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Türen öffnen, Kopierer starten : Schwedische Arbeitnehmer lassen sich Chip implantieren - freiwillig

Die damals erwartete breite kommerzielle Nutzung sei bislang ausgeblieben, sagt er: „Es gibt nur wenige Beispiele, etwa in der Medizin.“ Dagegen sei ein Club in Barcelona, der seinen Gästen dank RFID-Implantaten bargeldloses Bezahlen ermöglichte und damit durch zahlreiche Medien geisterte, mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Nagenborg nennt RFID „eine Zwischenlösung“. Heute gebe es viel ausgefeiltere Überwachungsmethoden wie vernetzte Kamerasysteme, die mit biometrischen Systemen wie Gesichtserkennungssoftware arbeiten.

„Die arbeiten heimlich und sind deshalb viel gefährlicher“, warnt der Dozent der Hochschule Twente. „Beim RFID-Chip willige ich wenigstens freiwillig in die Implantierung ein.“ Die Freiwilligkeit spielt für Nagenborg eine entscheidende Rolle. Und gerade dort hegt er große Zweifel bei der Frage nach kommerzieller Nutzung in Unternehmen. Während der Testphase funktioniere der Drucker sicherlich noch ohne Chip. „Das kann sich aber im Laufe der Zeit ändern, und dann heißt es: ,Lass dir halt einen Chip implantieren.‘“

Chip-Partys für Cyborgs bald auch in Deutschland?

Diese Gefahr sieht auch Fraunhofer-Leiter Sigl. Er persönlich habe mit einem implantierten Kennungschip wie im schwedischen Beispiel kein Problem, solange sich ein Erwachsener bewusst dafür entscheide. „Allerdings darf es nicht zu einem Gruppenzwang kommen, der die Freiwilligkeit einschränkt“, sagt der Wissenschaftler. Letztendlich glaubt auch er nicht, dass sich die Chipimplantierung in deutschen Büros durchsetzen wird. Zumindest sei bei ihm bislang noch keine Anfrage aus der Wirtschaft angekommen. Die schwedischen Pioniere sind da ganz anderer Meinung.

Zuerst gelte es, den Schlüsselbund und die Pin zu ersetzen, als Nächstes komme die Brieftasche, sagen Hannes Sjöblad und seine Mitstreiter. Sich selbst bezeichnen sie hin und wieder ganz ohne Scheu als Cyborgs - als Mischwesen aus Fleisch und Blut einerseits, moderner Technik andererseits. Es werde nicht mehr lange dauern, prognostizieren sie, bis mit dem Chip auch Tickets für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen seien. Danach würden auch Bibliotheken und Supermärkte den Chip als Alternative zu ihren Benutzer- und Kundenkarten akzeptieren und Banken als Alternative zur Kreditkarte Implantate anbieten. Und schließlich werde der Chip genügen, um ins Theater oder ins Kino zu gehen und für einen Flug einzuchecken.

In Stockholm wird es in den nächsten Wochen gleich mehrere Chip-Partys geben, die Zahl der schwedischen Cyborgs dürfte also weiter steigen. Die Mieter für das „Epicenter“ in Stockholm stünden schon Schlange, heißt es von dem Immobilienkonzern. Und Hannes Sjöblad von Bionyfiken wundert sich zunehmend über die Skepsis, die ihm mancherorts entgegenschlägt. „Worauf warten wir noch? Wir können damit doch nur gewinnen.“ Die ersten Cyborg-Vereine haben sich inzwischen auch in Deutschland gegründet.

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