sich auch in der Freizeit, außerdem hat sie Kontakte über einen Marketingkurs geknüpft, den sie an der New York University belegt. In ihrem New Yorker Freundeskreis sind viele Amerikaner und kaum Deutsche.

          ...gut einkaufen kann man im Meatpacking District

          Auch wenn sich Reimsbach heute gut integriert fühlt, musste sie sich an einige Eigenheiten der Amerikaner doch erst gewöhnen. Etwa, dass sie bei ihrer Standard-Grußformel „How are you?“ eine uneingeschränkt positive Antwort erwarten. Oder dass man ständig wegen Belanglosigkeiten auf der Straße angesprochen wird. „Da sagt dann auf einmal jemand, dass er meine Handtasche toll findet.“ Ihre Entsendung ist auf drei Jahre angelegt, ob sie eine Verlängerung anstrebt, weiß sie noch nicht. Auf die Dauer sieht sie sich aber doch eher in Deutschland: „Das ist einfach meine Heimat.“

          Hohe Schlagzahl

          Pola Bamberg kann sich dagegen eine Rückkehr nach Deutschland auf absehbare Zeit nicht vorstellen. Die 30 Jahre alte Tübingerin ist nicht nach New York entsandt worden, sondern auf eigene Faust hierhergekommen, oder besser gesagt: Sie ist hier hängengeblieben. Bamberg war im Jahr 2005 eigentlich nur zum Urlaub in New York, frisch nach Abschluss ihres Studiums für Industriedesign an einer Akademie im holländischen Eindhoven. Aus reiner Neugier schaute sie im Studio des Designers Dror Benshetrit vorbei. Bamberg plauderte ein paar Stunden mit dem Designer, am Ende bot er ihr einen Job an. So landete sie etwas unverhofft in New York und kümmerte sich in dem Studio unter anderem um den Vertrieb. Sie verkaufte zum Beispiel ein Design für eine Vase an den deutschen Porzellanhersteller Rosenthal.

          2006 wechselte sie zu einer auf Immobilien spezialisierten Marketingagentur. Bei einem ihrer Projekte traf Bamberg den italienischen Designer Piero Lissoni, und der heuerte sie für ein neues Vorhaben an: eine in New York ansässige Firma mit dem Namen „By Lissoni“, die sich auf italienische Designkonzepte für Hotels und Wohnhäuser spezialisiert. Dazu gibt es Partnerschaften mit mehreren Dutzend italienischen Marken. Bambergs Aufgabe ist es, Bauträger als Kunden zu gewinnen.

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